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Frankenwald-Gymnasium Kronach

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Man wolle zusammenkommen, denn verbunden sei man stark für eine demokratische Gesellschaft, so heißt es in der Broschüre zum diesjährigen Junify in Berlin, einem Zusammenkommen der Preisträger des diesjährigen Wettbewerbs Demokratisch handeln.

Demokratie heißt nicht nur, dass man die Vorzüge dieser Herrschaftsform genießt, dass man sich einlebt in die Chancen, die diese Gesellschaftsform anzeigt, dass man einfach nur existent sein muss, da sein muss, Rituale pflegen muss, um alsdann als möglicher Demokrat zu gelten.

Demokratie heißt so viel, so weit mehr! Es setzt nicht nur Verantwortung und Zivilcourage voraus, es verlangt vielmehr die Teilnahme, das Mitmachen, das Einbringen in gesellschaftliche Debatten - das Diskutieren, das Aushalten von Gegenmeinungen … Es setzt voraus, dass man sich nicht versteckt, es fordert vielmehr, dass man sich herauswagt aus der eingelebten Wohlfühloase einer wie auch immer gearteten Wohlstandsgesellschaft, dass man sich hineinstürzt in gesellschaftliche Diskurse, sich im Prozess der Auseinandersetzung auch verletzt, sich dann aber nicht zurückzieht, sondern vielmehr daraus Kraft gewinnt, sich neu einzubringen.

Es setzt vor allem aber voraus, dass man sich nicht hinter irgendeiner schön scheinenden Larve demokratisch wundervoller Werte versteckt; Demokratie beansprucht nicht den in der Öffentlichkeit souverän agierenden demokratisch wohlfeilen Schauspieler, Demokratie fordert denjenigen, der Demokratie lebt, der die demokratischen Werte lebt, auch wenn es verlangt, dass man aneckt!

Das Festival in Berlin war eine Zusammenkunft jener jungen Demokraten: In unterschiedlichsten Kategorien bewiesen die Zusammengekommen, wie einfach es ist, sich demokratisch zu engagieren, wie schwer es gleichzeitig ist, sich demokratisch einzubringen, mögliche Probleme zu erkennen und sinnvoll zu lösen, gar auch möglichen Gegenwind aushalten zu müssen.

In unterschiedlichsten Kategorien sind die unterschiedlichen Schülergruppen ausgezeichnet worden.

Eine Kategorie hat sich mit der Demokratie vor Ort beschäftigt, denn Demokratie „lebt im kommunalen und nachbarschaftlichen Umfeld, in der Stadt ebenso wie in der ländlichen Umgebung“, heißt es in der Beschreibung dieses Bereiches des Wettbewerbs. Ausgezeichnet worden sind hier Projekte, die das „Handeln im unmittelbaren Lebensumfeld“ thematisiert haben, deren Beiträge etwas zur demokratischen Entwicklung in der Basiseinheit der Gesellschaft geleistet haben. So ist hier u.a. das Projekt „Lausitz mit Zukunft“ ausgezeichnet worden, in Projekt, dass gezeigt hat, wie der Strukturwandel in einer ohnehin schon abgehängten Region geschafft werden kann.

Eine weitere Kategorie des Wettbewerbs hat den zentralen Lebensbereich der Schülerschaft unter die Lupe genommen und hier nach demokratischem Engagement in der Schule gefragt, denn „demokratisches Handeln beginnt im Alltag“ der Schüler, so die Wettbewerbsbroschüre. So ist hier eine Grundschule in Halle für die Durchsetzung von Kinderrechten prämiert worden, ebenso eine Mittelschule aus Schwabach für ihr regelmäßig tagendes Parlament. In dieser Kategorie ist auch das Parlamentsprojekt der zehnten Klasse ausgezeichnet worden, denn es hat, wie auch die anderen Projekte in dieser Kategorie, gezeigt, „wie Kinder und Jugendliche die Demokratie in ihrem Lernumfeld stärken, wie sie demokratische Mitbestimmung“ ausgestalten. Als die Schüler:innen der zehnten Klasse erkannt haben, was alles politisch möglich ist, haben sie nicht nur gestaunt, sondern ihr Staunen vielmehr in Ideen überführt: Könne man nicht die Kinderrechte auch am FWG einführen, könne man nicht ebenso ein regelmäßig tagendes Parlament der Schüler:innen einführen, könne man nicht als Jugend in verschiedenen Performance-Auftritten auf die Vorstellungen der jungen Generation aufmerksam machen, könne man nicht … Vielleicht muss man kleiner anfangen und auf Erfahrungen bereits vergangener Projekte aufbauen: Insofern hofft die Gruppe darauf, dass man vielleicht die Wahlen zur SMV in Zukunft anders gestaltet und dass man vielleicht ein Schülerparlament einrichtet. „Andere Schulen, vor allem in Bayern, bekommen das doch auch hin, warum nicht wir?“, so eine mitgereiste Schülerin.

Eine dritte Wettbewerbskategorie befasste sich schließlich mit dem Zusammenleben und der Inklusion. In dieser Kategorie geht es darum, „die Würde jede einzelnen Menschen“ anzuerkennen „und die Verschiedenheit, ohne Gewalt und im friedlichen Wettstreit der Meinungen“ zu leben. Hier wurde beispielsweise der Projekttag gegen Mobbing eines Gymnasiums aus Soest ausgezeichnet, aber auch das Projekt „Gegen Mauern im Kopf – für Offenheit und Demokratie“ der Gemeinschaftsschule in Soest.

Das Festival selbst hat nicht nur die Preisträger gewürdigt, vielmehr hat es ebenso in Workshops und Beiträgen eine Anleitung zu demokratischen Handeln gegeben. Dabei ist es nicht nur um die Sonderpreise gegangen, nicht nur darum, dass der Hildegard-Hamm-Brücher Preis nebst Medaille verliehen worden ist, sondern es ist auch darum gegangen, den jungen Demokraten Möglichkeiten und Chancen aufzuzeigen, wie man sich in gesellschaftliche Prozesse einbringen kann.

Schon zu Beginn haben zwei Improvisationskünstler kreativ gezeigt, was Demokratie verlangt. In der absurden Situation, dass einer der beiden Künstler seinen Brokkoli in einem Waschsalon waschen möchte, spielten beide Improvisationskünstler diese Situation einmal in einer Anarchie und einmal in einer Plutokratie durch. In der ersten Szene endete das Waschen des Brokkoli in Gewalt, denn in einer Gesellschaft ohne Regeln setzt sich notwendigerweise derjenigen durch, der entweder mehr Kraft hat oder die besseren Waffen. Das vorhersagbare Ergebnis der Plutokratie war es, dass derjenige, der viel Geld hat, den Armen der Gesellschaft, welcher lediglich seinen Brokkoli waschen wollte, dazu zwang, sich beim Waschen des Brokkoli auszuziehen … Gesellschaft braucht Regeln, Gesellschaft braucht den sozialen Ausgleich, eine Erkenntnis, die sich nach dem Schock der zwei Spielszenen in der Zusammenkunft von ungefähr 150 Schüler:innen durchgesetzt hatte.

Im anschließenden Connect haben sich die Projekte in unterschiedlichen Gruppen zusammenfinden und sich austauschen können. Neben dem Lob für das Projekt, dem Zuspruch für das Engagement hat man sich ebenso darüber ausgetauscht, wie schwierig es manches Mal ist, sich demokratisch engagieren zu wollen … Der Zuspruch am Ende, die Gewissheit, dass man mit seiner Motivation nicht allein gewesen ist, hat wiederum Kraft und Mut gegeben, weitere Ideen umzusetzen, weitere Projekte anzustoßen … Denn Demokratie lebt nun einmal davon, dass man sich demokratisch einbringe, dass man Schwierigkeiten überwinde, dass man Gegenwind aushalte …

In den Workshopangeboten konnte man sich nun auf unterschiedlichen Betätigungsfeldern ausleben. Zwei Schüler:innen gingen in den Workshop „Zombieapokalypse“, zwei Schüler:innen in den Workshop „Feministisches Schreiben“. Alle waren im Nachgang zufrieden! Es ist sogar soweit gekommen, dass Gina-Marie Graf ihren verfassten Text dem Auditorium am Freitag hat vorstellen dürfen; tosender Applaus war der Dank für ihren wundervollen wiewohl befremdlichen Text.

„Es hat alle meine Erwartungen komplett übertroffen!“, so eine Schülerin am Ende des Festivals auf der Rückfahrt.

Folglich hoffen die Preisträgerinnen, dass man nicht nur von Demokratie redet, sondern dass die Schule im Allgemeinen, das FWG im Besonderen ein Hort der Demokratie werde, dass man die Anregungen in die Halten des Kronacher Frankenwaldgymnasiums führe und dort, gleichsam einem zarten Pflänzchen, zum Aufblühen verhelfe …

Dass man mehr Demokratie wage und vielleicht - auch auf Basis der Erfahrungen der vielen anderen Schulen - Wege einschlagen werde, die hoffentlich irgendwann in einem Mehr an Demokratie enden!

Man habe die Kontakte, man fange nun erst an! „Motivation haben wir, auch einen langen Atem!“, so das verflüchtigende Zwinkern einer Schülerin, als man nach intensiven drei Tagen in Kronach ankam und sich ins wohlverdiente Wochenende verabschiedete.

 

 

 

Jetzt ist es offiziell! – Das FWG ist nicht nur eine Mit-“Mach“- sondern auch eine Mit-“Lauf“-Schule! Bewiesen wurde das eindrucksvoll beim 28. Lucas-Cranach-Lauf des ASC Marktrodach, als das FWG mit knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die stärkste Laufgemeinschaft bildete und zahlreiche Treppchenplätze und hervorragende Platzierungen ergattern konnte. Bemerkenswert dabei ist, dass neben den vielen Schülerinnen und Schüler, die am Vatertag ihren Vormittag „opferten“, auch einige Lehrkräfte, allen voran der Schulleiter Harald Weichert, die Laufschuhe schnürten, um an dieser tollen Veranstaltung teilzunehmen.

Angeboten wurden vom Organisator drei reizvolle Laufstrecken rund um die Wallanlagen unserer mächtigen Festung Rosenberg. Dabei war das FWG sowohl beim 2km Kinder- und Jugendlauf, als auch beim 5km Hobby-Lauf und auf der 10km-Strecke vertreten. Die anspruchsvollen Routen führten nach einem anstrengenden Anstieg gleich zu Beginn über den sogenannten Kilometerweg Richtung Dörfles und durch den Festungswald wieder zurück. Vor dem Zieleinlauf im Wallgraben forderte die letzte Steigung den Läuferinnen und Läufern dann nochmal alles ab und unter dem Jubel der begeisterten Zuschauer konnten sie schließlich die Ziellinie überqueren.

Neben all den sehr guten Platzierungen der FWGler in den verschiedenen Altersstufen, ist ein Läufer unserer Schule besonders hervorzuheben: Über alle Jahrgänge hinweg konnte Elias Görtler (Q11) beim fünf Kilometer langen „Auto Müller-Lau“f mit der beachtlichen Zeit von 20:14 Minuten den 3. Platz bei den Männern erreichen.

Silke Woletz-Bauer

 

 

 

 

 

Seit Monaten tobt der Krieg in der Ukraine. Mittlerweile hat sich das russische Militär an die Gegebenheiten angepasst. Und der Westen fragt sich, wie man diesen neuen Entwicklungen begegnen kann.

Die zu Beginn des Krieges geteilte Hoffnung darauf, dass Russland den Krieg in der Ukraine nicht gewinnen kann, sie weicht zunehmend einer beklemmenden Sorge, einer Angst - und der Frage, wie man helfen kann, wie man die Ukraine unterstützen kann, gar auf was sich vorbereiten muss, so Russland diesen Krieg gewinnt.

„Die Angst wächst, die Sorge wächst.“, so Dr. Moritz Florin, Osteuropa-Historiker der Universität Erlangen-Nürnberg, als er von den Nöten seiner Studienfreunde in Kiew berichtet. Der in den Osten gedrängte Krieg kehrt langsam nach Kiew zurück: Raketen schlagen mittlerweile wieder in Kiew ein und sie holen die Stadtbevölkerung zurück in die zumindest kurzzeitig verdrängte Realität eines aggressiven Angriffskrieges, den man zu Beginn noch auf ukrainischer Seite mit viel Leidenschaft und taktischem Gespür hat aufhalten können.

„Wir sind mittlerweile in einer Phase des Krieges angelangt, die mit den ersten Wochen und Monaten nichts mehr zu tun hat.“, so Dr. Frank Sauer, Politikwissenschaftler der Universität der Bundeswehr in München. Der zum Teil vollkommen kopflos geführte Krieg Russlands zu Beginn dieses völkerrechtswidrigen Expansionsaktes, dieser Krieg scheint sich auf russischer Seite nunmehr zu wandeln: Man habe aus den Fehlern der ersten Phase des Überfalls gelernt, man habe die Taktik, die Strategie den Gegebenheiten angepasst. Infolgedessen weicht nunmehr die anfangs noch optimistische Stimmung einer möglichen Abwehr dieses aggressiven russischen Angriffs einer nunmehr pessimistischen Lageeinschätzung. „In der ersten Phase war die ukrainische Verteidigung noch sehr effektiv, denn man konnte Russland u.a. von der Versorgung abschneiden. Russland hat seine Strategie umgestellt mit dem Schwerpunkt auf den Osten der Ukraine: Mittlerweile fühlt man sich an den ersten Weltkrieg erinnert, denn Russland führt einen massiven Artilleriebeschuss durch.“, so der Politikwissenschaftler. „Wie eine Feuerwalze“ bombt sich das russische Militär durch den Donbass; zurück bleibt Schutt und Asche, zurück bleiben die vollkommen verstörten Menschen, zurück bleiben die mit diesen Eroberungen verbundenen Kriegsverbrechen, ob nun dergestalt, dass Russland verbotene Waffen einsetzt, oder dergestalt, dass man zivile Ziele bewusst bombardiert, oder gar dergestalt, dass man Frauen und Kinder vergewaltigt und jenes Verbrechen sogar noch filmt.

Es ist eine ungewöhnliche Debatte an einem ungewöhnlichen Abend. Eine Debatte, welche für Schülerinnen und Schüler des Frankenwald-Gymnasiums durchgeführt wird, die sich derzeit zurecht in den Pfingstferien erholen. Eine Debatte, die eingebettet ist in die Diskussion um Waffenlieferungen an die Ukraine, um Sanktionen gegen Russland … „Die Thematik ist schlichtweg zu wichtig, die Notwendigkeit der Information der Bevölkerung, breiter Teile der Schülerschaft ist schlicht zu wichtig.“, so Tobias Pohl, Moderator der Debatte und Leiter des Arbeitskreises Politik am FWG.

Gerade deshalb hat der Arbeitskreis Politik sowie Tobias Pohl Experten und Politiker zu einer digitalen Debatte geladen, um die derzeitige Situation in der Ukraine zu reflektieren, um jene Reflexion ins digitale Klassenzimmer des FWG zum Ukrainekrieg einzustellen und so der Aufgabe nachzukommen, die Schülerschaft über den Verlauf dieses schrecklichen Verbrechens zu informieren. „Es sind intensive Gespräche, die man im Hinblick auf diesen Konflikt führen muss. Die Antworten sind nicht einfach! Und diejenigen, die von einfachen Antworten ausgehen, die meinen, es gebe entweder ein Schwarz oder ein Weiß, entweder ein Richtig oder ein Falsch, verkennen vollkommen, dass der Krieg trotz aller Eindeutigkeit ein merkwürdiges graues Dilemma erzeugt.“, so Tobias Pohl

Es geht nicht darum, zu verkennen, wer den Krieg angefangen hat; es geht derzeit aber darum, wie man einerseits der Ukraine helfen kann, andererseits das Leiden beenden kann, welchen Preis man im Westen Europas bereit ist, zu zahlen. Gerade bei der Debatte um das richtige Maß an Sanktionen bemerkt man schnell das bisweilen politische Ausloten von Grenzen der Belastung, das fragwürdige Austarieren von nationalen Befindlichkeiten und Bedürfnissen. „Einigkeit auf EU-Ebene heißt nicht immer Einigkeit. Alle haben unterschiedliche Bedürfnisse, die in den Verhandlungen zum Tragen kommen. Dennoch kann man sagen, dass seit Beginn des Krieges viele Sanktionspakete auf den Weg gebracht worden sind. Darüber bestand Einigkeit.“, so Elke Vosteen, Mitglied im Speakers-Pool Team EUROPE DIRECT der Europäischen Kommission. Man ist sich einig, dass man gegen den Aggressor Russland vorgehen muss; man ist sich aber nicht einig darüber, wie man gegen Putin, wie man gegen das russische Militär, die russische Wirtschaft sinnvoll vorgehen kann - vorgehen soll. „Man hat Rücksicht genommen auf bestimmte Staaten, die zum Beispiel keinen Seezugang haben, u.a. Ungarn. Gleichwohl sieht man es aber auch an der Diskussion in Deutschland hinsichtlich der Frage, wie sich die Sanktionen auf die deutsche Industrie auswirken.“, so Vosteen im weiteren Verlauf der Debatte.

Natürlich können Sanktionen nicht bewirken, dass Russland augenblicklich sein Militär zurückzieht, seinen völkerrechtswidrigen Angriff augenblicklich beendet, denn „Sanktionen greifen langfristig!“, so das Mitglied im Speakers-Pool Team EUROPE DIRECT der Europäischen Kommission. Man wolle sich Verhandlungsspielräume offenlassen.

Nur welche? „Die Hoffnung ist, wenn Putin merkt, dass die Sanktionen greifen, wenn die russische Wirtschaft massiven Schaden nimmt, und wenn man zudem merkt, dass ein Wettrüsten wie im kalten Krieg gegen eine starke, geeinte NATO unmöglich ist, dass Putin dann einlenkt, an den Verhandlungstisch zurückkehrt, und es einen Frieden geben kann. Als Europäerinnen und Europäer müssen wir gemeinsam mit der USA darauf hinwirken, dass von Putin aufgekündigte Verträge über Waffenkontrolle und Abrüstung neu verhandelt und abgeschlossen werden.“, so Johannes Wagner, Bundestagsabgeordneter der GRÜNEN. Ein Hoffen, dass sicherlich berechtigt ist, dass dem Kalkül unterworfen ist, dass man es mit jemandem zu tun hat, der bereit ist, zu verhandeln. Ein Kalkül, dass der Logik eines westlichen Narrativs unterworfen zu sein scheint: Wie will man mit einem Autokraten verhandeln, der von ganz anderen territorialen Gegebenheiten ausgeht. Wie will man mit Putin verhandeln, der davon träumt, jenes russische Imperium wiederaufzubauen, welches vor dem Zusammenbruch des Ostblocks, welches vor der Implosion der Sowjetunion bestanden hat.

„Man kann den Konflikt nie unabhängig von den anderen imperialistischen Ambitionen der russischen Seite betrachten.“, so Jörg Nürnberger, Bundestagsabgeordneter der SPD und Mitglied im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union sowie im Ausschuss für Verteidigung. Russland unter Putin träumt von einer anderen Weltordnung: Man blickt sehnsüchtig in jene Zeit zurück, als die Sowjetunion nicht nur ihre Teilrepubliken beherrschte, sondern zudem auch die von Moskau abhängigen Satellitenstaaten dominierte. Die Hoffnung des Westens darauf, dass man nicht nur mit dem Russland nach 1990 zusammenarbeiten könne, die Hoffnung vieler Politiker in Westeuropa darauf, dass Russland die territoriale Integrität sowie die Souveränität der ehemals von Moskau politisch dominierten Staaten, sie ist spätestens an dem Tag verflogen, als Russland völkerrechtswidrig die Krim annektiert hat und damit das Budapester Memorandum einseitig gebrochen hat.

„Es gab unterschiedliche Botschaften, die von Putin ausgegangen sind“, so der Osteuropahistoriker Florin in der Debatte auf die Frage, ob der Westen sich früher auf dieses Szenario hätte vorbereiten können. „So die Rede Putins im Bundestag, die positiv aufgenommen worden ist und in der er seine Bereitschaft zum Verhandeln signalisiert hat, ebenso seine Bereitschaft, auf Deutschland und Europa zuzugehen.“, so Florin weiter. Gleichwohl merkt er an, dass bei all dieser möglichen Annäherungspolitik stets eine Seite Putins zwar gesehen, aber scheinbar nicht wirklich wahrgenommen worden ist. „Der andere Putin, das waren seine Taten, die bereits stattgefunden haben, so die Kriege in Georgien, in Tschetschenien, so die eigenwillige russische Ausdeutung hinsichtlich der Politik mit russischen Ressourcen wie Kohle, Öl und Gas.“ Diese russische Politik hat man in den westlichen Hauptstädten zwar durchaus bemerkt. Inwieweit man sie wirklich ernstgenommen hat, bleibt insofern fraglich, als dass die damalige Bundesregierung noch nach der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim weiterhin Verträge hinsichtlich der Energieversorgung mit Russland abgeschlossen hat. Ein Bewusstsein dafür, dass diese Verträge zu einer Abhängigkeit von Russland führen, ein solches Bewusstsein ist scheinbar nicht, zumindest noch nicht entscheidend ausgeprägt gewesen. „Die Russlandpolitik nach der Annexion der Krim, insbesondere der Verkauf deutscher Gasspeicher an russische Unternehmen und die Energieverträge, die abgeschlossen worden sind, sind klar als Fehler zu werten.“, so Wagner in der Debatte.

Im Nachhinein, aus der Außenperspektive des Nichtpolitikers, sind solche Urteile recht einfach. Insofern verweist Markus Ferber, CSU- Abgeordneter im Europäischen Parlament, darauf hin, dass man im Dialog mit Moskau geblieben ist. Man kann der ehemaligen Bundeskanzlerin, Frau Merkel, viel vorhalten, aber „man muss ihr zugutehalten, dass sie die Einzige war, die einen Gesprächsfaden zu Putin aufrechterhalten hat – auch in der Zeit, wo andere Länder nicht mehr sprechfähig waren oder sprechen wollten.“, so Ferber. Durchaus! Niemand leugnet die Notwendigkeit des Gesprächs, das Verhandeln, das Hoffen darauf, dass durch den Dialog der bestialische Krieg beendet werden kann. Doch um welchen Preis? „Man vergisst, dass Russland im Budapester Memorandum die territoriale Integrität der Ukraine garantiert hat.“, so der CSU-Abgeordnete. Diese territoriale Integrität ist aus Sicht Russlands nicht mehr verhandelbar. As der Perspektive der Ukraine geht es aber genau darum! Es geht um den Rückzug russischer Truppen aus dem Donbass, es geht um die Rückgabe der Krim an die Ukraine - und sicher wird es darum gehen, dass die Ukraine nicht nur den Krieg völkerrechtlich aufarbeiten will und wird, sondern dass die Ukraine die russischen Verbrechen, die während des Krieges begangen worden sind, verfolgt und verurteilt wissen will. Wer kann diese Forderungen aus Kiew ausschlagen?

Im Gegensatz dazu wachsen die Sorgen der baltischen Staaten, wachsen die Sorgen derjenigen Staaten, die dem ehemaligen sowjetischen Hegemon durch den Zufall der Geschichte zugeordnet worden waren. Diese Sorgen bewegen nicht nur die osteuropäischen Staaten. „Dieser Krieg ist im Moment die militärische Seite einer Strategie, die sich in der politischen Führung von Russland seit einigen Jahren abzeichnet und die hier in dem Krieg im Moment kulminiert. Ich denke nicht, dass wenn die Kampfhandlungen in der Ukraine vorbei sind und Russland erheblich geschwächt aus diesem Konflikt herausgeht, die Bedrohungslage für die anderen europäischen Staaten, insbesondere im Baltikum und an der Ostflanke der NATO, vorbei sind.“, so der verteidigungspolitische Experte der SPD. Ein Szenario, das mehr Fragen aufwirft als nur eine Frage zu beantworten sich getraut.

Ist die Rechnung so einfach? Verliert die Ukraine den Krieg, haben wir es mit einem neuen Russland zu tun, mit einem expansiven Russland zu tun, mit einem Russland, das einfach mit seiner Atommacht spielt, seiner militärischen Macht, seinem geschichtsrevisionistischem Anspruch auf einen Teil Europas, der sich selbst aus dieser Unterdrückung befreit hat und nunmehr nach Entwicklung und Entfaltung in einem freien Europa strebt? Zynisch könnte man sich an den ersten Tagen des Krieges orientieren. „Man hat sich zu Beginn des Krieges überrascht die Augen gerieben, welche Leistungen die Ukraine erzielt hat.“, so Dr. Sauer. Die mangelhafte Logistik Russlands, die katastrophale Ausbildung auf taktischer Ebene der Infanterie, „sehr viel erstaunliches Unvermögen mit Blick auf die eigene militärische Führung.“, so der Sicherheits- und Verteidigungsexperte der Universität der Bundeswehr in München. „Herr Putin hat in der Tat gehofft, dass Russland, dass er mit diesen Streitkräften in drei Tagen Kiew einnehmen kann.“

Und nun? Russland hat gelernt. Russland hat erheblich dazu gelernt. Es nimmt mit völkerrechtswidrigen Mitteln die gesamte Welt in Beschlag, denkt man daran, dass Russland die Ausfuhr von Getreide verhindert, denkt man daran, dass Russland bereits zuvor machtkalkuliert mit Öl- und Gaspreisen experimentiert hat. Russland ist lernfähig. Und Russland, so scheint es, ist zu vielem bereit. Zu allem?

„Die Ukraine braucht Waffen mit größerer Reichweite, um sich gegen Russland mit diesem massiven Artilleriebeschuss zur Wehr setzen zu können.“, so Dr. Sauer weiter. Eine scheinheilige Diskussion in Deutschland, so die Debatte, zu unterscheiden zwischen Offensiv- und Defensivwaffen. Eine Debatte, die am Kern des Problems vorbeigeht: Welche Waffen müssen wir liefern, welche Ziele verfolgen wir, welche Optionen haben wir in der Hinterhand. Und beenden wir mit Waffenlieferungen diesen Krieg!?

Die einen sind froh, politisch nicht entscheiden zu müssen; die anderen mahnen, dass man bei allen Waffenlieferungen, bei allen Sanktionen mit Sorgfalt abwägen muss: Es geht nicht darum, zu unterscheiden zwischen Schwarz oder Weiß; es geht darum, einzusehen, dass der Krieg bei allen Entscheidungen ein merkwürdiges Grau erzeugt. So weiß man in Deutschland um die Notwendigkeit von Waffenlieferungen, denn der Ukraine muss man nicht nur mit Worten beistehen, sondern vor allem auch mit Taten, mit handfesten Taten, mit Waffen, mit Sanktionen, mit Embargos. Gleichwohl aber weiß man auch, dass man durch ein solches Auftreten nicht nur den Krieg verlängert, sondern sich möglicherweise auch um die Chance gebracht sieht, den Krieg am Verhandlungstisch zu beenden, gar vielleicht auch der Gefahr aussetzt, selbst in einen Krieg hineingezogen zu werden, der derzeit noch ein bedauernswerter regionaler Krieg zu sein scheint.

Eine NATO-Mitgliedschaft hat weder damals, noch heute zur Debatte gestanden; hierzu hat di Ukraine nicht die Voraussetzungen erfüllt. Die Möglichkeit eines Beitritts der Ukraine zur EU und die damit verbundene Hoffnung der Ukraine auf europäischen Beistand ist ebenso politisch schwierig zu beantworten, denn hier geht es um Voraussetzungen, die auch die Ukraine zu erfüllen hat. Denn hier geht es um das politische Abwägen zwischen Staaten, die bereits länger auf einen Beitritt hoffen, und der Ukraine, der man keine Überholspur zugestehen kann, auch nicht zugestehen darf. „Es geht bei der Frage nach dem EU-Beitritt auch um den Umgang mit den Staaten auf dem Westbalkan. Man kann diesen ja nicht vor den Kopf stoßen und die Ukraine in die EU hineinholen, obschon diese ihre Hausaufgaben noch nicht vollends erledigt hat.“, so Vosteen.

Wie nun aber löst man diesen Krieg? Die Frage bleibt!

Nach einer intensiven Debatte bleibt diese Frage zurück. Es ist eine Diskussion über mögliche Fehler im Vorfeld des Krieges gewesen, es ist eine Debatte darüber gewesen, wie man der Ukraine beistehen könne, wie man mögliches verlorenes Vertrauen wiedergewinnen kann. Es ist ein vorsichtiges Herantasten an die Frage gewesen, inwieweit Sanktionen greifen, inwieweit sie wirken, inwieweit Waffenlieferungen zur Beendigung des Krieges beitragen können.

Wie nun aber beendet man diesen Krieg? Es scheint, als ringt die Politik um die richtige Antwort, die richtige Taktik, die richtige Strategie. Es scheint, als hofft man … Noch immer schaut man traurig gen Osten, noch immer wischt man sich scheinbar die Reste eines Traumes aus den Augen, der spätestens 2022, nicht überraschend, doch lauter als erwartet, beendet worden ist.

Wie nun aber löst man diesen Krieg? Man nimmt die Verantwortung an, man korrigiert politische Entscheidungen. Man sieht genau hin. Nach Osten. Die Frage bleibt zurück!

Auf eine Rundreise durch die verschiedenen Stilrichtungen der Big-Band-Ära bittet das Frankenwald-Gymnasium am Sonntag, den 19. Juni 2022. Um 17 Uhr werden im Rahmen der „Big Band Night“ gleich drei unterschiedliche Formationen auf der Bühne des Kreiskulturraums zu sehen sein, die allesamt das aktuelle musikalische Treiben am FWG verkörpern, zugleich aber auch einen Blick in die Tradition der Big-Band-Musik an der Schule ermöglichen. Denn neben den „FWG-Jazz-Kids“ und somit den Jüngsten am FWG werden auch die aktuelle Big Band aus der Mittel- und Oberstufe und die „FWG Allstars“ auftreten. Bei den „Allstars“ handelt es sich um Musikerinnen und Musiker, die ihre Zeit am FWG bereits erfolgreich abgeschlossen haben, ihrer Schule aber weiterhin musikalisch die Treue halten, indem sie sich weiterhin mit Musiklehrer Ralf Probst treffen, um ihr ohnehin beeindruckendes Repertoire stetig weiterzuentwickeln. „Die gesamte Schulfamilie freut sich auf diesen Abend, weil er nach über zwei Jahren pandemiebedingter Einschränkungen endlich wieder einen Einblick in das wertvolle musikalische Wirken des FWG ermöglicht“, blickt auch Schulleiter Harald Weichert voller Vorfreude auf den Sonntag. Unter der Führung von Ralf Probst werden die drei Ensembles Originalkompositionen wie „In the Mood“ von Joe Garland, „Against all odds“ der Phil Collins Big Band, aber auch Bearbeitungen beispielsweise von Michael Jacksons „Man in the Mirror“ für Big Bands präsentieren. Bereichert werden die Darbietungen durch zwei atemberaubende Stimmen des FWG: Christin Neder-Brown, Mitglied des Kronacher Gospelchors und des aktuellen Elternbeirats des FWG, wird dabei genauso zu hören sein wie Vivienne Hofmann. Die FWG-Schülerin machte im vergangenen Jahr als Finalteilnehmerin von „The Voice Kids“ deutschlandweit auf sich aufmerksam und wird am Sonntag das erste Mal im Rahmen eines FWG-Konzerts solistisch zu hören sein. Das FWG lädt alle Mitglieder der Schulfamilie, aber auch ausdrücklich alle Freunde der Big-Band-Musik in dem Kreiskulturraum ein. Der Eintritt ist frei.
 
-mts-

Es sei eine gute Geschichte! Es sei ein tolles, ein ungewöhnliches, ein ansprechendes Format! Lobende Worte, die durchaus nachhallen, lobende Worte nach einer gesitteten Debatte, in der sich zwei Abgeordnete der Frage nachgegangen sind, wie man den ländlichen Raum zukunftssicher aufstellen möchte. Kein Klagen, kein großes Nachsinnieren über die guten alten Zeiten, vielmehr ein reflektierter, ein engagierter Blick nach vorn, vielmehr die Erkenntnis, dass die bayerische Staatsregierung den ländlichen Raum nicht vergisst … Ein tiefgreifender Wandel in einer Region, die lange Zeit abgehängt gewesen ist, bei der Pessimisten sogar befürchtet haben, dass diese kulturellen Kleinmetropolen langsam verschwinden würden – wie viele andere ländliche Räume auch – zwischen den großen Ballungszentren, den großen Metropolregionen. Als ob Bayern nur daraus bestehe!

Soeben hat Tobias Pohl, Leiter des Arbeitskreis Politik am Frankenwald-Gymnasium in Kronach, die erste digitale Debatte der Reihe „Um die Zukunft – Gestritten“ beendet: Zwei Politiker, die Stellung nehmen sollen zu einem Thema, dass kontrovers ist, dass die Bayern beschäftigen muss, dass aber ein wenig aufgrund der Vielzahl der scheinbar wichtigeren Meldungen unterzugehen droht. Jürgen Baumgärtner, Landtagsabgeordneter der CSU, und Klaus Adelt, SPD-Landtagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses für kommunale Fragen, haben sich die Zeit für diese Debatte genommen. Eine erwartete politische Auseinandersetzung um die üblichen Themen hinsichtlich dieses Rahmenthemas; ungewöhnlich ist sie doch gewesen, denn anstatt eines Treffens im analogen Raum haben sich die beiden Politiker mit ihrem Moderator im digitalen Raum verabredet, haben die Politiker strengen Regeln, orientiert an den Regeln des bekannten Wettbewerbsformats „Jugend debattiert“, zugestimmt und haben sich dieser scheinbar vollkommen neuen Form der Debattenaustragung gestellt.

Drei Kacheln - zwei Politiker und ein Moderator - und zwischen diesen drei zugeordneten Teilnehmern ein Hin und Her aus rhetorisch fein vorgetragenen Statements, entrüsteten Entgegnungen, kleineren verbalen Sticheleien und den diesen entgegengesetzten Verteidigungen … Sobald ein Teilnehmer das Wort ergreift, ist er aufgrund der digitalen Besonderheit urplötzlich mittig für alle sichtbar: Augenblicklich hört man ihm zu! Anders als in einer emotionalen Diskussion im analogen Raum unterbricht man sich nicht, vielmehr legt man sich die eigene Replik zurecht, vielmehr durchdringt man das Gesagte des politischen Gegners inhaltlich und kontert - manches Mal ein wenig leise, manches Mal ein wenig lauter, stets aber mit der gebotenen Höflichkeit, stets mit dem Lächeln und dem Wissen, dass man dann, wenn man das Wort erhält, zu reden beginnen darf - in dem Wissen, dass die anderen wohlwollend zum Zuhören genötigt sind. Jede scheinbar, übertriebene, bisweilen sinnlose Affektivität einer Diskussion im analogen Raum weicht einer sachlichen Emotionalität, einer Verbundenheit mit der Thematik, einem Engagement in der Sache.

Diese Form der politischen Auseinandersetzung war anders, ist anders! Das Publikum fehlt, wird erst im Nachhinein in einem digitalen Klassenzimmer hinzugebeten werden. Der Austausch findet zwischen den politischen Experten statt; der Moderator, kein Dompteur politisch geübter Streithähne, kann sich auf die Debattenleitung konzentrieren, Stichworte eingeben, Themen vertiefen, Kontroversen reflektieren …

Diese erste Debatte war zu Beginn für alle Beteiligten noch neu, schlicht nicht vertraut: Kein Murren, kein Beifall - vielmehr ein Hineintasten in diese neue Form des politischen Gesprächs, ein behutsames Vertrautmachen mit den Regeln dieses Formats: Ein Statement zu Beginn, dann die freie Aussprache und schließlich ein Statement am Abschluss. Und dazwischen ein Moderator, der fragt, etwas pikst, etwas zuspitzt, reflektiert, weiterleitet …

Den ländlichen Raum zu erhalten gehe nur gemeinsam, so Baumgärtner in seinem Eingangsstatement. Der ländliche Raum habe dann Zukunft, wenn die Landkreise, die von diesen Entwicklungen besonders betroffen seien, nicht Konkurrenten seien, vielmehr Partner. Speziell hat sich der CSU-Landtagsabgeordnete hierbei auf die Zusammenarbeit der Landkreise Coburg, Kronach und Hof bezogen; beispielhaft sei hier die Zusammenarbeit der Hochschule Coburg und der Hochschule Hof, die am Lucas-Cranach-Campus Studiengänge anbieten werden.

„Man muss den ländlichen Lebensraum ganzheitlich entwickeln.“, so der für den Stimmkreis Kronach und Lichtenfels verantwortliche CSU-Politiker. Ganzheitlich heißt, dass man, so schwer es manches Mal auch fallen mag, alles im Blick haben muss. An den Lebensphasen müsse man sich orientieren, den Menschen in der ländlichen Region und dessen grundlegende Bedürfnisse abdecken: Kita-Platz, schulische Bildung, Ausbildung, Beruf …

Man gehe leichtfertig über die Vorteile der ländlichen Region hinweg; man erkenne nicht die Chancen, welche die ländlichen Regionen hätten. Bezahlbarer Wohnraum, Erholungsgebiete, Ruhe, ein scheinbar natürlicher Ausgleich zwischen Arbeit und Leben.

Dass man den ländlichen Raum ganzheitlich betrachten muss, sieht auch der SPD-Politiker. Gleichwohl muss man, so Adelt, das ganzheitliche Konzept dann auch konkret weiterdenken: Familien könne man nur dann in der Region halten, wenn die grundlegenden Herausforderungen des Familienlebens angegangen und gelöst werden. Eine qualitativ ansprechende schulische Bildung, die Lösung des ÖPNV, Fragen der Nahversorgung, schließlich aber auch Fragen der Lebensqualität.

Familien gehen nicht nur arbeiten, versorgen nicht nur die Kinder; sie haben Ansprüche, wollen etwas erleben. Restaurants, Kinos, Theater … Eine kulturelle Infrastruktur, bei der der ländlichen Raum zurecht die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, nach der Finanzierbarkeit stellt. Hier sind sich beide Landespolitiker einig. Gleichwohl muss dieses Dilemma gelöst werden. Nur wie?

„Es geht nur gemeinsam, denn wir haben andere Mitspieler; das sind die Ballungszentren und die Metropolregionen, die unseren ländlichen Raum etwas belächeln.“, so der für den Wahlkreis Oberfranken tätige SPD-Abgeordnete. Die ländliche Region habe Stärken, habe Möglichkeiten, habe Chancen, sich gegen diese Trends der Urbanisierung zu behaupten, etwas in die Waagschale zu werfen, was die Metropolregionen schlicht nicht haben.

Coburg, Kronach, Lichtenfels und Hof, diese Landkreise haben aufgeholt, behaupten sich zunehmend gegen den nach wie vor starken Sog der wachsenden Regionen. Der bedenkliche Trend sei gestoppt, man habe man die Infrastruktur verbessert, Hochschulen in den ländlichen Raum gebracht, so Baumgärtner. Zudem habe die Pandemie das Bewusstsein für den ländlichen Raum verändert.

Trotz eines leidenschaftlichen Plädoyers des SPD-Politikers für ein Leben in den von Wäldern umgebenen oberfränkischen Naturregionen stellt man dennoch fest, dass es die Familien nach wie vor in die Metropolen zieht: Ein zu langer Schulweg, so die einen, das zwar bestehende, aber dann doch vielleicht nicht ausreichende Kulturprogramm, so die anderen, schließlich eine mögliche Enge .. Eine Wahrnehmung, die ein wenig an der Realität vorbeizugehen scheint, so die Klage beider Politiker; als ob man ein Zuviel möchte und dabei vergesse, dass man ein Anderes erhalte, ein finanzierbares Leben im Eigenheim, die Chance auf Natur, die Möglichkeit, der Hektik der Großstädte entfliehen zu können. Eine Wahrnehmung, die davon zeugt, dass eine Kluft zwischen Anspruchshaltung und Notwendigkeitsdenken besteht, zwischen übertriebenem Wunsch und wohlwollender Wirklichkeit!  

Es ist eine bedauernswerte, eine traurige Feststellung, dass lediglich zehn Prozent der Abiturienten nach ihrem Studium in ihre Heimat zurückkehren - die ländliche Region. Als ob eine verändert Mentalität dazu geführt hat, dass diejenigen, die einmal ihrer Region den Rücken gekehrt haben, nicht mehr zurückkommen wollen, nicht mehr zurückkommen können, weil ihr Lebensentwurf scheinbar nicht mehr in die Region zu passen scheint.

„Die Ansiedlung der Hochschulen in Hof, in Kronach und in Coburg ist ein erster, ein wichtiger Schritt!“; so Adelt. Dadurch hält man junge Menschen in der Region, deren Wissen, deren Knowhow, dadurch unterbreitet man Angebote, dadurch gewinnt man junge Menschen, die junge Familien gründen wollen.

Es muss sich natürlich rechnen. „Ein Unternehmen siedelt sich dort an, wo es die besten Rahmenbedingungen findet.“, so Baumgärtner. Dort also, wo es Universitäten gibt, wo es Hochschulen gibt, wo es ein kulturelles Angebot gibt, wo es … Coburg, Kronach, Hof, sie sind auf dem richtigen Weg, sie schaffen jene Rahmenbedingungen, sie locken …

Und doch klingt es manches Mal so, als müsse der ländliche Raum die gleichen Rahmenbedingungen schaffen wie die Metropolen. Nein! Nicht die gleichen, vielmehr ähnliche, andere, innovative. Eine Aufgabe, die Erfindungsgeist fordert, die dazu anregt, neue Wege zu gehen, eine Aufgabe, die ureigen ist dem Leben auf dem ländlichen Raum. Jene Neuentdeckung im Bewährten, jene behutsame Modernisierung im bis dahin überzeugten Traditionellen, das ist der Weg, den der ländliche Raum gehen muss. Es muss sich rechnen, aber es muss gleichwohl Angebote machen, die einer veränderten Mentalität entgegenkommen, die junge Familien davon überzeugen, dass ein Leben im ländlichen Raum sicherlich nicht einem Leben in den Metropolregionen entspricht, gleichwohl aber der Zauber des ländlichen Raums eine Kraft zu entfalten vermag, notwendigerweise durch die Politik unterstützt, die dazu führt, dass sich Familien bewusst für ein Leben im ländlich Innovativen, im ländlich Kreativen, im schlicht Anderen entscheidet. Als ob eine Rückkehr nicht als Entscheidung gegen etwas verstanden wird, vielmehr als ein Bekenntnis dafür!

Innovativ und kreativ? Anders? Es scheint fast so, als habe dieses neue Format „Um die Zukunft -Gestritten“ genau dies vorgemacht, was die Teilnehmer der Debatte sich gewünscht haben. Ein neues Format, ein anderes Format!

Politische Bildung! Kreativ und innovativ, so scheint es, ist der Arbeitskreis Politik des Frankenwald-Gymnasiums. „Die Debatte wird den Schülerinnen und Schülern im digitalen Raum zur Verfügung gestellt werden.“, so der sichtlich zufriedene Moderator am Ende dieser Debatte. „Eine gute Geschichte!“, so Adelt. „Sehr entgegenkommend!“, so Baumgärtner. Beide, fast unisono, loben, dass man aufgrund dieser Digitalität die langen Anfahrten nicht mehr auf sich nehmen müsse. Ein Stück Innovation im ländlichen Raum!

Kronach ist Europameister! Die „Robotik“-Gruppe des Frankenwald-Gymnasiums von Studiendirektor Christian Pfadenhauer schaffte am vergangenen Wochenende die Sensation: In Paderborn gewannen die „RoboFreaks“ unter 24 Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Gesamtwertung im Europa-Finale des renommierten „First Lego League“-Wettbewerbs! Damit haben die jungen Tüftler und Zukunftsvisionäre des FWG den Höhepunkt einer Bewegung erreicht, die sie selbst initiiert haben und die in der Zwischenzeit auch Teile des Kronacher Landkreises erfasst hat.

Auch wenn Studiendirektor Christian Pfadenhauer dafür bekannt ist, für nahezu jede Situation die richtigen Worte parat zu haben, musste er am vergangenen Samstagabend passen, als ihn die Schulleitung telefonisch zu dem im Internet übertragenen „Coup“ seiner „RoboFreaks“ gratulierte. „Wir sind Europameister, wir sind Europameister!“, klang es nahezu ungläubig durch den Telefonhörer von Schulleiter Harald Weichert. Mehr bekam der Teamleiter der „RoboFreaks“ nach einem anstrengenden 10-Stunden-Wettkampf im „Heinz Nixdorf Museumsforum“ schlichtweg nicht heraus.

Etwas aufgeräumter präsentierten sich Christian Pfadenhauer und die Mitglieder seiner „Robotik-AG“ nach der Rückkehr ans FWG am Montagmorgen im Direktorat. „Es fühlt sich immer noch unwirklich an!“, gestand der 13jährige Danis Becic, während Anna Pfadenhauer und Jonathan Hauck von der Atmosphäre des internationalen Wettbewerbs in Paderborn schwärmten. Immerhin war das Europa-Finale die erste Präsenzveranstaltung eines pandemiebedingt ansonsten digital absolvierten Wettbewerbs.  Und auch Nico Schreiber konnte seine Freude nicht verbergen: Das „Superhirn“ der Gruppe hatte nicht nur den größten Anteil am Erfolg, sondern auf dem Weg nach Paderborn sein Abiturergebnis mitgeteilt bekommen und auf dem Rückweg seinen 19. Geburtstag gefeiert. „So ein Wochenende werde ich so schnell nicht noch einmal erleben“, gab der Abiturient und Europameister lächelnd zu.

Bereits in den Tagen vor ihrer Abreise hatten die jungen Tüftler des FWG für Aufsehen gesorgt. Denn ihr nahezu märchenhafter Aufstieg begann bereits im September und hatte mit dem Gewinn des Regionalwettbewerbs der Technischen Universität in Ilmenau im Januar eigentlich seinen Höhepunkt erreicht. Mit ihrem vollautomatischen Roboter aus Lego-Teilen und vor allem mit ihrem innovativen Beitrag zum Thema „Cargo Connect“ und somit zum Transport der Zukunft hatten sich die „RoboFreaks“ für eine der drei deutschen Finalrunden in Frankfurt qualifiziert. Trotz technischer Probleme beim Schaulauf ihres Roboters holten die FWGler am 7. Mai wegen ihres gezeigten Teamgeistes und ihres Forschungsprojekts in der Gesamtwertung so weit auf, dass es sogar für die Qualifikation zur Europameisterschaft mit den besten Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz reichte. „Eigentlich galt von da an der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles!“, gestand Christian Pfadenhauer und erinnerte sich an die teils hohen organisatorischen Hürden, die den Weg nach Paderborn alles andere als leicht machten. Hinzu kamen tagelange Vorbereitungen, um beispielsweise mit viel Programmierkunst aus dem eigenen Roboter die maximale Punktzahl von 680 „herauszukitzeln“.

„Reisescheck“ vom BDS Kronach

So viel Enthusiasmus und Kreativität sprachen sich auch schnell außerhalb der Mauern des FWG herum. Der „Bund der Selbstständigen Kronach“ (BDS) machte sich vor einer Woche und somit kurz vor der Abreise nach Paderborn vor Ort ein Bild von der Leistung und vor allem der Vision der „Robofreaks“ – und was Christian Mitter als Vorsitzender und Vizepräsident des Landesverbandes sowie Robert Spranger und Bezirksvorsitzender Robert Raimund dort zu sehen bekamen, ließ sie staunen. „Euer auf Flexibilität und vor allem Nachhaltigkeit setzendes Konzept des mit dem Straßenverkehr vernetzten Güterverkehrs auf der Schiene ist nicht nur hervorragend durchdacht, sondern hoch innovativ und für unsere von der Logistik stark abhängige Region absolut zukunftsweisend“, lobte der Vorsitzende des BDS Kronach, Christian Mitter, das Engagement der Jugendlichen und hatte für die Reise nach Paderborn auch einen Scheck in Höhe von 500 Euro dabei. Wie gut dieses Geld angelegt war, bewiesen die Robofreaks wenige Tage später bei ihrer erfolgreichen EM-Teilnahme.

Zu Gast bei der heimischen Wirtschaft

Lob und Anerkennung für den eingeschlagenen Weg ihres Forschungsprojekts erhielten die „Robofreaks“ einen Tag vor ihrer Abreise auch noch von Nikolaus Wiegand und somit vom Geschäftsführer bei Wiegand-Glas, für dessen Unternehmen ein zukunftsorientierter Warenverkehr höchste Priorität hat. Er ließ sich ausführlich das Konzept der „Robofreaks“ in Steinbach am Wald präsentieren.

Der Nachwuchs steckt schon in den Startlöchern: Präsentationstag der „Forscherkids“ der Grundschule Wallenfels

Doch damit nicht genug. Denn am Tag Ihrer Abreise waren die „Robofreaks“ auch zu Gast an der Grundschule Wallenfels – und zwar aufgrund des Anreisetages live und digital aus Paderborn. In Wallenfels hatten sich in einem Klassenzimmer nämlich die Mädchen und Jungen der „Forscherkids“ sowie deren Eltern, Geschwister und Großeltern versammelt. Vor den Augen ihrer Schulleiterin Angela Neder und des Bürgermeisters Jens Korn präsentierten die Dritt- und Viertklässler stolz ihre mit Legosteinen und Legotechnik zusammengestellten Experimentier- und Forschungsobjekte. Mit im staunenden Publikum saß auch Harald Weichert, Schulleiter des Frankenwald-Gymnasiums. „Der Dank am heutigen Präsentationstag der „Forscherkids“ geht nämlich nicht nur an unseren Förderverein und die weiteren Sponsoren unseres Projekts, sondern auch an unseren Bildungspartner vom FWG, dessen Robotik-Gruppe vor vier Jahren den Stein der Projekte im Rahmen der „Lego Challenge“ bei uns in Wallenfels erst ins Rollen gebracht hat“, erklärte die betreuende Lehrkraft Evita Dunkel-Roth stolz. Zusammen mit Nico Goßler, „Bufdi“ der Grundschule Wallenfels, hatte die Grundschullehrerin über viele Monate hinweg und zusätzlich zum normalen Unterrichtsbetrieb mit den Kindern ebenfalls am Thema „Cargo Connect“ gearbeitet. Selbstbewusst und sicher präsentierten Max, Charlotte und Franziska zusammen mit ihren Klassenkameraden die von ihnen in zwei Gruppen ausgetüftelten Forschungsprojekte mit solarbetriebenen Flugzeugen und Windkraft-Autos und bewiesen dabei auch den geschickten Umgang mit den eigenständig programmierten Farbsensoren, beispielsweise bei der automatisierten Sortierung von Legosteinen. Für so viel „Forschungsdrang und -erfolg“ sammelten beide Wallenfelser Gruppen den ersten Platz bei der digitalen Ausstellung in Kulmbach ein. Die dabei errungenen Medaillen bekamen die Grundschüler am Freitag von der Schulleiterin überreicht. „Von der „First Lego League“ hatten wir hierfür ebenfalls die Einladung nach Paderborn erhalten, was aber aufgrund der Umstände unmöglich war. Dafür unterstützen wir das FWG aus der Ferne!“, übermittelte Evita Dunkel-Roth via Video-Live-Schaltung an Christian Pfadenhauer, der mit einem Rundgang durch den Schauplatz der EM die Grundschulkinder an dem Erlebnis teilhaben ließ.

„Wenn die RoboFreaks in Paderborn gewinnen sollten, dann begleitet ihr sie eben zur Weltmeisterschaft nach Brasilien“, meinte FWG-Schulleiter Harald Weichert am Ende des Präsentationstages der Grundschule – um knappe 28 Stunden später zu erfahren, dass dieser nicht ganz ernst gemeinte Hinweis Realität wird.          

Die erfolgreichen „RoboFreaks“ und somit Europameister der „First Lego League sind:
Danis Becic, Lovis Ehrsam, Jana Pfadenhauer, Anton Wicklein, Anna Pfadenhauer, Till Beranek, Jonathan Hauck, Fabian Fischer-Kilian, Nico Schreiber, Maximilian Wich, Milio Ramming.

-mts-