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Kronach

Frankenwald-Gymnasium

Fördern - Werte - Gemeinschaft

„Für einen Politiker ist es gefährlich, die Wahrheit zu sagen. Die Leute könnten sich daran gewöhnen, die Wahrheit hören zu wollen.“

George Bernard Shaw

 

Sucht man im Internet nach Zitaten über den Begriff der Politik, wird man auf Seiten gelenkt, welche unübersichtliche Unmengen an geistreichen Sprüchen berühmter Personen anbieten; es scheint fast so, als habe sich jeder Dichter und Denker, jeder Philosoph und Politiker einmal in seinem Leben dazu hinreißen lassen, die Politik in einem Knappstvers zu umschreiben. Interessant ist dabei die Tatsache, dass die meisten Zitate recht schroff das tagtägliche Geschäft der Parteien und Interessenverbände, der Politiker und Abgeordneten beschreiben … So meint man nach einem intensiven Studium der Gedankensplitter, dass sich nur Narzissten, Kriminelle oder aber Verrückte mit der Politik beschäftigen, gar in dieser aufgehen.

Ist dem wirklich so? Nein! Diejenigen, die es in die Politik drängt, sind diejenigen, die sich einer besonderen Verantwortung bewusst sind oder bewusst werden; gleichzeitig sind diejenigen, die sich dieser Verantwortung bewusst werden, politisch tätig, auch wenn sie keiner Partei angehören, auch wenn sie nicht in die jeweiligen Parlamente drängen, auch wenn sie nur den Mut aufbringen, ihre Meinung zu äußern, sich einzubringen, vor Ort, in der Schule, in ihrer Klasse!

So die Schülerinnen und Schüler den WSW-Zweig gewählt haben, werden sie mit dem Fach Sozialkunde bereits in der neunten Klasse konfrontiert. Das Diskutieren und Debattieren lernen die Schülerinnen und Schüler nicht erst in diesem Jahr; diese Fähigkeit erarbeiten sie bereits früher. Sie lernen, dass man um politische Inhalte, um politische Antworten ringen muss, dass man debattieren, manches Mal auch streiten muss, nicht weil man will, vielmehr weil es notwendig ist - weil der Austausch unterschiedlicher Perspektiven bezüglich einer Sache sinnvoll ist, sogar die Klassengemeinschaft weiterbringt, weiter bringen kann. Vielleicht sogar irgendwann einmal über die Klassengrenzen hinaus … In dieser Jahrgangsstufe lernen die Schüler den Begriff der Menschenwürde kennen; sie erkennen, dass dieser Wert über jeder Staats- und Herrschaftsform stehen sollte, stehen muss, da jeder soziale wie politische Verband erst vom Menschen aus gedacht werden kann. Nicht umgekehrt! Sie werden unter anderem mit der Menschenwürde in seiner Praxis vertraut gemacht: Wie kann man soziale Integration angehen, ohne dabei die Würde des Menschen außer Acht zu lassen; wie nimmt man den Menschen an, ohne diesen einzig auf bestimmte stereotypische Merkmale zu reduzieren.

Aber der zehnten Jahrgangsstufe werden dann alle Schüler im Fach Sozialkunde unterrichtet. In dieser Jahrgangsstufe wird den Schülern das politische System der BRD vertraut gemacht, überdies reflektieren die Schüler den Begriff der Demokratie und ahnen um die Schwierigkeit, die Demokratie nicht nur formal, vielmehr auch inhaltlich mit Leben zu füllen.

In der Jahrgangsstufe elf und zwölf, hier in Kombination mit dem Fach Geschichte, begegnen den Schülern grundsätzliche Fragen der Gesellschaft und der Politik.

Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft? Was verlangt die neue Arbeitswelt von uns? Wohin streben unsere Werte? Diese Fragen werden die Schüler im ersten Halbjahr der elften Klasse stellen und reflektieren. Ihnen wird dabei nicht nur bewusst, mit welchen Problemen unsere Gesellschaft konfrontiert wird, ihnen wird ebenso klar, dass hier Positionierungen notwendig sind, Debatten und der Austausch von gesellschaftlichen Vorstellungen und Modellen.

Wie unterscheidet sich eine Demokratie von einer Diktatur? Inwieweit ist die Herrschaftsform der Demokratie in der heutigen Zeit bedroht? Derartige Fragen werden im zweiten Halbjahr der elften Klasse aufgeworfen werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Unterschiede zwischen Demokratien und Diktaturen, erkennen die Bedrohungen der Demokratie und ahnen darum, dass selbst in Demokratien die Tendenz besteht, dieses wertvolle Gut auszuhöhlen, zu unterminieren …

Schließlich beschäftigen sich die Schüler das gesamte zwölfte Schuljahr mit Herausforderungen und Problemen der internationalen Politik. Sie erkennen, dass die Probleme anderer Staaten nicht mehr nur deren Probleme sind, vielmehr dass viele internationale Probleme derart komplex sind, dass sie auch uns in Deutschland betreffen. Die Weltinnenpolitik, wie Steinmeier als damaliger Außenminister einmal die Lage ab 2006 beschrieben hat, nimmt jeden Staat in die Verantwortung, jeden Staat. Jede Stadt, jeden Bürger! Folglich erahnen die Schüler, dass zum Beispiel das Problem der Migration kein Problem ist, das uns nichts angeht, vielmehr ein Problem ist, das von uns Antworten fordert, das von uns Handlungen fordert - auf der Grundlage von Werten wie der Menschenwürde. Werte, die man nie, auch dann, wenn es scheint, dass die Politik nach einfachen Antworten ringt, vergessen darf!

Insofern konfrontiert das Fach Sozialkunde die Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Perspektiven und Wahrnehmungen auf ein politisches Thema, zeigt unterschiedliche Ansichten und Einsichten auf, verweist auf unterschiedliche Wahrheiten … Aber das Fach mahnt, dass bei aller Pluralität in einem Punkt Einigkeit bestehen muss: Es gibt wenige Werte, die es zu vertreten und zu verteidigen gilt; diese sind nicht verhandelbar und müssen jederzeit und an jedem Ort immer wieder in die Debatte eingebracht werden. Fast so, als wäre dies die Essenz der Wahrheit, die Shaw gemeint hat …

 

 

 

 

 

 

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