FWG-Schüler laufen für die Ärmsten der Welt

 

Seit 1995 gibt es am Frankenwald-Gymnasium die Aktion „Menschen laufen für Menschen“. Dabei werden Spendengelder für Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe „erlaufen“. Da die Aktion in diesem Jahr genau einen Tag nach Böhms Tod stattfindet, erhält sie für alle Beteiligten eine ganz besondere Bedeutung.

Kronach. Erschöpft und gleichzeitig auch stolz auf ihre besondere Leistung kommt die elfjährige Julia gemeinsam mit ihren 104 Mitschülern aus den 5. Klassen des Frankenwald-Gymnasiums am Treffpunkt im Festungswald zusammen. Kilometer für Kilometer haben sie im Laufe des Vormittags zurückgelegt, immer mit dem Ziel vor Augen, den Menschen in Äthiopien einen Teil ihrer Armut nehmen zu können und ihnen „Hoffnung auf Morgen“ zu schenken.
Dabei sammelten die Kinder nach einem einfachen Prinzip Spenden, indem sie sich in den Wochen vor dem Lauf Sponsoren, meist aus der Familie, suchten, die sich somit verpflichteten, einen geringen Geldbetrag pro Kilometer zu spenden. Daraus ergibt sich die Formel: „Gesponserter Beitrag pro Kilometer mal gelaufene Kilometer = persönliches Engagement der Läufer in Euro“. Das so gesammelte Geld kommt Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe zugute.

 „Menschen laufen für Menschen“- unter diesem Namen ist die Aktion seit 1995 am FWG bekannt und schon längst zur Tradition geworden. So konnten die zahlreichen Teilnehmer auch dieses Mal eine beträchtliche Summe erlaufen. „Es werden etwa 3800 Euro zusammenkommen. Allein diese Spenden genügen, um zwei Pumpbrunnen für die Bevölkerung eines der ärmsten Länder der Welt zu finanzieren“, erläuterte Uli Zeuß das eindrucksvolle Ergebnis der Aktion vom vergangenen Freitag. Der ehemalige Lehrer des Frankenwald-Gymnasiums übernimmt selbst nach seiner aktiven Dienstzeit Jahr für Jahr die Organisation dieser Veranstaltung am FWG, die er 1995 selbst ins Leben gerufen hatte. Und jedes Jahr nehmen die Fünftklässler mit der Unterstützung ihrer Sportlehrkräfte begeistert an dem Lauf um die Festung teil, weil sie wissen, dass sie damit den Ärmsten in der Welt etwas Gutes tun.

Die Organisation „Menschen für Menschen“ hat es sich zum Ziel gesetzt, „Unterstützung zur Selbstentwicklung“ zu fördern und „frei von politischen, wirtschaftlichen und religiösen Bindungen und ohne irgendwelche Bedingungen Hilfe zu leisten“, wie es in einem offiziellen Schreiben der Stiftung heißt.

Doch dabei wird nicht nur die Spendenbereitschaft der Menschen gestärkt, sondern auch deren Augen für die Missstände und Problemen in den Entwicklungsländern geöffnet. Das ist am FWG nicht anders, weil Uli Zeuß immer wieder den Fünftklässlern die Lebensbedingungen ihrer Altersgenossen in Äthiopien vor Augen führt. „Und was geschieht, wenn Neugierige ihren Blick über die Grenzen Deutschlands und Europas werfen? Sie werden erkennen, wie gut es ihnen in ihrer Heimat geht“, erklärt der ehemalige Sportlehrer seine Ziele.

„In Äthiopien ist ein Arzt für 32.500 Patienten zuständig. In Deutschland sind es 300 - und hier wird über Ärztemangel geklagt“, so Uli Zeuß weiter. Zudem haben 60% der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Wasser und sind somit sehr krankheitsgefährdet. Ein mindestens ebenso großer Anteil kann weder lesen noch schreiben.

Angetrieben vom Gedanken „Wir leben alle auf dem selben Planeten“ bemühen sich die Mitarbeiter des Projektes „Menschen für Menschen“ die medizinische Versorgung, die Stellung der Frauen in der Gesellschaft und den allgemeinen Bildungsstand zu verbessern.

Deshalb werden die Spendengelder in vollem Umfang nach Äthiopien überwiesen, um diese vor Ort in den Bau von Schulen, Krankenhäusern, Hospitälern, Brunnen und den Ausbau der Infrastruktur zu investieren. Der erste Erfolg war bereits 1996 im Erer-Tal zu verzeichnen, als es die mittlerweile erfahrenen Bauern wagten, die Arbeit in völliger Eigenverantwortung zu übernehmen.

Bis heute wurde mehr als vier Millionen Menschen ein besseres Leben ermöglicht. An einen so großen Erfolg hatte 1981 noch keiner gedacht, als Karl-Heinz Böhm seine Wette bei „Wetten, dass …“ einging: „Ich wette, dass nicht einmal ein Drittel von Ihnen eine Mark einbezahlt! Wenn ich diese Wette verliere, stelle ich mich zur Verfügung, selbst nach Afrika zu fahren, und ich wünsche mir jetzt, dass ich diese Wette gegen sie alle verliere!“

Karlheinz Böhm nutzte somit seine Popularität, um den untersten Schichten der Bevölkerung in Äthiopien zu helfen. Im Februar 2013 wurde Böhms Alzheimererkrankung bekannt, deshalb zog er sich aus der Öffentlichkeit immer weiter zurück, bis er am letzten Donnerstag im Alter von 86 Jahren verstarb. Einen Tag später machten sich die Fünftklässler des FWGs auf ihre Runden rund um die Festungsanlage, um somit auch Böhms Vermächtnis weiterzutragen.

Die Grundidee für die Stiftung entstand aus Böhms „Wut über die ungerechte und menschenverachtende Diskrepanz zwischen Arm und Reich" in dem afrikanischen Land.  

So wurde er durch seine zahlreichen Verdienste zum Ehrenbürger Äthiopiens ernannt und bleibt als Menschenfreund in den Erinnerungen der Äthiopier bestehen.

Böhms Überzeugung war, dass jeder die Möglichkeit hat, zu helfen. Eine Band sammelt bei ihren Fans, Unternehmen motivieren ihre Arbeiter oder, wie es die Schüler des Frankenwald-Gymnasiums gezeigt haben, man kann für Äthiopien auch laufen.

Der Bericht wurde von Bastian Schneider und Fabian Fischer verfasst. Die beiden Schüler der Q11 besuchen den Wahlkurs „Journalistisches Schreiben“ am FWG.