„Wir sind alle doch ganz normal“ –

Ein Besuch der Offenen Behindertenarbeit Oberfranken am FWG

 

Ende April kamen ein zweiköpfiges Mitarbeiter-Team von der OBO, der Offenen Behindertenarbeit Oberfranken, und die Rollstuhlfahrer Richy (58) und Hardy (51) aus Coburg zu einem Besuch ans Frankenwald-Gymnasium. Organisiert wurde diese Begegnung im Rahmen des Religionsunterrichts der Klasse 10bd von StRin B. Göckel, passend zum Lehrplanthema „Gewissen konkret: Verantwortung für das Leben übernehmen“.

Die Offene Behindertenarbeit Oberfranken (OBO) ist eine Einrichtung des diakonischen Werks Coburg. Sie versteht sich als Organisation, die sich auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes dafür einsetzt, dass Menschen mit und ohne Behinderung die gleichen Rechte haben und als wertvoll angesehen werden. „Wir akzeptieren jeden so, wie er ist und versuchen immer einen Weg zu finden, dass jeder überall mitmachen kann“, so Julia Flötemann, Teammitglied in der OBO.

 

Diese Offenheit wird auch beim Besuch der beiden „Rolli-Fahrer“ am FWG deutlich: Die beiden Männer erzählen eine ganze Doppelstunde lang aus ihrem Leben in einer WG, in der sie ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können. Beide sind von Geburt an körperlich stark eingeschränkt, hätten sich aber selbst nie als behindert wahrgenommen, sondern als „normal“. Sie interessieren sich für Schach und Fußball. Frei berichten sie über ihre Kindheit, ihre Wohnung, ob sie auch schwimmen könnten, ob sie einer Arbeit nachgingen und verraten auch Privates über Liebe und Beziehungen. Auf die Frage, ob sie manchmal lieber nicht behindert seien, überrascht die Antwort: „Ich würde mir komisch vorkommen, wenn ich nicht im Rollstuhl liegen würde“, so Hardy. „Die größte Behinderung ist die Gesellschaft, die mich behindert macht.“

Noch in der nächsten Religionsstunde erinnern sich die Schüler gern zurück an die Begegnung, sind positiv überrascht von dem Optimismus der beiden Männer. Und vielleicht wurde mit dieser – wenn auch nur kurzen – Begegnung ein stärkeres Bewusstsein dafür geschaffen, dass sowohl Behinderte als auch Nichtbehinderte eigentlich doch ganz „normal“ sind, - nur jeder auf seine eigene Weise.

 (B. Göckel)