Wenn der Umzugskarton das Weihnachtsfest einläutet

 

Beim Adventskonzert des Frankenwald-Gymnasiums gab es neben viel Besinnlichem und Festlichem auch erfrischend Neues zu hören

Kronach. „Ihr habt es heute geschafft, uns in einer hektischen Zeit ruhig werden zu lassen und zugleich die Vorfreude auf Weihnachten zu schenken!“ Dr. Klaus Morsch sprach mit seinen Schlussworten allen Besuchern der Stadtpfarrkirche, die sich am Freitagabend auf den Weg gemacht hatten, um dem Adventskonzert des Frankenwald-Gymnasiums beizuwohnen, aus der Seele. Und tatsächlich boten Programmauswahl und musikalische Ausführung eine derartige Fülle an besinnlichen wie auch festlichen Klängen, wie man es nur selten erleben darf. Hinzu kamen zahlreiche Premieren, die sogar den instrumentalen Einsatz von Umzugskarton einschlossen.

Auch Christiane Stömer-Rauh, seit vielen Jahren Musiklehrerin am FWG und an diesem Abend einmal mehr hauptverantwortlich für die Gesamtleitung, sprach „von einem der besten, wenn nicht sogar dem besten FWG-Adventskonzert“ und war demnach sichtlich zufrieden über die Leistung ihrer Schützlinge. Zusammen mit ihren Fachkolleginnen und –kollegen Stefanie Bär, Grit Pehle und Ralf Probst sorgte sie für ein ungemein kurzweiliges Programm, das auffällig viel Raum für Chöre und Ensembles bot und somit das Gemeinschaft spendende Moment des Konzertes unterstrich.

Zwar diente der vor der Stadtpfarrkirche geparkte Übertragungswagen des Bayerischen Rundfunks der Live-Sendung vom Kronacher Weihnachtsmarkt, dennoch durften sich die Solisten und Chöre des FWGs über ein absolut angemessenes Zuschauerinteresse freuen. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz gefüllt, und viele Konzertbesucher waren bereit, das rund 90minütige Programm im Stehen zu erleben. Die musikalische Qualität des Abends entschädigte spielerisch für diese körperlichen Anstrengungen.

Der Trend der letzten Jahre, dass das gemeinsame Singen am FWG immer größere Bedeutung gewinnt, bestätigte sich auch am Freitagabend. Im dritten Jahr nach Einführung der Chorklasse am FWG leistete die Unterstufe gleich mit drei Chören ihren Beitrag zum Programm. Zunächst begrüßte die Chorklasse der 5c unter der Leitung von Grit Pehle mit „Guten Abend, schön Abend“ charmant die Gäste, während die Chorklasse der 6c zusammen mit Christiane Stömer-Rauh schon zweistimmige Arrangements, wie bei „Wunderneues“, gekonnt anstimmte und dabei auch von Querflöten und Percussions  begleitet wurde.  Und auch beim Unterstufenchor unter der Leitung von Stefanie Bär verbreitete die Begleitung durch ein Holzbläserensemble einen ganz besonderen Klang, als die Mädchen und Jungen das so festliche „Hört der Engel helle Lieder“ anstimmten. Wohin eine solche kontinuierliche Gesangsausbildung am FWG führen kann, bewiesen wenig später die Sängerinnen und Sänger des „Großen Chores“, die es endgültig schafften, den Stress des vorweihnachtlichen Alltags vergessen zu machen. „A Celtic Christmas“ und die Pop-Ballade „Light the light“ verdienten demnach zu Recht das Prädikat „Zauberhaft“. Dazwischen bewiesen drei Sängerinnen und zwei Sänger des Chores als „Vokalensemble“ viel gesangliches Fingerspitzengefühl, als sie unter der Begleitung von Ulrike Gossel am Cello mit „Christmas lullaby“ von Andrea Figallo einen bewusst melancholischen Zwischenbeitrag lieferten. Abgerundet wurden die gesanglichen Darbietungen durch die beeindruckende Solostimme von Sophie Mitter. Die Zehntklässlerin unterstrich bei „A heaven on earth“ ihr großes Talent und erfuhr durch Florian Jungkunz am Klavier eine einfühlsame Begleitung.

Doch auch die instrumentalen Beiträge mussten sich am Freitagabend wahrlich nicht verstecken. Das festliche Klangbild des Orchesters (Leitung: Stefanie Bär) weckte spätestens beim „Joy to the world“ von Georg Friedrich Händel die Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Denselben Komponisten hatte auch das Querflötenensemble beim majestätischen „Tochter Zion“ und „Hallelujah“ ausgewählt. Ähnlich barock ging es auch bei Lina Prell an der Gitarre und bei Annika Detsch an der Alt- und der Sopranflöte zu, als die beiden jungen Musikerinnen gekonnt den Schwung der barocken Tänze von Francesco Barsanti übermittelten.

Den sicherlich spektakulärsten Auftritt legte aber das Percussion-Ensemble hin. Das Publikum zeigte sich zunächst verwundert, als sich Ralf Probst mit seinen drei Schlagzeugern unter dem Adventskranz von St. Johann einfand, dabei neben „Drumsticks“ aber nur noch handelsübliche Umzugskartons dabei hatte. Zur Erklärung der ungewöhnlichen Instrumentenwahl gab es einen kleinen informativen Einblick in die weihnachtlichen Gewohnheiten in England. Denn hier werden traditionell am „Boxing Day“ die Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern beschenkt – die sogenannte „Christmas Box“ dient dabei als Verpackung der Geschenke; dem Percussion-Ensemble war sie am Freitagabend zugleich das Instrument. Und beim „Boxing Day“ aus der Feder von Wolfgang Reifeneder lieferten die vier Schlagzeuger ein derart mitreißenden Rhythmusbild ab, dass sich der ein oder andere Konzertbesucher bei der demnächst anstehenden Bescherung vielleicht mehr mit der Verpackung als mit dem Inhalt beschäftigen könnte.

„Beswingt“ gestaltete sich der Schlusspunkt des Konzertabends. Zu verdanken war dies der „Big Band“ unter der Leitung von Stefanie Bär, deren große Leistung es ist, dieser relativ neuen Gruppe am FWG in kürzester Zeit ein absolut beeindruckendes Niveau verliehen zu haben. Sowohl beim „Let it snow“ von Jule Styne als auch beim allseits bekannten „Feliz navidad“ sah man viele Besucher mit Kopf und Fuß „mitwippen“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren alle Anwesenden bereit, unter der Begleitung von Lara Mühlherr, die bereits für den angemessen Konzertauftakt an der Orgel gesorgt hatte, gemeinsam in den Choral „Fröhliche Weihnacht überall“ einzustimmen.

-mts-