Weimar:    SCHILLERnd und FAUSTdick

 Am Freitag, den 25.10.13, besuchten alle sechs Q11-Deutschkurse des Frankenwald-Gymnasiums die Stadt Weimar. Bereits um 7:30 Uhr ging es in Richtung der thüringischen Klassiker-Stadt los. Gegen zehn Uhr erreichten die Busse ihr Ziel.

OStR H. Gernlein, der für diese Fahrt organisatorisch verantwortlich war, hatte für jeden Deutschkurs ein Programm mit verschiedenen Besichtigungen und Führungen vorgesehen.

Auf dem Weg zum ersten Halt, dem Schillerhaus, konnten wir vor dem Deutschen Nationaltheater Weimar das bronzene Goethe-Schiller-Denkmal aus dem Jahre 1857 bewundern, wo sogleich ein Foto von unserer fast hundertdreißigköpfigen Reisegesellschaft geschossen wurde.

 

Dann begann auch schon für unseren Kurs die Besichtigung der Kunstausstellung „Wahlverwandtschaften“, welche in Weimar bis zum 3. November 2013 gezeigt wurde und einen Besuchermagnet darstellte. Diese Privatsammlung des Engländers Charles Booth-Clibborn besteht hauptsächlich aus Feder- und Bleistiftzeichnungen sowie Aquarellen, die einen guten Überblick über die Kunst der Goethe-Zeit vermitteln. Sie war gerade im Schillerhaus und vor einem Jahr im British Museum London, einem der größten und bedeutendsten kulturgeschichtlichen Museen der Welt, zu erleben und erregte internationale Aufmerksamkeit.

Danach erfolgte eine interessante Führung durch das Wohnhaus Schillers, während der wir viele Informationen über den Dichter bekamen. Zahlreiche Möbel und andere Gegenstände erleichterten es, sich den Familienalltag besser vorstellen zu können. So finanzierte Friedrich Schiller (1759-1805) zum Beispiel das Haus selbst, obwohl er nicht so wohlhabend wie Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) war, der sein Wohnhaus am Frauenplan 1 von Carl August, dem  Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach, geschenkt bekam.

Beide Schriftsteller erhielten später das Adelsdiplom, worauf Schiller jedoch keinen großen Wert legte. Er avancierte zusammen mit Goethe zwar zu einem der bestbezahltesten Dichter seiner Zeit, brauchte aber immer dringend Einkünfte, weil er oft krank war und währenddessen nichts verdienen konnte.

Zudem erfuhren wir noch etwas über den Leichnam Friedrich Schillers: Seine Gebeine sind bis heute nicht gefunden worden. Man hat aufgegeben, nach seinen sterblichen Überresten zu suchen, nachdem dieses Vorhaben schon zweimal scheiterte.

Seit 1847 ist das Haus im Besitz der Stadt und wurde Schritt für Schritt zum heutigen Museum umgestaltet.

 

Das nur wenige Schritte davon entfernt liegende Wohnhaus Goethes, welches wir als Nächstes besuchten, ist größer und wirkt auch imposanter als Schillers Anwesen. Schon allein die erhabene Treppe, die zu den Wohnräumen hinaufführt und für die der Herr Geheimrat mehrere Räume opferte, stellt Schillers Eingangsbereich gänzlich in den Schatten. Die Stufen sind so raffiniert bzw. bequem gearbeitet, dass man, um mit Goethes Worten zu sprechen, „nicht müde wird auf- und abzusteigen“. Das stimmt! Wir haben es selbst ausprobiert! Schon mit der aufwändigen Gestaltung des Treppenhauses bewies Goethe, wie tief in der Antike verwurzelt, kunstliebend und wohlhabend er war, was sich ebenso im Rest des Hauses und im Garten widerspiegelt.

Nachdem der damals als Genie geltende Goethe mit 83 Jahren verstorben war, ging das Haus an seine Enkel, da seine Frau und die eigenen Kinder bereits vor ihm starben. Die Enkel blieben kinderlos, so fiel auch dieses Haus in die Hände der Stadt Weimar. Heute kann man dort viele Stücke aus Goethes einst 26.000 Exponate umfassender Sammlung von Zeichnungen, Landkarten, Briefen, Büchern, Pflanzen oder Mineralien bewundern.

Seit dem letzten Jahr hat die neue und sehr modern aufbereitete Goethe-Ausstellung „Lebensfluten-Tatensturm“ gleich neben dem Wohnhaus des berühmten Dichters ihre Pforten geöffnet. Durch diese wurden wir abschließend - leider nur teilweise - geführt. Die riesige, in sieben Abteilungen (Genie – Gewalt – Welt – Liebe – Kunst – Natur – Erinnerung) untergliederte Ausstellung illustriert das äußerst facettenreiche Schaffen Goethes sehr eindrucksvoll. Verbindendes Element der Räume ist der „Bestseller“ des Dichterfürsten, sein „Faust“, den wir gerade im Deutschunterricht behandeln. In der „Faust“ - Galerie kann der Besucher Stichworte aus dem „Drama der Dramen“ wählen, die auf Flächen einer Installation projiziert werden.

Bei den gezeigten Exponaten handelt es sich fast ausschließlich um Originale, weshalb alle Räume nur künstlich beleuchtet sind.

Zwischen den Programmpunkten hatten wir auch noch etwas Zeit, uns Weimar genauer anzusehen und einzukaufen.

Um 17:00 Uhr holten uns dann die Busse für die Heimfahrt ab und wir kamen gegen 19:30 Uhr wieder an der Schule in Kronach an.

Es war für viele ein überaus informativer, anstrengender, aber auch sehr interessanter Tag – SCHILLERnd und FAUSTdick eben.

 

Ich denke, wir alle haben etwas aus der Stadt der deutschen Klassik mitnehmen können.

 

Text: Katharina F.

Fotos: Merve Y.