Theateraufführung von „Krabat“ am Frankenwald-Gymnasium

 

Wenn der Meister der Mühle (Johanna Thron) erscheint, dann ist es aus mit der Fröhlichkeit unter den Gesellen. Foto: mtsKronach. Es war gleichsam ein Leitmotiv, das sich durch den gesamten Theaterabend am Frankenwald-Gymnasium zog, und auch Schulleiter Dr. Klaus Morsch spielte bei seiner abschließenden Dankesrede am vergangenen Donnerstag immer wieder darauf an: Zauberei! Denn nicht nur bei Otfried Preußlers „Krabat“ ging es um die Vorzüge und Nebenwirkungen der schwarzen Magie, sondern auch die Premiere der FWG-Schauspieltruppe auf der kleinen Schulbühne offenbarte allerhand Zauberhaftes. Mit viel Liebe zum Detail bei Bühnenbild und Kostümen, tollen schauspielerischen Leistungen und einem eindrucksvollen Mix aus düsteren und heiteren Momenten gelang der Theatergruppe unter der Gesamtleitung von Oberstudienrätin Alexandra Reiter ein ganz großer Wurf.

 

Denn einmal mehr hatte es die Schauspieltruppe geschafft, den beengten Räumlichkeiten im 2. Stock des Schulgebäudes zu trotzen und eine bemerkenswerte Mischung aus phantastischen Elementen und realen Bezügen auf die Bühne zu zaubern. Der Aufwand hierfür war beträchtlich. Über 50 Schülerinnen und Schüler wirkten auf und hinter der Bühne mit, um die Zuschauer bei tropischen Temperaturen in die frostige Atmosphäre der Mühle am Koselbruch zu entführen. Hierin hatte es auch den Betteljungen Krabat (Vanessa Schwarz) verschlagen. Dort wird er vom Müller erwartet und aufgenommen. Sofort beginnt die beschwerliche Arbeit. Er stellt verwundert fest, dass seine elf weiteren Mitgesellen die Arbeit mühelos verrichten, während er selbst kaum durchzuhalten vermag. Die Ungereimtheiten mehren sich, und immer wieder erlebt Krabat unheimliche Situationen. Seine Mitgesellen erweisen sich zum Teil als recht verschlossen und abweisend. Zu Tonda (Maike Schelhorn) fasst Krabat Vertrauen, aber auch dieser spricht von Geheimnissen, die Krabat im Laufe seiner Gesellenzeit erfahren würde. Nach drei Monaten nimmt Krabat an einer Zusammenkunft der Gesellen mit dem Meister (Johanna Thron) teil und wird dabei in die schwarze Magie eingeführt. Einmal wöchentlich erhält Krabat nun Unterricht in der Zauberkammer des Meisters und vertieft sich immer mehr in diese ihn anfänglich abschreckende, aber auch faszinierende Kunst. Er gerät dabei immer mehr in die Abhängigkeit des Angst einflößenden Lehrers. Im weiteren Verlauf wird Krabat Zeuge weiterer unheimlicher Geschehnisse.

Am Ende ist es gerade der scheinbar trottelige Juro (Niklas Löffler, rechts), der Krabat die entscheidenden Hinweise auf das erhoffte Ende im Kampf zwischen Gut und Böse gibt. Foto: mtsDoch Krabats Faszination für die dunklen Mächte wird auch geschickt und unterhaltsam von komödienhaften Szenen durchbrochen. Ihre Fähigkeit zu zaubern, verleiten Krabat und seine Gesellen beispielsweise dazu, Bauern und Soldaten auf die Schippe zu nehmen. Diese für die Burschen freudige Zeit weicht jedoch schnell einem tristen Herbst und einem düsteren Winter. Krabat muss feststellen, dass seine Mitgesellen depressiv und ruhelos wirken. Der Grund hierfür liegt in der Erwartung, dass einer der Jungen sterben muss, um das Weiterleben des Meisters zu gewährleisten. In der Silvesternacht stirbt Tonda, und wie sich herausstellt, ist die Wahl auf ihn gefallen, weil er sich dem Meister widersetzt und der Liebe zu einem Mädchen nicht entsagt hatte.

Sie liefern sich einen wahrhaft diabolischen Zweikampf zwischen Gut und Böse: Krabat (Vanessa Schwarz, links) und der „Meister“ (Johanna Thron). Foto: mtsDas zweite Jahr Krabats auf der Mühle gleicht in seinem Rhythmus dem ersten, ein neuer zwölfter Müllerbursche (Senta Kryzer), ein früherer Freund Krabats, kommt zur Mühle und erhält die Kleidung Tondas. Die Erlebnisse in der Zauberschule, die Osternacht, Sommer, Herbst und Winter verlaufen ähnlich wie im ersten Jahr. Allerdings lernt Krabat in der Osternacht ein Mädchen (Luisa Höfner) näher kennen und verliebt sich in sie. Seine Angst vor dem Meister, seine Angst um das Mädchen und um sich selbst treiben ihn um. Andererseits ist Krabat in seiner Zauberkunst sehr weit fortgeschritten. Deshalb bietet ihm der Meister die Nachfolge in der schwarzen Mühle an.

Im dritten Jahr muss sich Krabat zwischen Liebe und Tod entscheiden. Soll er ein mächtiger, gewaltsamer Zauberer werden, so wie ihm der Meister rät, soll er der Zauberkunst entsagen und zu seinem Mädchen stehen? Beide Entscheidungen wiegen schwer, bei einem Scheitern würde ihn der Tod erwarten. Aber Krabat tut das Richtige und setzt dank der Hilfe des nur scheinbar trotteligen Gesellen Juro (Niklas Löffler) dem Treiben des Meisters ein Ende, erlangt für sich und seine Kameraden die Freiheit und gewinnt sein Mädchen.

Das größte Verdienst des Regieteams um Alexandra Reiter und Ula Götz war neben dem geschickt inszenierten Konflikts Krabats, zwischen Gut und Böse zu entscheiden, vor allem die bedrohliche Atmosphäre, die von der Mühle und ihrem diabolischen Meister ausging. Die Bühnenfassung von Otfried Preußlers bekanntem Jugendbuch ist eben auch als Warnung vor einem diktatorischen System zu verstehen, dessen Machtgefüge man sich nicht so leicht entziehen kann, wenn man sich einmal an die Vorteile einer solchen autoritär angelegten Gemeinschaft gewöhnt hat. Die FWG-Schauspieltruppe meisterte genau jenen Spagat zwischen unterhaltsamen und spannenden Elementen und der zeitkritischen Aussage mit bemerkenswerter Bravour.

Dass die Zauberei auch zu allerlei Späßen führen kann, demonstriert Tonda (Maike Schelhorn, Mitte), als er mittels schwarzer Magie selbst Soldaten zum Tanzen bringt. Krabat (Vanessa Schwarz, links) ist durchaus angetan von einer solchen Macht. Foto: mtsIn weiteren Rollen sind zu sehen: Celina Höfner, Elisabeth Lieb, Svenja Wohlrath, Julius Kraus, Ann-Katrin Höfner, Christian Hofmann, Marcel Müller, Patrizia Havelka, Julia Sünkel, Linda Rosenbaum und Elena Witzgall.

 Otfried Preußlers „Krabat“ wird noch zweimal am Frankenwald-Gymnasium aufgeführt und zwar am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag. Die Aufführung beginnt jeweils um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

-mts-