„Body-Percussion-Workshop“ mit dem Österreicher Richard Filz 

Kronach. „Ihr macht mich glücklich!“ DSichtlichen Spaß, der alle mitreißt, hatte Richard Filz bei seinem Body-Percussion-Workshop am Frankenwald-Gymnasium. Foto: mtsie Schülerinnen und Schüler der Klasse 7d und 8b halten kurz inne und schauen sich ein wenig verdutzt an. Ein solches Lob erhält man an der Schule selten. Und dann noch im Wiener Dialekt! Keine Frage: Was hier gerade abläuft, ist keine normale Musikstunde. Dafür sorgt der Österreicher Richard Filz, der sich auf die lange Reise nach Kronach gemacht hat, um dort am Frankenwald-Gymnasium den Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Klassen in einem Workshop ein„Musikinstrument“ vorzustellen, das jeder der Anwesenden hat, aber so noch nicht gebraucht hat. „Ich habe den großen Vorteil, mein Musikinstrument immer dabei zu haben: Meinen Körper!“ Richard Filz ist zwar auch Komponist, Musiker, Schlagzeuger, Musiklehrer und Autor, doch international bekannt ist er vor allem auf dem Gebiet der „Body Percussion“ und der „Vocal Percussion“. Dabei kommen Körper und Stimme als universale Rhythmusinstrumente zum Einsatz.

 

„Moin, Hallo, Servus“ hallt es aus rund 60 Kehlen im zweiten Stock des Frankenwald-Gymnasiums. Richard Filz absolviert mit den Schülern das Aufwärmprogramm. Das rhythmische Sprechen in unterschiedlicher Lautstärke steckt die Gruppe im Nu an. Alles hört auf den Mann im schwarzen T-Shirt. Als dieser plötzlich mit seinen Händen zu klatschen beginnt, machen es ihm die Mädchen und Jungen nach. Erst gemeinsam, dann in Gruppen mit unterschiedlichem Tempo und Rhythmus. Es entsteht ein Klangteppich mit einer gewaltigen Dynamik. Jeder einzelne Schüler macht mit. Richard Filz ist sichtlich zufrieden und spendet seinen jungen Workshop-Besuchern Applaus. „Hier geht was!“ Wie Recht der Österreicher damit hat.

 

Alles hört auf sein Kommando: Der Österreicher Richard Filz gibt den Schülerinnen und Schülern des Frankenwald-Gymnasiums den Takt bei der „Body Percussion“ vor.Das liegt zum einen an der ungewöhnlichen Kunst der Body-Percussion, zum anderen aber an dem Gast aus dem Süden selbst. Eine kleine Geste reicht und die Jugendlichen folgen dem Wiener in die faszinierende Welt der Klänge und Rhythmen, die man mit dem Körper erzeugen kann. Nach der kurzen Aufwärmphase entledigen sich die Schüler ihrer Jacken und Pullis. Body-Percussion ist schweißtreibend. Da kann man schon einmal die Coolness der Pubertät für 45 Minuten ablegen.

„Das ist nicht selbstverständlich.“, erklärt Richard Filz nach dem Workshop. „Die Schüler hier sind unglaublich aufmerksam und beweisen ein hohes Maß an koordinativen Fähigkeiten,“ lobt der vielfach ausgezeichnete Musiker sein junges Publikum am FWG. Diese erhalten innerhalb von 45 Minuten einen Crash-Kurs in Body und Vocal Percussion. „Es gibt sieben verschiedene Sounds beim Klatschen,“ erläutert Richard Filz und führt nacheinander Klatsch-Methoden wie „Hohlhand“, „Fingerklatschen“ oder „Sternklatschen“ vor. Die Schülerinnen und Schüler sind überrascht, welch große klangliche Vielfalt dabei herauskommt. Fügt man dann noch den passenden „Bodysound“, also das Schlagen der Hände auf Oberkörper, Hüfte und Oberschenkel hinzu, wird aus dem Körper tatsächlich ein eigenständiges Instrument. Die dabei entstehenden Rhythmen eignen sich zur Begleitung von Songs, die Filz über Band einspielt. Noch besser kommt es an, wenn Richard Filz das Mikrofon ganz nah an seinen Mund hält und zeigt, welche Laute man mit dem Mund erzeugen kann. Mit Hilfe dieser„Vocal Percussion“ wird der Österreicher zur „Beatbox“.

Die Schüler sind begeistert. Dem Gast aus Österreich geht es umgekehrt nicht anders. Schnell erkennt er echte Talente. Der 12jährige Nico fällt ihm sofort auf. „Bist Du Schlagzeuger?“ Nico muss kurz innehalten, gibt sich aber ‚lediglich’ als Klavierspieler zu erkennen. Über das musikalische Rhythmusgefühl verfügt er aber allemal.

„Auch das ist leider eine Ausnahme“, so Filz nach dem Workshop. „Ich merke in den letzten Jahren immer deutlicher, wie sehr die Koordination unserer Kinder durch Computer und Fernsehen verkommt“, erklärt der Österreicher, der aber nicht müde wird, gegen diesen Trend anzukämpfen. Der Sinn von Vocal und Body Percussion liegt dabei für ihn auf der Hand. „Es schult neben Koordination, kognitiven Fähigkeiten und Konzentrationsvermögen auch die Sozialkompetenz, wenn jeder auf jeden hören muss!“ Was Filz damit meint, spürt man, wenn 60 Händepaare im Takt einen mitreißenden Rhythmus vorgeben. Dabei leuchten auch die Augen von Musiklehrerin Grit Pehle. Sie hatte den bekannten Künstler eingeladen und ist nun sichtlich froh darüber, wie gut dieser bei den Schülern ankommt.

„Soll ich angeben?“ fragt FAlles hört auf sein Kommando: Der Österreicher Richard Filz gibt den Schülerinnen und Schülern des Frankenwald-Gymnasiums den Takt bei der „Body Percussion“ vor. ilz seine längst zu Fans gewordenen Workshop-Teilnehmer. Der einstimmigen und lautstarken Zustimmung folgt eine kurze Präsentation dessen, was es bedeutet, professioneller „Body Percussionist“ zu sein. Richard Filz’ Hände fliegen geradezu über seine Körperteile und sind mit dem Auge komm noch nachzuzeichnen. „Gute Schlagzeuger gibt es viele. Vocal und Body Percussion sind aber deutlich weniger verbreitet. Diese Nische besetze ich gerne!“

Am Ende hat Richard Filz ein Mammutprogramm in den Knochen. Zwischen 8.30 Uhr und 12.40 Uhr hat er insgesamt neun Klassen in die Kunst der Vocal und Body Percussion eingeführt und wirkt kurzzeitig erschöpft. „Die Schüler waren spitze! Da setze ich mich gerne ins Auto und lass’ auch den ein oder anderen Stau über mich ergehen.“ Rückkehr nicht ausgeschlossen – das würde sicherlich auch die Schülerinnen und Schüler des Frankenwald-Gymnasiums freuen.

-mts-