Mit dem fliegenden Klassenzimmer nach Israel

 

„Dieses Land ist total interessant und verrückt.“, resümiert Theresa Treusch und ihre Klassenkameradin Lea Stadelmann ergänzt: „In ein noch interessanteres und gegensätzlicheres Land kann man gar nicht reisen.“. Zusammen mit 14 anderen Schülerinnen und Schülern der 12. Klasse steht sie am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv und wartet auf das Boarding für den Rückflug. Nach sieben anstrengenden Tagen geht für beide ihre Exkursion zu Ende, die sie nach Israel, das Land der Gegensätze, geführt hat.

 

Bereits seit September 2017 befassen sich die Oberstufenschüler des Frankenwald-Gymnasiums mit dem flächenmäßig kleinen Land am Ostufer des Mittelmeeres, das so oft in den Schlagzeilen auftaucht. Im Rahmen ihres W-Seminars, das sie als Teil der Oberstufe belegen müssen, haben sie bereits viel über Israel gelesen, in Bildern und Filmen gesehen und ihre Seminararbeit konzipiert, die sie im November abgeben müssen. Ganz nach Erich Kästners Motto aus dem Buch „Das fliegende Klassenzimmer“ wurde für sie der Unterricht gleich zu Beginn des Schuljahres aus der Schule in die Ferne verlegt und zum „Lokaltermin“. Zunächst standen vier Tage in Jerusalem, der Hauptstadt des Staates und der heiligen Stadt der drei großen monotheistischen Weltreligionen auf dem Stundenplan. Vom Ölberg aus ging es ins Kidrontal, durch den Garten Gethsemane hinauf in die Altstadt, durch die Via Dolorosa zur Grabeskirche und dann durch das jüdische Viertel zur Klagemauer, dem Rest der Stützmauer des zweiten jüdischen Tempels. Auf dem Berg Zion angekommen, brummte bereits allen Kopf von den vielen Eindrücken, die innerhalb weniger Stunden gewonnen wurden. „Das ist deutlich mehr, als man sonst im Unterricht erfahren kann“, bringt es Jannik Großmann auf den Punkt und lässt sich auch von der israelischen Hitze die gute Laune nicht verderben.

In den folgenden Tagen standen die Jerusalemer Neustadt mit dem Herzl-Berg und der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und ein Besuch auf dem Mehane Yehuda Markt im Westen der Stadt auf dem Stundenplan. Außerdem gab es einen Besuch in der Knesset, dem israelischen Parlament mit seinen beeindruckenden Kunstwerken von Marc Chagall, sowie einen Abstecher zum Toten Meer. Bei 42 Grad und stechender Sonne entwickelte sich sogar die Auffahrt mit der Seilbahn auf die Festung Massada zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Doch der Blick über die jüdäische Wüste und das Tote Meer entschädigten auch dafür und ließen die Vorfreude auf das Bad im Salzwasser noch größer werden. Hautnah zu spüren war der Konflikt zwischen Israel und Palästina dann bei einem Besuch im „Zelt der Völker“, das die Reisegruppe auf der Rückfahrt von Bethlehem ansteuerte. Daher Nassar begrüßte die Oberfranken wie alte Freunde auf seinem Weinberg, der, obwohl im Westjordanland gelegen, von allen Seiten von neuerbauten jüdischen Siedlungen eingeschlossen wird. „Ich lebe hier auf dem Land, das bereits meinem Großvater vor über 100 Jahren gehört hat und für das ich Besitzurkunden aus der Zeit der türkischen Regierung des britischen Mandats habe“, erklärt er seinen Gästen. „Sie wollen mich von hier vertreiben und haben mir viel Geld geboten, wenn ich verschwinde – aber ich bleibe!“ zeigte sich der Palästinenser stark und erzählte von den vielen hundert Kindern, Juden und Moslems, die jedes Jahr in den Ferien bei ihm in Friedensprojekten zusammenkommen. „Das Besondere waren die persönlichen Begegnungen mit den dort lebenden Menschen, durch die man das Land nochmal anders kennenlernte“, fasst Leah Löhlein ihre Eindrücke zusammen, während ihre Freundin Anna Hader sich frische Feigen und Weintrauben von Dahers Weinberg schmecken lässt. „Das ist sicher das Besondere dieser Exkursion, dass wir nicht nur alte Steine und historische Stätten besuchen, sondern ganz verschiedene Menschen treffen, die uns ihre je eigene Sicht auf dieses besondere Land nahe bringen“ erklärt Seminarleiter Matthias Simon, der zusammen mit seiner Kollegin Alexandra Reiter die Gruppe begleitete.

 

Die letzten drei Tage macht das „fliegende Klassenzimmer“ am See Genezareth Station. Von Tabgha aus, der Stätte, an der die biblische Erzählung von der Brotvermehrung stattgefunden haben soll, wurden Kapharnaum und die heiligen Stätten rund um Tiberias besucht. In Deganja, dem ältesten Kibbuz des Landes, wurde für die Schüler greifbar, was die Idee einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft nach sozialistischem Vorbild bedeuten kann. Ganz anders waren dann die Eindrücke in „Beith Noah“, einem Integrationsprojekt für behinderte und nichtbehinderte Kinder, das von den Benediktinern der Abtei Zion am Ufer des Sees betrieben wird. Im persönlichen Gespräch erzählte Pater Jonas, einer der Mönche des Priorates, vom Leben im Kloster und den Problemen der integrativen Arbeit in ihrer Einrichtung. Die Begegnung mit Fayez Fowaz und seiner Familie wird schließlich zum Höhepunkt der Tage. Zusammen mit seiner dänischen Frau Tina und seiner Tochter Jasmin empfängt er die Reisegruppe auf der Terrasse seines Privathauses und erzählt vom Leben eines ehemaligen Beduinen. Als Hotelfachmann hat er in der Schweiz und in Deutschland gelebt, dort seine Frau kennengelernt, mit ihr zwei beiden Töchter bekommen und ist dann mit seiner Familie wieder in sein muslimisch-christliches Dorf in den Bergen am See Genezareth zurückgekehrt. Bei Kaffee mit Kardamom und arabischem Gebäck erfuhren die Schüler viel über das Schulsystem in Israel und warum die ältere Tochter ab dem kommenden Jahr in Deutschland studieren will.

Jom Kippur, das jüdische Versöhnungsfest, an dem das ganze Land einen Tag ruht, bot am Ende der Reise eine gute Gelegenheit, alle Erlebnisse zu verarbeiten und die Reise noch einmal Revue passieren zu lassen. „Wie schon der Name des Seminars „Israel - Land der Gegensätze“ andeutet, wurden uns in diesen Tagen alle Seiten Israels gezeigt, Schönes aber auch Negatives“, fasst Theresa Müller ihre Eindrücke zusammen. „Ich bin froh, dass wir die Möglichkeit hatten, zusammen das Land zu erkunden und alles hautnah mitzuerleben“, stimmt Elisabeth Kestel noch zu, bevor beide ein letztes Mal ihre Badekleidung anziehen und zur Abkühlung in den See springen. Am nächsten Tag soll das fliegende Klassenzimmer wieder in der Heimat landen, wissen beide und blicken wehmütig, aber voller Begeisterung auf sieben unvergessliche Tage zurück.

 

Text und Fotos: msi