Fahrt nach Mödlareuth

 

Am 12. Juli sind die die beiden zehnten Klassen des Frankenwald-Gymnasiums zum deutsch-deutschen Museum nach Mödlareuth gefahren. Es ist ein kleines, fast verschlafenes Dorf im Grenzland von Bayern und Thüringen; 50 Einwohner, ungefähr, leben in diesem noch heute geteilten Dorf, manches Mal sieht man sogar einen, wie dieser auf seinem Traktor zu den weiten Feldern in der Umgebung unterwegs ist.

 

Es ist eine kleine Siedlung: Wenige Häuser, vorzugsweise von Bauernfamilien bewohnt, ein kleiner Ortskern um einen sehr kleinen Weiher. Unscheinbar! Ein unwichtiges Dorf zwischen Bayern und Thüringen, so scheint es; und doch war es in der Zeit des Ost- West-Konflikts bekannt, nannte man diesen Ort „Little Berlin“.

Im Zuge des Kalten Krieges, aufgrund der Tatsache, dass der einen Teil durch Großbritannien, der andere Teil durch die Sowjetunion verwaltet wird, aufgrund dieser staatsrechtlichen Kleinigkeit wird die kleine Gemeinde am Tannbach entlang besagten Baches geteilt: Die einen leben in der freien, demokratischen BRD, die andern müssen fortan ihr Leben in einer Sperrzone organisieren, nicht auffallen, um nicht zwangsumgesiedelt zu werden, sich anpassen, schweigen und einfach nur leben …

Eindrücklich erinnert das deutsch-deutsche Grenzmuseum an jene Tragik: Es erzählt davon, wie man mit der Trennung hat leben müssen, wie man die Nähe des Nachbarn fühlte, diesen aber nie erfühlen, nie ertasten durfte, erzählt, wie die einen die anderen zwar sahen, mit ihnen aber nicht reden konnten, nicht reden durften …

Diese historische Tragik haben die Schüler der beiden zehnten Klassen nachempfinden können, wie sie das deutsch-deutsche Museum besucht haben. Bevor die Schüler für einen Moment in den Außenanlagen das Leben innerhalb des Grenzgebietes haben nachgehen können, hat man ihnen ein Film gezeigt, durch welchen diese die Geschichte des geteilten Dorfes gezeigt hat. So haben sie nachvollziehen können, wie die einfache Grenze zu einem schier unüberwindlichen System erweitert worden ist, wie mit jeder Erweiterungsstufe der Versuch unternommen worden ist, jedwede Flucht zu unterbinden, wie mit jeder Ausbaustufe der diktatorische Charakter des SED-Regimes deutlicher zutage getreten ist: Gerade der Einsatz von Boden- und SM-70-Minen beweist überdeutlich, was die SED von ihren Bürgern in deren Freiheitswunsch gehalten hat; vielmehr ist man bereit gewesen, diese eher zu töten, als akzeptieren zu wollen, dass sie in der gehassten BRD sich ein Leben in Freiheit aufgebaut hätten.

Im Anschluss an den Film sind die Schüler über das Freigelände geführt worden. Sie haben das Sperrgebiet betreten und erkannt, wie kompliziert es gewesen ist, in diesen Hochsicherheitstrakt der DDR zu gelangen. Nachdem diese das Sperrgebiet „verlassen“ haben, sind sie in das eigentliche Grenzgebiet gelangt; allein das perfide System der Grenzzähne zeugt erneut davon, wie sehr das SED-Regime darauf bedacht gewesen ist, dass eine Flucht hat entdeckt werden können. Es erscheint schier unmöglich, das wird den Schülern bereits jetzt klar, unbemerkt in Schutz der Nacht fliehen zu können.

Wie unmenschlich, wie brutal das System gegen Grenzverletzer vorgegangen ist, zeigt vor allem, dass man bereit gewesen ist, eine Flucht durch abgerichtete Hunde zu verhindern, gar, so dies scheitern würde, eine Flucht durch einen gezielten Schuss zu unterbinden. Natürlich hat man die Anweisung erhalten, dass man durch die Schüsse lediglich hat warnen sollen - dass man dann, wenn der Grenzverletzer auf die Warnungen nicht hören würde, man durch einen gezielten Schuss in die Beine die Flucht zu verhindern habe … Ist es dann aber nicht verwunderlich, dass die meisten durch die Schusswaffe getöteten Grenzverletzer nicht durch einen Schuss, vielmehr durch eine ganze Ladung an Patronen am Grenzdurchbruch gehindert worden sind?

Am Ende des Besuchs des deutsch-deutschen Museums haben die Schüler durchaus verstanden, dass man die Bürger nicht einsperren, nicht durch Grenzen aufhalten kann, vielmehr dasjenige Geld, das derart übertrieben in die Sicherung der Außengrenzen gesteckt wird, in andere Projekte hätte einbringen sollen - in derartige Projekte, welche den Lebensstandard sichern und ausbauen und die Freiheit garantieren.

Folglich haben die Schüler, auch mit Blick auf die gegenwärtige Situation in Europa, erkannt: Grenzen können keine Probleme lösen, nur anzeigen, wo die einen Staaten aufhören und die anderen Staaten anfangen.