Was Demokratie und Poesie verbindet

 

Den Begriff Haiku haben die meisten wahrscheinlich schon mal gehört, aber was hat die kürzeste Gedichtform der Welt mit Demokratie zu tun?

Bei dem Kunstprojekt zum Thema „Demokratie leben“ hat der Kronacher Künstler Ingo Cesaro auch mit einer Klasse aus dem Frankenwald-Gymnasiums Gedichte in Haiku- bzw. Senryu-Form erarbeitet.

Der Unterschied zwischen den beiden Gedichtformen ist, dass man bei einem Haiku meist eine Jahreszeit klar rauslesen kann. Der Aufbau ist bei beiden Formen gleich. Doch bevor die Jugendlichen selber zu kleinen Poeten werden konnten, mussten sie erst einmal lernen, wie ein Haiku/Senryu aufgebaut ist.

Da das Kunstprojekt über zwei Schultage ging, wurde am ersten Tag der theoretische Teil erarbeitet. Zunächst erfuhren die Schüler, dass ein Haiku/Senryu insgesamt nur aus 17 Silben und 3 Zeilen besteht. Die erste Zeile besteht aus fünf Silben, die zweite aus sieben Silben und die dritte wieder aus fünf Silben. Im Gegensatz zu einem „normalen“ Gedicht muss sich ein Haiku/Senryu nicht reimen. Um Silben zu vermeiden, darf auch Umgangssprache verwendet werden.

Nach den kurzen theoretischen Ausführungen durfte man bereits geschriebene und in einzelne Wörter zerschnittene Gedichte ordnen und so die Form weiter vertiefen. Anschließend durften Gedichte vervollständigt und vor der Klasse präsentiert werden, wobei auch das Auftreten und das Vortragen geübt wurden. Dann ging es endlich an das Schreiben von eigenen Haiku/Senryu. Zu den Themen „Gegen Gewalt“, „Ausländerfeindlichkeit“ und „Intoleranz“ sollte jede/-r Jugendliche mindestens drei Gedichte pro Thema schreiben, die dann am nächsten Tag verarbeitet werden sollten.

Am zweiten Tag ging es darum, die auf Blockblätter geschriebenen Gedichte zu drucken. Dabei wurden die Gedichte auf zwei unterschiedliche Art und Weisen gedruckt. Zum einen wurden alle Gedichte der Schüler „normal“ mit einem Computer auf Papier gebracht. Aber das größte Highlight war ganz sicher, dass jeder sein bestes Gedicht wie zu Gutenbergs Zeiten mit beweglichen Lettern drucken durfte. Diese Art und Weise des Druckens erfordert sehr viel Feingefühl, da die sehr alten Letter sehr empfindlich sind, weil sie fast aus reinem Blei bestehen. Die fertigen Drucke wurden an einer Wäscheleine zwischen zwei Bäumen aufgehängt.

Ingo Cesaro erklärte im Laufe des Projekts, wofür die Gedichte eigentlichgedacht sind. Die erarbeiteten Gedichte werden am 15. September 2018 in der Kühnlenzpassage in Kronach bei der langen Nacht der Demokratie ausgestellt. Neben den Gedichten der Schüler des Frankenwald-Gymnasiums werden auch Gedichte von gleichaltrigen Schülern aus beiden Realschulen und aus dem Kaspar-Zeuß-Gymnasium in der Ausstellung präsentiert werden. Auch die Leiterin des Projekts besuchte das Projekt und lud noch mal zur Veranstaltung im September ein.

Das ganze Projekt war für alle ein Erlebnis, dessen Ergebnisse sich sehen lassen kann und das den Schülern sicherlich einen Einblick in die Welt der Poesie eröffnet hat.