Wie lebt es sich in den USA und in Deutschland? – Der „President“ gibt Auskunft

 

Oberstufenschüler des FWG empfangen Besucher aus Tennessee

Kronach. Eine seltene Gelegenheit ergab sich vor kurzem für einen Q11-Englischkurs des Frankenwald-Gymnasiums: Die Schüler begrüßten zwei waschechte US-Amerikaner in ihrer Mitte. Dabei durften sie schlichtweg alles fragen, was sie über die USA und ihre Gäste wissen wollten.
Und Danny Mock, „President“, also Leiter der US-Niederlassung der RVT Process Equipment GmbHaus Steinwiesen in Knoxville, Tennessee, zeigte sich zusammen mit seiner Mitarbeiterin Rachel Svoboda offen für alle angesprochenen Themenbereiche.
Um das Eis zu den anfangs doch recht schüchternen Franken zu brechen, standen zunächst die bisherigen Erfahrungen der Schüler mit den USA im Mittelpunkt. „What you see on the movies is true“, entgegnete Danny Mock wenig später mit einem Augenzwinkern.


Auf die Unterschiede zwischen dem Leben in den USA und Deutschland angesprochen, erklärten die beiden Amerikaner auch, dass die Geschwindigkeit, mit der manche Dinge erledigt würden, zwischen beiden Ländern stark abweiche. „Wenn man in den USA in ein Restaurant geht, dann wird man zu einem Tisch gebracht und die Bedienung fragt sofort, was man trinken möchte. Hier in Deutschland musste ich schon mal eine Viertelstunde warten, bevor ich
überhaupt ein Getränk bestellen konnte. Und dann musste ich noch einmal so lange warten, bis ich etwas zu trinken hatte und endlich mein Essen bestellte“, so Mock. Und Rachel Svoboda ergänzt: „Als Studentin habe ich als Bedienung gejobbt. Wenn du in den USA nicht schnell genug bist, gehen die Gäste einfach wieder, weil der Service zu schlecht ist.“ Und Rachel weiter: „Kellner bekommen nur zwei bis drei Dollar die Stunde, ihre eigentliche Einnahmequelle ist das Trinkgeld, und das muss verdient werden.“
Die FWGler bleiben beim Essen: „Welches deutsches Essen ist in den USA am bekanntesten?“ „Bratwurst und Sauerkraut“ lautet die rasche Antwort, allerdings mit der Einschränkung, dass die beiden Gäste genau jene Speisen in den USA nicht mögen, vor Ort in Deutschland aber gerne genießen, wie auch Schäufele und das exzellente deutsche Bier. „Schmäuß is one of my favorites“, bekennt Danny Mock. Dass man in den USA Bier aber erst mit 21 trinken darf, löst bei den Schülern ein ungläubiges Lachen aus – besonders in Kombination mit der Information, dass man Waffen schon mit 14 erwerben kann. Das Thema Waffen ist in den USA immer wieder für Diskussionen gut, und Danny und Rachel sprechen auf Nachfrage offen über ihre Meinung und legen dar, dass es für die Leute, die auf dem Land leben, völlig normal ist, eine oder mehrere Waffen für die Jagd und zum Selbstschutz zu besitzen. Sie erklären auch, dass das Problem ihrer Meinung nach nicht die Waffen seien, sondern diejenigen, die sie benutzen. „Sollte dich jemand umbringen wollen, tut er das auch mit einem Messer“. Bei den Schülern ist nicht jeder dieser Meinung. Kopfnicken sieht man hingegen bei dem Hinweis, dass das Bild, das die Menschen von Waffen und ihrem Einsatz bei Verbrechen in den USA haben, durch die Medienberichterstattung stark verzerrt werde. In den Nachrichten werde die Gewalt vor allem dazu genutzt, um Zuschauer anzulocken. „Wie steht ihr zu der Todesstrafe?“ Auch bei dieser nicht einfachen Frage haben Danny und Rachel eine klare Antwort. Danny Mock gibt dabei ganz offen zu, dass es seiner Meinung nach Verbrechen gibt, die mit dem Tod geahndet werden sollten – besonders, wenn sich jemand an Kindern vergreife,
sei eine solche Bestrafung angemessen, und er verweist dabei auf den Anschlag an der Grundschule von Newtown im Dezember.
Ob Präsident Obama die Vereinigten Staaten stark verändert habe, ist für die Gäste hingegen nicht so einfach zu beantworten. Dass Obama das Amt in schwierigen Zeiten übernommen habe, stehe außer Frage, und er sei durch die Umstände zu bestimmten Handlungsweisen gezwungen gewesen. Allein von der Person Barack Obama wollen die beiden die Veränderungen in den USA nicht abhängig machen.
Langsam laufen die Schüler warm. Es schließen sich Fragen zum Sport und sogar zum Sozialversicherungssystem in den USA an. „Unterstützt werden Bedürftige schon. Aber wenn du arbeiten könntest und einfach nur nicht willst, dann bekommst du vom Staat auch keine Unterstützung“, betont Danny Mock.
Die Schüler sind durchaus erstaunt.  Interessant wird es auch, als die Schüler neugierig wissen wollen, welche Klischees über Deutsche in Amerika im Umlauf seien. Die Antwort überrascht die Schüler. „Deutschland ist bekannt für technische Präzision. Wenn ich mit Kunden rede, weise ich darauf hin, dass die Teile in Deutschland konzipiert und produziert werden, in deutscher Qualität, das ist ein echtes Verkaufsargument“, erklärt Danny Mock.
Aufhorchen lassen auch Danny Mocks Ausführungen zu amerikanischen Tischmanieren: „Man benutzt nicht Messer und Gabel gleichzeitig zum Essen, sondern schneidet das Essen und legt das Messer dann weg. Man isst also nur mit der Gabel in der Hand.“ Mit dem Thema Essen und Trinken endet auch die Fragestunde: Einige Schüler haben Kuchen gebacken, andere Kaffee gekocht, und so kommen die beiden Amerikaner noch in den Genuss einer typisch deutschen Sitte - des Nachmittagskaffees.
Ute Walter