Wer hat an der Uhr gedreht?

 
Kurz vor den Weihnachtsferien macht sich das Frankenwald-Gymnasium selbst ein ganz großes Geschenk. Schülerinnen und Schüler des P-Seminars „Sonnenuhr“ haben es nach über zwei Jahren Arbeit geschafft: Das Schulzentrum hat seine erste Sonnenuhr. Maßgeblich daran beteiligt sind auch einheimische Firmen.
 
Beim Blick auf die Uhr legen Schüler während des Unterrichts traditionell sehr viel Wert auf Genauigkeit. Da zählt jede Minute. Beim Blick auf die neueste Uhr am Schulzentrum müssen sie etwas großzügiger sein. „Im Moment geht die Sonnenuhr aufgrund einiger physikalischer Gesetzmäßigkeiten etwa sechs Minuten vor“, erklärt Studiendirektor Wilhelm Geuther den Schülern, Eltern, Kollegen und Freunden des Frankenwald-Gymnasiums, die sich in der letzten Schulwoche des Kalenderjahres zur offiziellen Einweihung der ersten Sonnenuhr am Schulzentrum eingefunden haben. Alle sind vom neuen Blickfang am FWG, der vor der Kreisbibliothek und dem unteren Eingang zum Gymnasium steht, fasziniert.
Neben den Mitgliedern der Schulfamilie durfte Seminarleiter Wilhelm Geuther auch die Vertreter der Firmen begrüßen, die in Kooperation mit dem P-Seminar die Umsetzung des Projekts überhaupt ermöglicht hatten. „Es war ein langer Weg, an dessen Ende aber jetzt ein eindrucksvolles Ergebnis steht“, erklärte Studiendirektor Geuther nicht ohne Stolz und wurde in dieser Einschätzung auch von Schulleiter Dr. Klaus Morsch bestärkt. Dieser sprach von einer „ganz besonderen Errungenschaft in der Geschichte des Frankenwald-Gymnasiums.“
Dass das neue Wahrzeichen seinen Platz zwischen Kreisbibliothek und FWG finden würde, stand aber zu Beginn des P-Seminars im September 2014 so noch gar nicht fest. Da beschäftigte man sich noch eher theoretisch mit der Funktion und dem physikalischen Hintergrund einer solchen Sonnenuhr. „Die Erneuerung der Außenanlagen im Rahmen der Sanierung des Fachklassentrakts und der Kreisbibliothek war für uns im Seminar auch eine Motivation, gerade dort eine große Sonnenuhr zu installieren“, erinnerte sich Wilhelm Geuther. Die Grundlagen, die man sich vorher noch anhand technischer Zeichnungen am Computer theoretisch erarbeitet hatte, wurden allmählich in die Praxis umgesetzt. Die ersten konkreteren Pläne wurden erstellt und mit den entsprechenden Partnern besprochen. Dazu gehörte natürlich auch das Landratsamt in Person von Architekt Georg Schönmüller. „Ihm präsentierten wir bereits im Februar 2015 unser Vorhaben“, erinnerte sich einer der Seminarteilnehmer. In Abstimmung mit Diplom-Ingenieur Andre Völk, unter dessen Federführung die Sanierung des Fachklassentrakts stand, legte man Größe und Standort der Anlage fest. Und auch die Fachschaft Kunst des FWG wurde zu Rate gerufen, da die Sonnenuhr zugleich ein Kunstobjekt werden sollte.
Dass all dies eindrucksvoll in die Tat umgesetzt wurde, erkannten auch die Besucher der kleinen Einweihungsfeier auf den ersten Blick – und trotz bedeckten Himmels. „Eigentlich war die Fertigstellung ein komplettes Jahr früher angesetzt“, erklärt Jannis Köstner. Der Teilnehmer des P-Seminars verließ im Juni 2016 das FWG mit dem Abitur in der Tasche. „Da war gerade einmal die Bodenplatte der Anlage gesetzt“, erinnert sich Jannis. „Wir hatten den Plan im Sommer 2015 der Regierung von Oberfranken vorgelegt, aber Genehmigung und Ausschreibung machten den Weg bis zur Umsetzung sehr lang“, erläutert Seminarleiter Geuther den Zusammenhang und weiß: Auch in dieser Hinsicht haben die Seminarteilnehmer viel für das spätere Leben gelernt.
Aber Jannis blickt auch als Ex-FWGler absolut stolz auf „seine“ Sonnenuhr. Das Projekt wurde von den Schülerinnen und Schülern der nächsten Jahrgangsstufe letztlich fertig gestellt. Und da gab es vor allem ab September 2016 einiges zu tun. „Wir konnten uns dabei stets auf unsere externen Partner verlassen“, macht Wilhelm Geuther klar und verweist dabei vor allem auf die Unterstützung von Diplom-Ingenieur Christian Fischer von der Firma R-S-Metall aus Küps bei der Erstellung der Edelstahlkonstruktion, auf die Firma Dittmar Müller (Beikheim) bei der Natursteinbearbeitung und auf die Firma Peter Schäfer (Theisenort) für das genaue Aufstellen der Sonnenuhr.
„Denn ohne Akribie und Genauigkeit geht bei einer Sonnenuhr gar nichts“, weiß sich auch noch Student Jannis zu erinnern. Bei der sogenannten horizontalen Sonnenuhr ist es wichtig, dass beispielsweise der Schattenstab parallel zur Erdachse liegt und somit genau nach Norden zeigt. Und mit Hilfe einer Schattenkugel lässt sich anhand dieser Uhr auch noch auf das Datum schließen. Wie das genau funktioniert und wie man die Abweichungen in die Zeitmessung einberechnen kann, erklärt eine kurze Anleitung, die auf einem Edelstahlschild verewigt und somit Teil der eindrucksvollen Anlage ist.
-mts-