Berührend und mitreißend zugleich

 
 
Der enorm große Besucherandrang in der Kronacher Stadtpfarrkirche machte es auch in diesem Jahr deutlich: Das Adventskonzert des Frankenwald-Gymnasiums ist hinsichtlich seiner musikalischen Klasse schon längst kein Geheimtipp mehr. Und auch 2016 bieten die Chöre und Ensembles des FWG einen Konzertabend, der zum Erlebnis zwischen ruhiger Besinnung und großer Vorfreude auf das Fest wird.
 
Aus Sicht des Frankenwald-Gymnasiums gehört dieser Satz wie der Weihnachtsbaum zum Weihnachtsfest oder „Dinner for One“ zum Silvesterabend. Für Dr. Klaus Morsch war es in seiner Funktion als Schulleiter des Frankenwald-Gymnasiums das letzte Mal, dass er diese Worte am Ende des Adventskonzerts seiner Schule an alle Musikfreunde in der Kronacher Stadtpfarrkirche richtete: „Jetzt kann Weihnachten kommen!“ Und erneut sprach er den Konzertbesuchern damit aus der Seele. Denn die rund 100 Minuten Konzertprogramm boten neben der beeindruckenden musikalischen Abwechslung eben auch ausreichend Gelegenheit, sich sowohl von den besinnlichen Tönen der Adventszeit als auch von den ausgelassenen Melodien des Weihnachtsfestes erfassen zu lassen.
Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn hatte sich am Freitagabend in der Stadtpfarrkirche kaum noch ein Sitzplatz finden lassen. Wenige Minuten später war die Kirche komplett gefüllt und in den Gängen warteten die Besucher geduldig selbst im Stehen auf die ersten Klänge. Die hatten gleich eine erste Überraschung parat, denn das Instrumentalensemble unter der Leitung von Christiane Stömer-Rauh eröffnete das Konzert von der Empore aus und bewies hier wie auch später beim „Weihnachtszyklus“ von Ernest Majo im Altarraum den warmen Klang eines kleinen Kammerorchesters.
Überhaupt hielt das abwechslungsreiche Konzertprogramm die ein oder andere Überraschung parat. So zog beispielsweise der Unterstufenchor passend zum „Stern über Bethlehem“ im verdunkelten Gotteshaus einem hellen Stern folgend ins Kirchenschiff ein und wurde hier bei den folgenden Liedbeiträgen sowohl von den Holzbläsern als auch vom Percussion-Ensemble (Leitung: Ralf Probst) der Schule begleitet. Auch das „Kleine Orchester“ entpuppte sich bereits bei den ersten Tönen sowohl quantitativ als auch qualitativ alles andere als „klein“. Unter der Federführung von Stefanie Bär verbreitete das Orchester mit vier Weihnachtsliedern aus unterschiedlichen europäischen Regionen erste Vorfreude auf das nahende Weihnachtsfest.
Eine echte Premiere feierte die Chorklasse 5c, die mit ihrer Leiterin Christiane Stömer-Rauh ihren ersten musikalischen Auftritt an der neuen Schule hatte und diesen mit unübersehbarer Freude am Singen meisterte. Die von der Klasse vorgetragene Verszeile „Wenn im Dezember nicht Weihnachten wär’, blieb alles dunkel und leer“ zog sich wie ein Leitmotiv durch den Abend, wobei die Dunkelheit auf unterschiedliche Weise gefüllt wurde. Für die besonders ruhigen Momente sorgte neben Matthias Müllers Beitrag an der Orgel zu „Es kommt ein Schiff geladen“ auch Marcel Schuberth. Der junge Gitarrist begeisterte im Zusammenspiel mit Phillip Gundermann und Maximilian Daum am Marimbaphon bei „Mr. and Mrs. Bretcher’s Wedding Day“ von Mike O’Hardy mit enorm viel musikalischem Feingefühl. In die gleiche Richtung zielte der mit Spannung erwartete Beitrag des Lehrerchors. Und wer der anwesenden Schülerinnen und Schüler hätte gedacht, dass man sich von diesem Klang- und Lehrkörper wohl einmal in den Schlaf singen lassen würde? Und bei manchem wäre es beim ungemein einfühlsam vorgetragenen „Sing Lullaby“ von Edgar Pettman sogar fast soweit gekommen. Das dabei dargebotene und bemerkenswert hohe gesangliche Niveau wurde kurz darauf auch vom Mittel- und Oberstufenchor gehalten, weil sowohl „Was nie ein Auge gesehen“ von Tore W. Aas als auch das weltbekannte „In dulci jubilo“ aus dem 16. Jahrhundert durch ein warmes Klangbild getragen wurde.
Danach war es aber erst einmal vorbei mit der adventlichen Besinnung – die Big Band des FWG spielte auf! Und was Stefanie Bär hier ihrem Ensemble entlockte, war wieder einmal einfach nur mitreißend. Der Anfang fiel mit „The Christmas Waltz“ noch recht beschaulich aus, doch dem „White Christmas“ und dem „Big Band Christmas Medley“ konnte kaum ein Konzertbesucher widerstehen: Man musste einfach mitwippen!
All das konnte eigentlich nur noch durch „das“ Bild des Abends ‚getoppt’ werden: Zum Abschluss des Konzerts versammelten sich alle Mitwirkenden vor dem Altarraum, um gemeinsam das „Tochter Zion“ von Georg Friedrich Händel anzustimmen. Das Klangvolumen, das von den über 150 Sängerinnen und Sängern sowie jungen Musikerinnen und Musikern ausging und sich von dort aus in der Stadtpfarrkirche verbreitete, ließ keinen unberührt und machte deutlich, wie goldrichtig Schulleiter Dr. Klaus Morsch mit seiner Einschätzung des Abends gelegen hatte: „Jetzt kann Weihnachten kommen!“
-mts-