Mit dem fliegenden Klassenzimmer nach Israel

 

Exkursion des Frankenwald-Gymnasiums ins Heilige Land

Nervös stehen sie am Schalter der israelischen Fluggesellschaft ElAl an und warten auf die Sicherheitskontrolle. „Klar haben wir darüber gesprochen, was die Mitarbeiter alles fragen werden. Aber ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Hoffentlich verstehen die mein Englisch.“ sagt Lea Schreyl, eine der dreizehn Schüler des Frankenwald-Gymnasiums (FWG) und bringt damit auf den Punkt, was die anderen denken. Gemeinsam mit ihrem W-Seminar und dem Seminarleiter Matthias Simon, mit Studienrätin Katharina Gödel als Begleitperson und sechs Gästen macht sie sich auf zu einer Exkursion nach Israel.

 

„Israel – Land der Gegensätze“ lautet das Thema des W-Seminars am Frankenwald-Gymnasium, in dessen Rahmen die Seminarteilnehmer die Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens lernen sollen und dann zu einem selbst gewählten Thema eine Seminararbeit verfassen müssen. Dabei drehen sich alle Themen um das Land Israel, seine Geschichte und Gegenwart. „Das Leben der ultraorthodoxen Juden im Stadtteil Mea Shearim ist mein Thema“, verrät Lea Schreyl, während ihre Freundin Lina Prell über die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem arbeitet. Beide wollen die bisherigen Ergebnisse ihrer Arbeit nun vor Ort, also in Jerusalem, abgleichen und dann die Erkenntnisse der Exkursion in die Seminararbeit einarbeiten. Annika Detsch wird für ihre Arbeit über das Attentat auf die israelische Olympiamannschaft 1972 keine neuen Erkenntnisse auf der Exkursion gewinnen können, freut sich aber dennoch auf die Tage in Israel. Nach ausgiebigen Kontrollen, einer Verspätung des Flugzeugs und vier Stunden Flug empfing die israelische Hitze mit gut 30 Grad die Gruppe am frühen Abend.

In den folgenden Tagen standen zunächst Jerusalem und seine nähere Umgebung im Mittelpunkt der Exkursion. Dabei wurden die christlichen Stätten, wie der Ölberg, die Via Dolorosa und die Grabeskirche ebenso besucht wie die jüdische Klagemauer oder die römische Ladenstraße, die Cardo, die sich quer durch das jüdische Viertel der Jerusalemer Altstadt zieht. Ein Besuch in der Knesseth, im Herzl-Museum und ein Nachmittag in der Gedenkstätte Yad Vashem boten den Schülern sehr unterschiedliche Eindrücke, die erst einmal verarbeitet werden mussten. Beeindruckt waren alle von den vielfältigen Begegnungen: Während Bruder Nathanael, ein junger Benediktiner aus der Abtei auf dem Zionsberg, vom Leben der Christen in Jerusalem erzählte, stand mit Eva Cheblowski eine jüdische Mutter aus Tel Aviv den Schülern Rede und Antwort. Sie berichtete von den vielfältigen Problemen im Alltagsleben der Menschen in Israel und wie sie die politische Lage einschätzt. Besonders beeindruckend war der Besuch bei Dahoud Nassar (Bild), einem christlichen Palästinenser, der auf den Hügeln vor Bethlehem seit vielen Jahren ein Friedensprojekt betreibt. Zusammen mit seiner Familie und unterstützt von Volontären aus der ganzen Welt betreibt er auf den staubigen Hügeln Landwirtschaft und baut Früchte an. Zu Workcamps im Sommer kommen dann Kinder aus verschiedenen Ländern auf seinen Weinberg und leben für einige Wochen zusammen. Das einfache Leben der Familie und die große Gastfreundschaft beeindruckten die Gäste aus dem Landkreis Kronach nachhaltig: „Dahoud Nassar und sein Team im Tent of Nations waren sehr gastfreundlich und der Besuch dort sehr schön“ fasst es Annika Detsch zusammen und ist besonders von den Volontären beeindruckt, die bei der großen Hitze unter freiem Himmel ihre Arbeit verrichten.

Durch die judäische  Wüste ging es dann weiter ans Tote Meer und dort zunächst zu den Ruinen der herodianischen Festung Massada. Bei 43 Grad ohne Schatten forderte Reiseführer Nidal Nakash alles von seiner jungen Reisegruppe, verstand es dabei durch seine lockere Art aber immer, die Aufmerksamkeit der Gruppe zu bekommen. Natürlich durfte ein Bad im Toten Meer ebenso wenig im Programm der Exkursion fehlen, wie der Besuch der historischen Orte rund um den und eine Fahrt auf dem See Genezareth. Dort hatte die Gruppe für drei weitere Tage in einem Pilgerhaus Quartier bezogen. Nach der Hektik und Betriebsamkeit Jerusalems entpuppte sich dieses als Oase der Ruhe und der eigene Zugang zum See ermöglichte den Frühaufstehern den Sonnenaufgang schwimmend im See zu erleben. Ein Besuch bei der Familie von Fayez Fowaz (Bild) rundete das Begegnungsprogramm ab. Zusammen mit seiner dänischen Frau und seinen beiden Töchtern berichtete er über das Leben einer beduinischen Familie im Hinterland von Galiläa im Jahr 2016. Selbstgebackenes und Rosmarintee zeugten wieder von der großen Gastfreundschaft und bildeten die beste Grundlage für intensive Gespräche mit der Familie.

„Insgesamt war es eine gelungene Exkursion, die ich immer wieder machen würde.“ fasst  Lea Schreyl ihre Eindrücke zusammen, während sie wieder zum Sicherheitscheck ansteht. Diesmal allerdings am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv, dem Endpunkt der Exkursion. Hinter ihr liegen sieben anstrengende Tage vollgepackt mit neuen Eindrücken, die nun verarbeitet werden müssen. Nicht zu vergessen die über 1000 Bilder auf der Speicherkarte, die viele der Eindrücke wiedergeben können – und doch nicht alles erzählen, was die Schüler mit ihrem „fliegenden Klassenzimmer“ erlebt haben. „Es war auf jeden Fall ein kleines Abenteuer, solch eine Exkursion zu planen und durchzuführen. Immerhin war es das erste Mal, dass Schüler des FWG gemeinsam eine so weite Reise gemacht haben,“ resümiert der Seminarleiter Matthias Simon zusammen mit seiner Kollegin Katharina Gödel, „aber es hat sich gelohnt und davon werden die Schüler wahrscheinlich noch ihren Enkeln erzählen.“ Oder, wie es ein Seminarteilnehmer schreibt: „Es war ein sehr tolles Erlebnis, welches man weiterempfehlen muss.“