Exkursion der 9. Jahrgangsstufe

in das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald

 

Auch dieses Jahr besichtigte die 9. Jahrgangsstufe des Frankenwald-Gymnasiums im Rahmen des Geschichtsunterrichts die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Dies geschah auf Initiative von Oberstudienrat Heiko Gernlein, der für die Vorbereitung und Durchführung dieser Fahrt verantwortlich war.

Am Donnerstag, den 30. Juni 2016, um 7:45 Uhr begaben sich die drei neunten Klassen des FWG in zwei Bussen auf den Weg zur Gedenkstätte Buchenwald, welche auf dem Ettersberg liegt und acht Kilometer von Weimar (Thüringen) entfernt ist. Begleitet wurden die Schüler und Schülerinnen dabei von Frau Hüls, Herrn Stepanek sowie Herrn Gernlein.

 

Nach einer knapp zweistündigen Fahrt gelangten wir zur Gedenkstätte, die durch einen schmalen, von Buchen umgebenen Waldweg, zu erreichen ist. Auf dem Weg zum Museum konnten wir erste Eindrücke vom weitläufigen Gelände des Konzentrationslagers gewinnen. Besonders in Erinnerung geblieben ist dabei ein senkrecht aufgestellter Baumstamm an den „ungehorsame“ Häftlinge zur Bestrafung an den nach hinten oben gedrehten Armen aufgehängt wurden.

Im Museum angekommen, hatten wir erstmals die Gelegenheit, die seit April 2016 völlig neu gestaltete Dauerausstellung „Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937-1945“ zu besichtigen. Neben äußerst vielen inhaltlichen Veränderungen gab es auch einige technische Verbesserungen. Besonders der Gedanke, dass man sich in einem Orginalgebäude aus der Häftlingszeit, nämlich der Effektenkammer, befindet, sowie die vielen Filmausschnitte und Bilder erzeugten eine bedrückende Stimmung. Im Museum wurden die unterschiedlichsten Themenbereiche über Buchenwald angesprochen, wodurch sich einige zuvor gestellte Fragen klärten. Informiert wurde zum Beispiel über den „Alltag“ der Häftlinge, Weimar und dessen enge Verbindung zu Buchenwald sowie über die Historie des Lagers selbst. Doch besonders bewegend waren die vielen Zeitzeugenberichte über das Lager und die zahllosen Biografien von Häftlingen, welche deren Leid unmittelbar greifbar machten. Auch die vielen Zitate von Insassen sind äußerst erschütternd, da so das Ausmaß der Katastrophe mit insgesamt 56.000 Toten besonders deutlich wird.

„Während der 23 Tage des Transports bekamen wir 5 mal 150g Brot und einmal etwas Wasser.“ – Fedor Bulawa

„In Gleiwitz wurden wir zu 110 Gefährten in offene Eisenbahnwagen gestopft. Auf dem Weg nach Buchenwald sind allein 34 Gefährten verhungert oder erfroren.“ – Peter Lorang

 (Zitate über Deportationen von Häftlingen nach Buchenwald)

Auch die Geschichte über einen Pfarrer namens Paul Schneider verdeutlichte das Schicksal vieler Häftlinge von Buchenwald anhand eines Einzelfalls. Dieser Geistliche wurde aufgrund eines Konflikts mit dem Staat von seiner Kirche „im Stich gelassen“ und kurz darauf ins KZ Buchenwald eingeliefert. Dort wurde er ein Jahr lang grausamst gefoltert, nur weil er sich weigerte, seine Mütze vor einer Hakenkreuzflagge zu ziehen. An den Folgen dieser unmenschlichen Qualen verstarb er noch im KZ. Spuren seinerseits waren im weiteren Verlauf der Exkursion anzutreffen. Nachdem wir uns noch mit weiteren Schicksalen der Insassen befasst und uns viele Exponate aus der Zeit des KZ betrachtet hatten, nutzten wir unsere noch verbleibende Zeit und machten uns genauer mit der Anlage der Gedenkstätte vertraut.

Während der Mittagspause aßen wir im Bistro oder stärkten uns mit unserem mitgebrachten Essen. Des Weiteren verarbeiteten wir die zuvor gewonnenen Eindrücke und Informationen.

Anschließend erwartete uns ein 30-minütiger Film in dem zur Gedenkstätte gehörenden Kinosaal. Im Film wurden uns von ehemaligen Häftlingen prägende Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Gefangenenzeit geschildert. Außerdem wurden historische Aufnahmen von Buchenwald präsentiert, um eine genauere Vorstellung vom KZ nach dessen Befreiung durch amerikanische Truppen im April 1945 zu erlangen.

Im Anschluss daran erhielten wir in einer Führung genauere Informationen über die verbliebenen Teile des Lagers. Es wurde zum Beispiel die Bedeutung und die Herkunft der Inschrift „Jedem das Seine“ am bekannten Haupttor von Buchenwald erläutert. Dabei stellte sich heraus, dass die Interpretation des Satzes durch die Nazis und dessen wahre Bedeutung gegensätzlicher nicht hätten sein können. Jeher stand „Jedem das Seine“ für Gerechtigkeit, da mit dieser Aussage gemeint ist, dass jeder das bekommen soll, was er verdient. In Buchenwald wurden zehntausende Unschuldige ermordet, wodurch dieser Ort nicht im Geringsten mit dem Wort Gerechtigkeit verbunden werden kann.

Ein weiterer Teil von Buchenwald, der für viele noch lange in Erinnerung bleiben wird, ist das „Krematorium“ mit einer dazugehörigen „Pathologie“. Diese beiden Orte sind aber nicht mit den heutigen Einrichtungen vergleichbar, da den Toten kein würdevoller und respektvoller Umgang erwiesen worden ist. Die Leichen wurden in der Pathologie förmlich „ausgebeutet“, da ihnen sämtliche Goldzähne entnommen wurden. Außerdem ist das „Krematorium“ nicht wie in unserer Zeit für eine würdevolle Bestattung ausgelegt, sondern der Zweck dieser Verbrennungsanlage bestand darin, möglichst viele Leichen in kürzester Zeit zu verbrennen.

Nachdem wir das „Krematorium“ verlassen hatten, schritten wir über den sogenannten Appellplatz und erreichten dort den letzten Punkt unserer Führung. Auf dem weitläufigen Platz ist eine kleine Metallplatte eingelassen worden. Auf dieser befinden sich alle Nationalitäten der Häftlinge nach dem Alphabet geordnet. Unsere Führerin erklärte uns, dass diese Platte immer auf 37 Grad Celsius temperiert ist. Diese Temperatur steht für die menschliche Körperwärme, das Leben. Damit soll darauf hingewiesen werden, dass alle Menschen gleich sind. Um diese Wärme zu spüren, knieten wir uns nieder und verneigten uns somit unbeabsichtigt vor den Häftlingen aus Buchenwald. Nachdem wir einige Sekunden an diesem Ort verharrten und der Verstorbenen gedachten, verabschiedeten und bedankten wir uns bei unserer Führerin und schritten durch das Tor mit der die Häftlinge verhöhnenden Inschrift.

Einige wenige von uns entschieden sich noch, den separaten Gefangenenbunker aufzusuchen. Auch ein Bild vom zuvor erwähnten Paul Schneider war in einer Einzelzelle zu sehen. Diese Tatsache verlieh dem Bunker eine weitaus bedrückendere Atmosphäre als zuvor, da, wie im Museum erwähnt, der Geistliche an diesem Ort ein Jahr lang gefoltert und hier auch umgebracht wurde.

Nachdenklich verließen wir das Konzentrationslager und stiegen in unsere Busse. Die geringe Lautstärke im Bus ließ sich zum einen damit erklären, dass viele sichtlich erschöpft von dieser Exkursion waren, zum anderen waren einige immer noch gedanklich in Buchenwald und dachten über die Erfahrungen dieses Tages nach.

 

Text:    Lukas F., 9. Klasse

Fotos:  Johannes S, 9. Klasse