Gymnasiasten beschäftigen sich mit dem Thema Flucht

 

Am Dienstag wurde die Ausstellung „Menschen: Flucht – Vertreibung – Heimat“ in der  Sparkassen-Hauptgeschäftsstelle in Kronach eröffnet. Konzipiert wurde diese von zwei Schülergruppen des Frankenwald-Gymnasiums, die sich in intensiver Arbeit mit dem Thema Flüchtlinge und deren Schicksale auseinandergesetzt haben.

 

„Meine Eltern haben mit meinem Bruder und mir vor drei Jahren unsere Heimat Syrien aufgrund des Krieges verlassen. Es war sehr traurig für unsere Familie, die eigene Heimat zu verlassen und wir hatten Angst vor der Flucht. Mit dem Flugzeug sind wir von der Türkei aus nach Deutschland geflogen, wo wir nach drei Stunden in Nürnberg angekommen sind“ – Das ist die Geschichte von Roxana, nachzulesen in der Ausstellung „Menschen: Flucht – Vertreibung – Heimat“, die bis zum 27. Juli in der Kundenhalle der Sparkassen-Hauptgeschäftsstelle in Kronach zu sehen ist.

Spätestens als am Schulzentrum, in direkter Nachbarschaft zum FWG, Flüchtlinge in einer Notunterkunft lebten, entstand bei den „Ranger“ und „MutMacher“ die Idee einer Ausstellung zum Thema Flucht. Damit wollten die beiden Schülergruppen ihre Mitschüler, Lehrer und die gesamte Öffentlichkeit über Gründe für, Wege der und Probleme bei der Flucht sowie persönliche Schicksale auf anschauliche und nachhaltige Art und Weise aufmerksam machen. Die Schüler und Schülerinnen interviewten Flüchtlinge unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft und recherchierten auch Hintergründe zur aktuellen Situation. Die Wander-Ausstellung, die erstmals im April an der Schule vorgestellt wurde, wird nun an verschiedenen Orten einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Den Anfang hierfür macht nunmehr die Sparkasse Kronach.

„Im Herbst 2015 wurde Deutschland von zwei riesigen Wellen überrascht“, meinte Sparkassen-Vorstandsmitglied Georg Löffler bei der Vernissage am Dienstagabend. Neben der Flüchtlingswelle mit mehr als einer Million Menschen, die deutschen Boden betraten, habe es auch eine überwältigende Welle der Solidarität gegeben. „Die Bilder aus Deutschland, wie Deutsche jubelnd Flüchtlinge aus aller Welt empfingen und unterstützten, gingen um die ganze Welt“, so Löffler. Gerne unterstütze man das FWG dabei, die Ausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Stellvertretender FWG-Schulleiter Alf Merkel dankte für die zur Verfügung Stellung der Kundenhalle. Der Studiendirektor zeigte sich sehr stolz auf die beiden Schülergruppen und die von ihnen unglaublich detailliert recherchierte und ausgearbeitete Ausstellung. Besonders beeindruckend sei es für ihn dabei, dass diese nicht etwa von politischen, kirchlichen oder sozialen Einrichtungen initiiert und konzipiert worden sei, sondern vom Anfang bis Ende durch die Schüler selbst - mit Unterstützung einiger Lehrer.

Insgesamt wirkten an der Ausstellung rund 50 Schüler und Schülerinnen mit. Die „MutMacher" sind eine Schülergruppe, unter deren Regie das FWG zur „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ernannt wurde. Die „Ranger" verstehen sich als Ansprechpartner für „Sexualerziehung" und „Umgang mit Suchtmitteln". Ein Teil von ihnen war bei der Vernissage anwesend und erläuterte Entstehung und Zielsetzung der Ausstellung, deren Mittelpunkt insbesondere auch der Begriff beziehungsweise die Definition von „Heimat“ bildet. „Anfangs des Schuljahrs gab es erste Gerüchte, dass in unserer Turnhalle eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge eingerichtet werde und wir einige Zeit keinen Sportunterricht hätten“, erinnerten sie sich. Als sie dann da gewesen seien, sei der Wunsch entstanden, sich ein genaueres Bild über die Flüchtlinge und deren Schicksale zu machen. Es sei ihnen dabei insbesondere darum gegangen, Vorurteile aus der Welt zu schaffen und den - von verschiedenen, auch politischen Seiten verbreiteten - falschen Fakten entgegen zu lenken. Sehr schnell habe man gemerkt, dass das Themengebiet sehr groß und von einer Schülergruppe allein nicht zu bewältigen sei. Daher habe man sich zusammengeschlossen. Bei einer Wochenendfahrt der Schülergruppen mit ihren Lehrkräften in der Jugendherberge Weihersmühle habe man die Arbeiten in unterschiedliche Gruppen und Rubriken aufgeteilt. Dabei fasste man den Entschluss, Gespräche mit den Flüchtlingen zu führen. Hierfür besuchte man sie auch in ihren Unterkünften. „Die Treffen haben uns die Augen geöffnet und so manches Vorurteil widerlegt“, erklärten die Schüler und Schülerinnen. Von Dezember 2015 bis März 2016 arbeiteten diese schließlich an der Gestaltung der Tafeln für die Ausstellung, die am 6. April an der Schule ihre Eröffnung feiern konnte. „Wir haben schnell gemerkt: Zwei Monate ohne Sport – Das ist doch gar nicht so schlimm, wenn dafür die Dreifachturnhalle Flüchtlingen als Notunterkunft dient“, betonten die Ranger und MutMacher.

Wie diese ausführten, wolle man mit der Ausstellung zur Widerlegung von Vorurteilen sowie  zum interkulturellen Austausch beitragen. Unterteilt sind die Tafeln in mehrere Themenbereiche wie beispielsweise in die rechtlichen Grundlagen sowie in Zahlen, Daten und Fakten. Im Faktencheck entkräftet man Vorurteile mit Argumenten. Einen breiten Raum nehmen die Interviews mit Flüchtlingen ein wie auch der Begriff Heimat, dessen Definition und eine Sammlung von Heimat-Statements. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung mit stimmigen Beiträgen von Florian Jungkunz am Klavier. Die Ausstellung kann bis zum 27. Juli während der üblichen Öffnungszeiten der Sparkasse betrachtet werden.Anwesend bei der Vernissage waren auch Vertreter der Rummelsberger Werke sowie von UNICEF Oberfranken, bei denen die Ausstellung zu einem späteren Zeitpunkt zu sehen sein soll.

Heike Schülein