„Es sind Menschen mit ihrer ganz persönlichen Geschichte!“

 

Zu Beginn des Schuljahres hatte das Kronacher Schulzentrum für einige Zeit neue ‚Nachbarn’. Als die Asylbewerber nach einigen Wochen die Turnhallen wieder verließen, hatten sie Spuren bei den Schülerinnen und Schülern hinterlassen. Bei zwei Schülergruppen am Frankenwald-Gymnasium entstanden die Idee und der Wunsch, sich ein genaueres Bild über die Flüchtlinge und deren Schicksale zu machen. Nach mehreren Monaten intensiver Arbeit haben die Schülerinnen und Schüler nun ihr Ziel erreicht: Die von ihnen konzipierte Ausstellung ist fertig. Sie trägt den Titel „Menschen – Flucht, Vertreibung, Heimat“ und wird am heutigen Mittwoch offiziell eröffnet.

 

Als er eine der insgesamt 14 Ausstellungstafeln in der Hand hält, ist Rafael sichtlich beeindruckt. „Die Druckqualität ist wirklich toll. Und die Schriftgröße passt ganz hervorragend.“ In Rafaels Stimme schwingt neben Stolz auch ein wenig Erleichterung mit, denn bisher hatte er die Ausstellungstafeln immer nur im Kleinformat auf dem Bildschirm seines Laptops gesehen. Der 16jährige Schüler des Frankenwald-Gymnasiums ist nämlich verantwortlich für das Layout dieser Tafeln. Inhaltlich gestaltet wurden die Ausstellungstafeln von über 40 seiner Mitschüler. Sie alle gehören entweder der Schulgruppe der „Ranger“ oder der „MutMacher“ an. „Bei solch einem ambitionierten Projekt war uns klar, dass wir die Arbeit auf möglichst viele Schultern verteilen“, erläutert Religionslehrer Matthias Simon die Tatsache, dass die Ausstellung rund um das Thema „Flüchtlinge“ von zwei Schülergruppen des FWGs gestaltet wurde. Ein weiterer Grund war das enorme Interesse der Schülerinnen und Schüler an dem Thema: „In der Öffentlichkeit wird so viel über die sogenannte ‚Flüchtlingsproblematik’ gesprochen, das wir uns unbedingt ein eigenes, möglichst objektives Bild von der Wirklichkeit machen wollten“, erklärt die 17jährige Victoria Tauber ihre Motivation zur Teilnahme an der Ausstellung. Und die Inhalte und deren Präsentation können sich in der Tat sehen lassen. „Wir wollten ganz bewusst auf selbst gebastelte Plakate verzichten, sondern das Thema mit der neusten Technik und somit möglichst nachhaltig beleuchten“, erläutert Katharina Trapper, die die Aktion als Lehrkraft ebenfalls begleitet hat,  den bemerkenswerten Aufwand, der hinter der Ausstellung steckt.

Bis die insgesamt 14 Informationstafeln und die überdimensionale Stellwand fertig waren, bedurfte es einiger Vorarbeiten. Diese konzentrierten sich zunächst auf den inhaltlichen Aspekt. Zu Beginn des Schuljahres hatten sich die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrkräften für zwei Tage in die Jugendherberge in der Weihermühle zurückgezogen, um sich über das Thema informieren zu lassen. Dafür konnten die „Ranger“ und „MutMacher“ mit Dr. Sabine Klotz von der Friedrich-Alexander-Universität eine echte Expertin gewinnen. Spätestens als sie die Hintergründe und Zahlen der sogenannten Flüchtlingswellen vorgestellt hatte, war den Schülerinnen und Schülern klar: Wir müssen hier etwas tun! Die Idee zu einer Ausstellung war geboren. Und ein passender Titel war auch schnell gefunden und zeigt auf eindrucksvolle Art den ganz besonderen Schwerpunkt dieser Ausstellung. „Wir wollen mit der Ausstellung aufzeigen, dass es nicht richtig ist, von einer ‚Flüchtlingswelle’ oder einem ‚Flüchtlingsproblem’ zu sprechen. Die Flüchtlinge sind vor allem eins: Menschen mit ihrer ganz persönlichen Lebensgeschichte“, erklärt Victoria die Zielsetzung der Ausstellung. Demzufolge trägt die Ausstellung den Titel „Menschen – Flucht, Vertreibung, Heimat“ und macht damit bereits im Titel die eigenen Schwerpunkte deutlich. Denn neben den Zahlen und Fakten rund um die Flucht und die Vertreibung von Millionen von Menschen kristallisierte sich im Laufe der Vorbereitungen ein weiterer Schwerpunkt immer weiter heraus: der Begriff der ‚Heimat’. „Die Menschen, die sich auf den Weg nach Europa machen, zahlen dafür einen hohen Preis, indem sie ihre Heimat verlassen und den Weg in die Ungewissheit wählen“, beschreibt Alexa die Erfahrungen, die die Schülerinnen und Schüler während der Vorbereitungen sammelten. Eine wichtige Informationsquelle waren dabei die Flüchtlinge selbst. Vor einigen Wochen trafen sich die „Ranger“ und die „MutMacher“ an ihrer Schule mit Asylbewerbern, um von den Betroffenen selbst mehr über deren Geschichte zu erfahren. „Das waren unglaublich bewegende Momente und ich tauschte mich danach ein komplettes Wochenende mit meiner Familie über diese Lebensgeschichten aus“, erinnert sich Victoria an die eindrucksvolle Begegnung.  Aus der Begegnung sind drei Tafeln entstanden, in denen die Asylbewerber von ihrer Flucht, aber auch von ihren Hoffnungen, die sie mit ihrer neuen Heimat verknüpfen, sehr persönlich berichten. Weitere Tafeln widmen sich dem ‚Fakten-Check’, der Vorurteile gegenüber Asylbewerbern widerlegt, sowie den Fluchtrouten, den gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Definition von Heimat. Hier haben sich die Schülerinnen und Schüler etwas ausgedacht, damit man den Ausstellungsbesucher zum Nachdenken und zur aktiven Mitgestaltung der Ausstellung animieren kann.

Die Ausstellung wird am morgigen Mittwoch um 18 Uhr in der Pausenhalle des Frankenwald-Gymnasiums offiziell eröffnet. Zu der Eröffnung sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Die Ausstellung selbst wird im Bereich der Cafeteria der Kreisbibliothek gezeigt und ist an den Schultagen für die Öffentlichkeit zugänglich.

-mts-