Ein „Gans“ toller Tag!

 

Im Rahmen des Natur und Technik-Unterrichts erhalten die Schülerinnen und Schüler der 6. Klassen des Frankenwald-Gymnasiums jeweils einen Tag lang Unterricht von einer echten Expertin: Diplom-Biologin und „Gänsemutter“ Angelika Hofer entführt in einem Workshop in die wunderbare Welt der Gänse.

Dem Ausdruck „dumme Gans“ hat Angelika Hofer einiges entgegenzusetzen. Sie muss es schließlich auch wissen. Immerhin war sie „Adoptivmutter“ von zehn verwaisten „Gänsekindern“, um die sie sich einen Sommer lang kümmerte. Ihre Zöglinge folgten ihr auf Schritt und Tritt und nahmen sie als Mutter an. 1988 verfilmte der Westdeutsche Rundfunk ihre Erfahrungen mit den jungen Gänsen in der Fernsehserie „Tagebuch einer Gänsemutter“.

Angelika Hofer wurde über Nacht deutschlandweit bekannt. Knapp 30 Jahre später steht sie drei Tage lang vor den 6. Klassen des FWGs und hat „Gans“ viel zu erzählen.

Der Blick in den Kunstsaal des FWGs verrät es bereits: Angelika Hofer hat „Gans“ viel Gepäck dabei und natürlich dreht sich dabei alles um das Tier, das auch im Mittelpunkt des

Workshops steht. Dieser erstreckt sich über jeweils vier Schulstunden und beleuchtet beispielsweise neben verschiedenen Gänsearten und deren Eigenheiten auch die historische Bedeutung des Federviehs, wie auch die Rolle der Gans in Literatur, Wissenschaft, Werbung und Kunst. Dass Angelika Hofer dabei auf allerlei Materialien zurückgreifen kann und wie ein geübter Pädagoge sicher Arbeitsformen und Methoden abwechselt, macht den Tag kurzweilig, so richtig unvergesslich wird er aber durch Angelika Hofer und ihre Lebensgeschichte selbst. Denn die Geschichte von der jungen Biologin, die beschließt, „Gänsemutter“ zu werden, um das Phänomen der Prägung näher zu beleuchten, fesselt die Schülerinnen und Schüler. Über diese und ähnlich spannende Begegnungen mit anderen Tieren hat Angelika Hofer zusammen mit ihrem Mann und Fotograf Günter Ziesler über zwölf Bücher verfasst.

Über das gelungene Gänse-Projekt am FWG freute sich auch Klassenlehrerin Alexandra Reiter. Zum einen wurde damit der vom Lehrplan eingeforderte Themenbereich „Vögel“ abgedeckt, zum anderen erhielten die Schülerinnen und Schüler über die „Gänsemutter“ natürlich einen sehr viel persönlicheren Zugang zu dem Thema. Alexandra Reiter und Angelika Hofer kennen sich seit vielen Jahren privat. „Den ‚Gänse-Projekttag’ am FWG durchzuführen, hatten wir schon lange im Blick. Umso schöner ist es, dass es jetzt geklappt hat“, so die Kunstlehrerin, die zugleich das Fach Natur und Technik unterrichtet. Und auch Angelika Hofer ist glücklich über den Verlauf der drei Tage und bereut die lange Fahrt von Füssen nach Kronach keineswegs. „Die Schülerinnen und Schüler waren sehr interessiert, sehr aufgeschlossen und haben super mitgearbeitet!“, so die Diplom-Biologin. „Bei den Vorplanungen zu dem Projekt hatte mich mein Mann vor der Vielzahl der Inhalte, die ich den Schülern vermitteln wollte, noch gewarnt. Aber es gibt über Gänse eben auch so viel zu erfahren!“, so die Verhaltensforscherin. Das Wichtigste ist und bleibt für Angelika Hofer aber die Botschaft, die sie von ihrem großen Vorbild Konrad Lorenz mit auf den Weg bekommen hat und die sie auch in Kronach vermittelte: „Um die Schönheit der Natur zu bewahren, müssen wir einen positiv emotionalen Zugang zu den Lebewesen schaffen, die mit uns diese Welt teilen.“ Am Frankenwald-Gymnasium hat Angelika Hofer diese Mission auf jeden Fall und „Gans“ sicher erfüllt.

-mts-