Das FWG fördert regionale Autoren

 Florian Greuling zu Besuch im Deutschunterricht der Q11

Am 11. Januar 2016 besuchte der Autor Florian Greuling das Frankenwald Gymnasium und hielt für einen Oberstufen-Deutschkurs eine Lesung aus seinen Werken. Dabei bewies er den Oberstufenschülern, dass Lyrik nicht automatisch antiquiert und langweilig sein muss.

 

Vor Kurzem hatte der Bayerische Rundfunk in der Frankenschau bereits über den gebürtigen Coburger berichtet und ihn dabei als „Mechalyriker" betitelt, denn: der 36-Jährige ist eigentlich KFZ-Techniker-Meister und widmet sich nach dem Dienst in der Werkstatt der Dichtkunst. „Wortwanderungen, die zum Träumen anregen. Ein bisschen melancholisch, natur- und heimatverbunden", so wurden die Gedichte des regionalen Autors im Bayerischen Rundfunk bezeichnet. Herr Greuling hat bislang zwei Gedichtbände („Lyrik auf Abwegen") herausgegeben und bei verschiedenen regionalen Veranstaltungen, z.B. „StadtLesen" in Coburg, der „Museumsnacht" in Seßlach oder dem Altstadtfest in Bad Staffelstein gelesen.

Normalerweise erkläre er bei seinen Lesungen dem Publikum seine Gedichte nicht explizit, so der Autor, sondern lasse sie auf die Zuhörerschaft nur wirken. Im Rahmen der Schulveranstaltung zeigte Herr Greuling jedoch ganz schülernah auf, wie seine Lyrik entsteht und was hinter den einzelnen Gedichten steckt: So sei sein Gedicht „Farbenzauberer" in Anlehnung an Eindrücke aus der Lackierabteilung seines Betriebs heraus entstanden, „Die Unbekannte" aus nächtelangen Internetchats mit einer Frau, die ihn fasziniert habe, die er jedoch nie persönlich getroffen habe.

In einer Doppelstunde bewies Herr Greuling, dass er über ein breites thematisches Repertoire verfügt: Seine Gedichte beschäftigen sich mit dem Tod, mit dem Motiv der Freiheit und der Sehnsucht aus dem herkömmlichen Leben auszubrechen, bis hin zu Natur und den Herausforderungen, denen sich ein Künstler beim Schreiben gegenübersieht (z.B. „Feindland"). Dabei wirft der Jungautor auch immer wieder einen Blick auf unterschiedliche Aspekte der menschlichen Gesellschaft, zum Beispiel, wenn er in „Abgerutscht" das Leben eines Obdachlosen oder in „Verkehrt" die Tätigkeit eines Straßenfegers aufgreift und beweist dabei seinen Blick für Details. Aber auch humoristische Gedichte wie „Märchenprinz" fanden bei der Lesung ihren Platz: hier verwandelt sich entgegen der üblichen Vorstellung nicht ein Frosch in einen Prinzen. Stattdessen ist nach einer jahrelangen Beziehung die Euphorie deutlich getrübt: der ehemalige Prinz wird nunmehr nur noch als Frosch empfunden. Auch das Spiel mit Wörtern und der Sprache kam bei dem Vortrag nicht zu kurz, zum Beispiel beim Gedicht „Coburg", das als Akrostichon gestaltet ist oder bei „Grashalm" und „Wandmalerei", wo als Auflösung des Gedichts geschickt mit Redewendungen („ins Gras beißen", „den Teufel an die Wand malen") gearbeitet wird.

Durch seinen Vortrag versuchte Herr Greuling den Oberstufenschülern den Blick zu öffnen, dass sich Lyrik längst nicht nur auf Texte beschränke, die es im Unterricht stur auswendig zu lernen gebe. Stattdessen seien sie jeden Tag von Lyrik umgeben, wenn sie beispielsweise den Liedtexten ihrer bevorzugten Musikrichtung zuhören würden: auch dies seien letztendlich nichts anderes als vertonte Gedichte, was vor allem im englischen Sprachgebrauch („lyrics") besonders ersichtlich sei. So ermuntert der Autor die Jugendlichen zu einer Wertschätzung der Dichtkunst, denn sie „beflügelt die Phantasie, und man kann Welten entstehen lassen oder zerstören. Man kann sich auf eine Reise in die Zukunft begeben oder die Vergangenheit wieder aufleben lassen. Probleme des Alltags kann man aufarbeiten, mit Worten bekämpfen und manchmal sogar besiegen."

StRin B. Göckel