Im Zeichen einer guten Nachbarschaft

 

Auf Initiative der Schülermitverantwortung (SMV) des Frankenwald-Gymnasiums und in Zusammenarbeit mit der Caritas sammeln Schülerinnen und Schüler des FWGs Taschen und Koffer. Für die Asylbewerber in der angrenzenden Sporthalle sind diese Spenden ein wichtiger Beitrag zur Wahrung einer gewissen Privatsphäre.

Als Cornelia Thron, Geschäftsführerin des Caritas-Verbandes im Landkreis Kronach, in der vergangenen Woche die Aula des Frankenwald-Gymnasiums betritt, kennt sie nur eine Reaktion: „Ihr seid einfach spitze!“ Grund für diesen spontanen Begeisterungszuruf sind die Schülerinnen und Schüler, die Cornelia Thron bereits erwartet hatten. Hinter ihnen türmen sich Kartons auf. In diesen Kartons befinden sich Taschen und Koffer, die die Schülerschaft des FWGs gerne an die Asylbewerber, die in den Sporthallen des Schulzentrums eine erste Bleibe gefunden haben, überreichen will. Die Übergabe an die Caritas stellt für die Schülerinnen und Schüler den Höhepunkt dieser Spendenaktion dar.

 

In die Wege geleitet hatten diese Aktion die SMV mit den drei Schülersprechern und den Mitgliedern des „Arbeitskreises Aktion“ (AK Aktion). In Rücksprache mit dem Direktorat des Frankenwald-Gymnasiums bestand schon seit langem der Wunsch, den „Nachbarn“ in den Sporthallen des Schulzentrums etwas Gutes zu tun und damit ein Stück der „Willkommenskultur“ zu leisten, die seit vielen Wochen und Monaten große Teile der deutschen Bevölkerung praktizieren. Um das Ganze auch in die richtigen Bahnen zu leiten, stellte Lina Prell, zweite Schülersprecherin am FWG, den Kontakt zur Caritas her. „Ich war ganz begeistert, als Lina auf mich zukam und fragte, wie man konkret helfen könne “, erinnerte sich Cornelia Thron. „Und in der Tat kam euer Angebot zur Hilfe genau zum richtigen Zeitpunkt: Denn die Asylbewerber brauchen derzeit vor allem Taschen und Koffer!“ Dabei geht es nicht primär um den Umzug der Asylbewerber aus der Notunterkunft am Schulzentrum ins Dreefs-Gebäude in Marktrodach, sondern vielmehr um die Privatsphäre der Menschen dort. „Wenn die Asylbewerber dort unterkommen, werden ihnen eure Taschen und Koffer die Möglichkeit bieten, Kleidung und persönliche Dinge zu verstauen.“ Frau Thron erinnerte die Schülerinnen und Schüler in diesem Zusammenhang an den Umstand, dass die Menschen auf ihrer Flucht und auch danach ihr Hab und Gut meist in Plastiktüten verstauen müssen.

„Das hatten wir in einer Versammlung an die Klassensprecher weitergegeben, damit diese wiederum in den Klassen Werbung für die Taschenaktion machen“, erläuterte Schülersprecherin Maria Welscher das weitere Vorgehen. Unterstützt wurden die Schülersprecher dabei vom AK Aktion. „Die Schüler hatten zwei Tage lang die Gelegenheit, Taschen bei uns abzugeben. Und auch die Lehrer beteiligten sich eifrig an der Aktion“, berichtete Susan Schmidt vom AK Aktion. Schnell türmten sich die Spenden im Nebenraum der Schulaula. Von kleinen Handtaschen bis hin zum großen Rollkoffer war alles dabei. „Insgesamt sind über 100 Taschen und Koffer zusammengekommen“, erklärt Susan Schmidt stolz bei der Übergabe. Cornelia Thron ist sichtlich zufrieden. Zusammen mit ihren Helfern bringen die Schülerinnen und Schüler die Kartons mit den Spenden in den Transporter der Caritas. „Gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz und in Absprache mit dem THW werden wir die Taschen und Koffer dann in Marktrodach an die Asylbewerber übergeben“, erläuterte Cornelia Thron abschließend das weitere Vorgehen.

Und auch Dr. Klaus Morsch, Schulleiter des Frankenwald-Gymnasiums, zeigte sich stolz über das Engagement seiner Schülerschaft. „Ich finde es toll, wie sich unsere Schülerinnen und Schüler hier eingebracht haben.“ In diesem Zusammenhang betonte der Schulleiter auch, dass sich die Schülerinnen und Schüler und die Asylbewerber stets höflich und respektvoll zueinander verhalten hätten. Es gab keinen einzigen Zwischenfall. Und der Schulleiter ist sich sicher: „Auch wenn es wegen der starken Fluktuation der Flüchtlingsgruppen im Erstaufnahmelager am Schulzentrum nicht zum direkten Kontakt kam und auch bis zum 17. Oktober wohl nicht mehr kommen wird, wurden die Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums durch die unmittelbare Nachbarschaft nachhaltig für das Thema sensibilisiert.“

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