Museumsbesuch in Mödlareuth: (Be)greifbare Grenzgeschichte

 

Wie schon in den Jahren zuvor unternahmen die zehnten Klassen im Rahmen des Geschichts- und Sozialkundeunterrichts eine Exkursion nach Mödlareuth, auf der sie von StR Sebastian Stepanek, StR Christian Roegner, StRefin Julia Neumann und StRefin Stefanie Grünthaler begleitet wurden. Am 17.07.2015 besichtigten sie das Deutsch-Deutsche Museum und dessen Freigelände in dem 50-Einwohner-Dorf, welches in der Nähe von Hof liegt und von den Amerikanern „Little Berlin“ genannt wurde. Wie der Name erahnen lässt, dreht sich dort alles um die Teilung Deutschlands in Ost und West, welche von 1949 bis 1989/90 andauerte.

 

Gleich bei der Ankunft am Parkplatz begeisterten sich Schüler und Lehrer für einen alten russischen Panzer, vor welchem sie für ein Gruppenfoto posierten. Dann führte sie ihr Weg weiter zum Deutsch-Deutschen Museum, wo die Klassen in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Bei einer Führung durch den Ort schilderte ein Mitarbeiter des Museums anschaulich und mit vielen Fallbeispielen die Geschichte der Teilung Deutschlands bzw. Mödlareuths. Er erzählte von den 37 Jahren, in denen das Dorf geteilt und jeglicher Kontakt zur „anderen Seite“ verboten war. Familien und Freunde konnten nur mittels aufwändiger Genehmigungen und umständlicher Reisen einen Besuch - oft erst nach langen Jahren des Wartens - antreten. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg grenzte vorerst nur der Tannbach die amerikanische von der sowjetischen Besatzungszone ab. Im Juni 1952 teilte schon ein Bretterzaun Ost- und West-Mödlareuth. 1958 wurde dieser durch einen Stacheldrahtzaun ersetzt und seit 1966 riegelte eine 700m lange Betonsperrmauer ähnlich der Berliner Mauer den Weg nach Westen ab. Außerhalb des Ortes Mödlareuth war die innerdeutsche Grenze durch einen Metallgitterzaun abgesichert. Zusätzlich sollten dort Beobachtungstürme mit Grenzposten, Tretminen und elektrische Signal- sowie Selbstschussanlagen die Menschen am Überqueren der Zonengrenze hindern. Eine Flucht wurde damit (fast) unmöglich.

Anschließend besichtigten die Schüler das Freigelände des Deutsch-Deutschen Museums. Dort konnten sie die innerdeutschen Grenzanlagen erkunden, die hier in einem kleineren Maßstab nachgebaut worden sind. Daneben findet sich auch ein 200m langes Originalstück der Mödlareuther Mauer, das als Mahnmal erhalten wurde. Danach wurde im hauseigenen Kino eine Dokumentation mit Filmausschnitten aus der Zeit der Teilung Mödlarueths präsentiert. Interessant sind auch die Konsequenzen der Teilung des Dorfes, die noch heute zu spüren sind: die Zugehörigkeit zu zwei Bundesländern (Bayern und Thüringen), unterschiedliche Telefonvorwahlen und Ferienzeiten für die Schüler.

Abschließend besichtigten die Schüler selbstständig die Fahrzeughalle mit alten Grenzfahrzeugen aus BRD und DDR sowie die Sonderausstellung zu den Prager Botschaftsflüchtlingen von 1989. Besonders die Fahrzeugausstellung erfreute sich bei Lehrern wie Schülern großer Beliebtheit, da die gut erhaltenen Verkehrsmittel wie Trabbis, Grenzfahrzeuge, Panzer und sogar ein bundesdeutscher Hubschrauber spannend anzusehen waren. So konnte man sich leicht in den Alltag an der Grenze zur Zeit des Kalten Krieges zurückversetzen.


Bei teilweise bewölktem, jedoch angenehm warmem Wetter war es ein sehr interessanter Ausflug, welcher das im Unterricht Gelernte nochmals aufgefrischt und anschaulich illustriert hat.

Sarah B., 10b