„Unwissenheit schützt die Täter!“

 

„Wenn es euch nicht gäbe, müsste man euch erfinden.“ Alfons Hrubesch machte aus seiner Begeisterung keinen Hehl. Was ihm die rund 80 Medienscouts der zehn Schulen aus drei Landkreisen gerade vorgestellt hatten, machte den Leiter der Außenstelle Kronach/Lichtenfels/Kulmbach des WEISSEN RING stolz und glücklich zugleich.

Vor knapp 18 Monaten wurde vor allem auf seine Initiative hin die Idee der Medienscouts an den weiterführenden Schulen in den drei Landkreisen geboren, vor einem Jahr erfolgte dann die erste Ausbildungsphase der jungen Menschen. Nun trafen sich alle Medienscouts, deren betreuende Lehrkräfte sowie Mitarbeiter des WEISSEN RING in Kronach zum Erfahrungsaustausch und zur weiteren Fortbildung der Medienscouts. Die größte Anzahl von Schülern stellte dabei erneut der Landkreis Kronach. Insgesamt 46 Medienscouts der beiden Kronacher Gymnasien, der Maximilian-von-Welsch-Realschule und der Gottfried-Neukam-Mittelschule waren vor Ort.

 

„Unwissenheit schützt die Täter, und diese Unwissenheit dürfen wir nicht akzeptieren“, formulierte Alfons Hrubesch zu Beginn der Fortbildung im Saal der Kronacher Kreissparkasse die Grundausrichtung und den Anspruch der Medienscouts. Und genau gegen diese Unwissenheit im Bereich der neuen Medien kämpfen die Medienscouts seit nun einem Schuljahr an vorderster Front. Die dahinter steckende Idee basiert auf den Ansatz der „Peer-to-Peer-Education“. Für die Medienscouts bedeutet das, dass sie nach ihrer Ausbildung den Mädchen und Jungen ihrer Schule im Bereich der Medienerziehung zur Seite stehen und diesen unter Begleitung von Lehrkräften Medienkompetenz auf Augenhöhe vermitteln. Zu welchen Ergebnissen dieser Ansatz bereits geführt hat, unterstrichen die kurzen Einsatzberichte der anwesenden Schülergruppen. „Unser Hauptaugenmerk liegt weiterhin auf der Präventionsarbeit“, stellten die Medienscouts einhellig fest.

Hierfür haben die Medienscouts in ihrer bisherigen Tätigkeit zahlreiche Ideen umgesetzt und haben dabei auch wichtige Erfahrungen gesammelt: „Ohne die Mithilfe der Eltern bei der Medienerziehung der Kinder geht gar nichts“, berichtete beispielsweise Theresa Pietz vom Frankenwald-Gymnasium Kronach. Aus diesem Grund suchten in den vergangenen Monaten viele Medienscouts den Kontakt zu den Eltern an ihrer Schule, indem sie beispielsweise Elternabende unter das Thema der reflektierten Mediennutzung stellten und diesen maßgeblich mitgestalteten.

„Der Schwerpunkt unserer Arbeit bleibt aber ganz sicher die Information der Mitschüler über Möglichkeiten und Gefahren der neuen Medien“, erklärten die anwesenden Lehrkräfte. Durch Vorträge und Workshops in zahlreichen Jahrgangsstufen waren die Medienscouts ihren Mitschülern echte Wegbegleiter auf Augenhöhe. Inhaltlich reichte die Palette dabei vom Einrichten sicherer Passwörter und einer aufwändigen Umfrage zum Mediennutzungsverhalten der Mitschüler bis hin zum Angebot einer möglichen ersten Anlaufstelle bei Cyber-Mobbing-Attacken.

Eine Erfahrung zog sich wie ein roter Faden durch die jeweiligen Rückblicke der Medienscouts und damit durch alle drei Landkreise: „Wir müssen mit der Präventionsarbeit bereits in den 5. und 6. Klassen beginnen. Sobald die Schüler ein eigenes Smartphone in der Hand halten, sind sie nicht nur den Chancen sondern eben auch den Gefahren dieses Mediums ausgesetzt“, waren sich alle Medienscouts einig. Aus diesem Grund haben einige Schulen sogar den Kontakt mit benachbarten Grundschulen gesucht, um bereits hier präventiv tätig zu werden. „Ein unbedachter Umgang mit WhatsApp oder Facebook kann ein Kind von heute auf morgen zum Opfer oder Täter einer Cyber-Mobbing-Attacke machen. Indem wir die Schüler über diese Gefahren informieren, wollen wir sie davor schützen“, so die Medienscouts. Alfons Hrubesch erinnerte in diesem Zusammenhang alle Anwesenden daran, dass der WEISSE RING ein wichtiger Ansprechpartner für die Opfer solcher Attacken sei. „Das Opfer hat fast immer lebenslänglich, und gerade deswegen bedarf es einer intensiven Betreuung, die der WEISSE RING vermitteln und leisten kann.“

Die Erfahrung der Medienscouts, dass vor allem die jüngsten Schülerinnen und Schüler noch Lücken beim Wissen um eine angemessene Mediennutzung haben, hatte der WEISSE RING bereits im Vorfeld aufgegriffen und deshalb die Fortbildungsveranstaltung in Kronach unter das Thema der sicheren Handynutzung gestellt. Hierfür hatte das Team um Peter Bürgin mit Marco Di Filippo einen deutschlandweit bekannten Programmierer und „Hacker“ gewonnen, der den Medienscouts auf erfrischend jugendliche aber zugleich auch schmerzhaft realitätsnahe Art und Weise vermittelte, wie schnell man einem Hackerangriff ausgesetzt sein kann. Dabei erhielten die Medienscouts zahlreiche Tipps und Hinweise zum Schutz vor solchen Attacken, die sie sicherlich an ihre Mitschüler weitergeben werden.

Mit der ganztägigen Veranstaltung hielt der WEISSE RING Wort: Bereits bei der Auftaktveranstaltung im Juni 2014 stellten Alfons Hrubesch und sein Team klar, dass das Projekt „Medienscouts“ nur dann Erfolg habe, wenn es langfristig angelegt sei. Die dafür nötige Kontinuität stellten die anwesenden Schulen bei der Fortbildungsveranstaltung in Kronach eindrucksvoll unter Beweis. Unter Regie der betreuenden Lehrkräfte hatte eine Vielzahl der Schülergruppen bereits jüngere Medienscouts mit nach Kronach gebracht, die durch die Unterstützung des WEISSEN RINGS zur zweiten Generation der Medienscouts ausgebildet werden.

Über so viel Engagement und Einsatzwillen im Zeichen der Prävention zeigte sich auch Wolfram Maurer als Vertreter der gastgebenden Sparkasse Kulmbach-Kronach begeistert, der die Räumlichkeiten des Hauses gerne zur Verfügung stellte. Das größte Lob erhielten die jungen Medienexperten aber durch den Star-Gast des Tages: Marco Di Filippo resümierte mit Blick auf das Engagement der Jugendlichen: „Ich finde es spitze, wie ihr euch auf einem hochsensiblen Gebiet für eure Mitschüler einsetzt. Macht weiter so!“

-mts-

 

Zusatzinformation: WEISSER RING

Der gemeinnützige Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten hilft überall in Deutschland all jenen Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind, und tritt öffentlich für die Interessen der Betroffenen ein. Der Verein hat in seinen bundesweit 420 Außenstellen 50.000 Mitglieder und kann auf 3.000 ehrenamtliche Mitarbeiter zurückgreifen.

-mts-