Exkursion der neunten Klassen nach Buchenwald

Ein Anhänger voller Leichen, oder was davon übrig geblieben ist - Dieses Bild wird wohl noch vielen aus den neunten Klassen einige Zeit lang in Erinnerung bleiben.

Auch dieses Jahr haben die Klassen der neunten Jahrgangsstufe des FWG die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar (Thüringen) besucht: Dies geschah auf Initiative von Oberstudienrat Heiko Gernlein, der für diese Fahrt auch organisatorisch verantwortlich war.

Im Vergleich zu den letzten Jahren hatte sich einiges geändert, da die Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald (1937-45), ein eigentlich fester Bestandteil des Programms, sanierungsbedingt geschlossen ist. Stattdessen hatte man Gelegenheit, sich einen ersten Eindruck von den Zuständen im Konzentrationslager zu machen, während man die Ausstellung „Schwarz auf Weiß. Fotografien vom Konzentrationslager Buchenwald“ besuchte.

 

Dabei handelt es sich um die älteste und zugleich größte Fotosammlung an einer KZ-Gedenkstätte in Deutschland. Sie beinhaltet z. B. viele  Aufnahmen der SS, Luftbilder der Alliierten, Fotos der ersten amerikanischen Soldaten, die im April 1945 das Lager erreichten oder, vielleicht am bewegendsten, mehrere Bilder von einem Gefangenem, der diese unter Lebensgefahr anfertigte. An dieser Stelle soll auch erwähnt werden, dass seine Bilder zwar von schlechter Qualität sind, der Gefangene aber allein für Dokumentationszwecke sein Leben aufs Spiel setzte. Vielleicht vermittelt diese Tatsache eine ungefähre Vorstellung davon, was die Opfer der SS-Willkürherrschaft durchleiden mussten.

Anschließend bekamen die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, auch die historische Dauerausstellung „Sowjetisches Speziallager Nr. 2 (1945-50)“ zur zweiten Geschichte des Ortes Buchenwald zu besichtigen, diese in thematischen Arbeitsgruppen zu erkunden und abschließend die Dokumentation „Buchenwald-Speziallager Nr. 2“ anzusehen.

Während das Konzentrationslager Buchenwald ziemlich bekannt ist, schließlich wird sehr häufig den Opfern des Nazi-Regimes gedacht, kennt kaum jemand das Speziallager Nr. 2 der Sowjets. Was zunächst als Internierungslager zur Entnazifizierung nach dem II. Weltkrieg begann, endete schließlich in einer Art zweiten Gefängniswelt, die oftmals ohne Verurteilung und aus Rachegründen der Sowjets betreten werden musste. Nur weil die russischen Wärter die deutschen Gefangenen, besser ausgedrückt, die Opfer, nicht häufig körperlich misshandelten, heißt das noch lange nicht, dass diese zweite Verwendung des Konzentrationslagers in irgendeiner Weise besser war als die erste.

Während der Mittagspause versuchte man sich überwiegend von der extremen Hitze zu erholen und verarbeitete die gesammelten Eindrücke - bewusst oder unterbewusst.

Erfrischend kühl hatten es dann die beteiligten Lehrkräfte und Schüler bei der Präsentation eines Dokumentarfilms über das Konzentrationslager Buchenwald im Kino der Gedenkstätte. In diesem gaben ehemalige KZ-Häftlinge Auskunft, historische Aufnahmen wurden gezeigt und kurzweilig in einen 30-Minuten-Film verpackt.

Das vermutlich realistischste Szenario folgte aber erst anschließend während der Führung über das recht weitläufige Gelände. Dabei wurde nicht nur das Krematorium, auch hier wäre eine andere Bezeichnung treffender, Körpervernichtungsanlage, besucht, sondern auch der darunter liegende Keller, vielleicht einer der bedrückendsten Räume im Konzentrationslager Buchenwald.

Dort wurden nicht nur die Leichen achtlos hineingeworfen, nein, der Keller an sich war auch eine Hinrichtungsanlage. Zwar war das Konzentrationslager ein Arbeits- und kein Vernichtungslager, dennoch standen Tötungen auch hier auf der Tagesordnung. Während das typische Erhängen am Anfang tatsächlich noch praktiziert wurde, wich es mehr und mehr dem Erdrosseln an äußerst niedrig angebrachten Haken. Beim Erdrosseln musste sich ein Raubtier, um hier einmal einen passenden Begriff für solche Mörder zu nennen, an das Opfer hängen, damit es am Haken langsam die Luftröhre zugeschnürt bekam. Mindestens genauso bewegend ist der sich im Krematoriumsgebäude befindliche Nachbau der Genickschussanlage, mit der 8.000 sowjetische Kriegsgefangene heimtückisch ermordet wurden.

Unsere Führung fand vor den Grundrissen der Baracken ihren Abschluss, auf dem ehemaligen Appellplatz also, wo die Häftlinge zum Teil stundenlang stehen mussten, ohne sich zu bewegen. In Anbetracht dessen gewann die Hitze an diesem 02.07.2015 eine ganz andere Bedeutung: Immerhin bekam man ansatzweise ein Gefühl davon, was die Opfer ertragen mussten, auch vor dem Hintergrund, immer wieder auf den Schriftzug am schmiedeeisernen Lagertor starren zu müssen: „Jedem das Seine“.

 

Text: Bastian H., 9a

Fotos: Rafael Z., 9a