Franjo Terhart zum Besuch am FWG

 

Am Dienstag, den 12. Mai 2015 fand sich prominenter Besuch am FWG ein: der Autor Franjo Terhart, der an diesem Tag für die 7. und anschließend für die 9. Klasse Lesungen aus seinen Werken veranstaltete. Herr Terhart, ein ehemaliger Latein-und Philosophielehrer sowie Dozent für Literatur und Philosophie, hat mittlerweile über 70 Publikationen vorzuweisen und versteht sich darauf, Kindern und Jugendlichen Wissen über andere Kulturen in anschaulicher und lebendiger Weise nahezubringen.

 

Für die Siebtklässler las Franjo Terhart aus seinem bekanntesten und meistverkauften Buch „Ich – Grace O´Malley“ und schaffte es dabei durch seinen überaus spannenden Vortrag die Welt der irischen Seeräuberin lebendig vor die Augen seiner Zuhörer treten zu lassen. Dabei erklärte der Autor auch, wie er überhaupt zu dem Thema gekommen war: Nach dem Abitur reiste er nach Irland und suchte sich – da er zu dieser Zeit nicht viel Geld besaß – häufig Unterkunft in Pfarrhäusern. In einen dieser Häuser fand er einen Comic über eine irische Seeräuberin, was in ihm das Interesse an diesem Stoff weckte. Ganze zehn Jahre lang recherchierte er über die Piratin Grace O´Malley, bis schließlich sein Buch fertig war. Innerhalb einer Stunde lieferte Terhart den FWG-Schülerinnen und Schülern durch verschiedene Textauszüge einen guten Überblick über das Werk:

Grace wird in ihrer Kindheit oft von Jungen unter Wasser gedrückt, verliert aber – je häufiger sie auf diese Art gequält wird – die Angst vor dem Wasser, so dass sie sogar schwimmen lernt und eine Faszination für die See entwickelt. Ihr Ziel ist es, wie ihr Vater ein Seemann (bzw. eine „Seefrau“) zu werden. Ihre Fähigkeiten dazu beweist sie, als es eines Tages zu Feuer an Bord kommt und sie, während die restliche Besatzung wie gelähmt ist, die Leitung übernimmt und das ganze Schiff rettet. Nach ihrer erzwungenen Hochzeit und dem Tod ihres Mannes, wird sie schließlich die Anführerin eines ganzen Clans und eine bekannte Seeräuberin, die sich sowohl durch überdurchschnittliche Intelligenz und Schlauheit als auch Rachsucht einen bekannten Namen macht. 

Die Schüler lauschten aufmerksam dem Vortrag, - nicht zuletzt deshalb, weil Herr Terhart immer wieder historische Bezüge einfließen ließ und ganz anschaulich und altersgerecht geschichtliche Hintergründe erklärte, z.B. dass im Mittelalter die Fähigkeit zu schwimmen scheinbar wieder verloren war, auch wenn frühere Kulturen wie die Römer dies schon kannten oder dass man früher glaubte, Frauen an Bord eines Schiffes brächten Unglück und jeder anheuernde Matrose in einen Vertrag ankreuzen musste „Ich bin keine Frau“, um sicherzustellen, dass sich keine verkleidete Frau an Bord geschlichen habe.

Für die 9. Klassen begann Herr Terhart damit, einen Zeitgenossen des Kronacher Malers Lucas Cranach vorzustellen, nämlich Hieronymus Bosch, um den sein Werk „Die Geheimnisse meines Meisters Hieronymus Bosch“ kreist.

Mit einer Präsentation zeigte Terhart den Jugendlichen zunächst, wie untypisch und schockierend Bosch für die damalige Zeit malte: Figuren seien nicht ein Abbild der Realität, sondern wirken zum Teil wie aus einer bizarren Fantasiewelt entsprungen und sollten häufig dazu dienen die Kirche zu kritisieren und den Menschen Schlechtigkeit und Sündhaftigkeit vorzuwerfen. Nach grundlegenden Informationen über mittelalterliche Maltechniken und Arbeitsweisen ging es nun um Terharts Roman, in dem ein Schustersohn namens Kwinten van der Weyden die Hauptrolle einnimmt: Er würde selbst gerne malen, was von seinem Vater jedoch aufs Schärfste verurteilt wird. Enttäuscht und gedemütigt verlässt der Junge sein Elternhaus und arbeitet im Folgenden als Gehilfe dieses geheimnisvollen Malers Hieronymus Bosch.

Wie weitgefächert sein literarisches Repertoire reicht, beweist Terhart, indem er den Neuntklässlern noch ein weiteres seiner Bücher vorstellt, welches sich mit einem völlig anderen, aber umso aktuelleren Thema beschäftigt: „Halbmond und Sonne. Eine Liebe im Islam“. Die 16-jährige Nicola musste zu einer islamischen Hochzeit nach Jerusalem reisen, hat darauf aber nicht wirklich Lust. In dem fremden Land lernt sie zwei Brüder kennen. Der eine, der strenggläubige Sayed, will mit ihr als christlicher Frau nichts zu tun haben, der andere, Mohammed, ist viel aufgeschlossener und bringt ihr Land und Leute näher . Im weiteren Verlauf des Aufenthalts häufen sich jedoch die Hinweise darauf, dass Sayed in ein Bombenattentat verwickelt sein muss und selbst ein potentieller Selbstmordattentäter ist. Für Nicola stellt sich die Frage, wie sie sich angesichts dieses Wissens verhalten solle.

Auch hier verstand es der Autor wieder die Jugendlichen zu fesseln, indem er eigene Erlebnisse anschaulich vorstellte. So habe er selbst eineinhalb Jahre in Israel verbracht und bei Palästinensern gelebt. Dort habe er einmal in einem Bus erlebt, wie ein sechsjähriges Kind seine Mutter gefragt habe, wann es endlich alt genug sei, um einen LKW zu fahren, um dann mit Sprengstoff beladen in eine Menge von Ungläubigen hinein zu fahren. Hier zeigte sich, von welcher Aktualität Terharts Stoff doch ist.

Im Anschluss an das abwechslungsreiche Programm hatten die Schüler/innen die Möglichkeit, Fragen zu stellen sowie Bücher des Autors zu erwerben und signieren zu lassen.

 

(StRin B. Göckel)