Gymnasiasten bauten ihre „Traumkirchen“

 

29 Projektseminaristen der beiden Kronacher Gymnasien haben unter der Betreuung von Lehrer Matthias Simon Kirchenmodelle erarbeitet. Ende Januar stellten sie ihre „Traumkirchen“ im Landratsamt vor.

Kronach- Sie sind länglich, rundlich oder quadratisch mit ganz modernen, aber auch traditionellen kirchlichen Motiven. Sie haben die Form eines Fisches, eines Kreuzes oder sogar einer Eistüte. Eine besitzt gleich zwei Kirchtürme mit zwei Turmuhren – Acht solcher in 3 D ausgeführten „Traumkirchen“ sind nebst Konstruktionszeichnungen derzeit in der  Galerie des Landratsamts zu sehen, entworfen und gebaut von den Teilnehmern der P-Seminare Katholische Religionslehre 2013/2015 am Frankenwald-Gymnasium und Kaspar-Zeuß-Gymnasium. Bei einer Studienreise zu Kölner Kirchen und in ihren heimatlichen Gotteshäusern holten sich die Zwölftklässler Anregungen für ihr Projekt „Kirchenräume – Kirchenträume“ zur Gestaltung einer optimalen Kirche und beschäftigten sich mit Fragen wie Raumgestaltung, Lichtführung, Farbgebung sowie liturgischen Notwendigkeiten. Vorgegeben war dabei lediglich die Grundausstattung mit Altar, Tabernakel, Taufbecken und Beichtstuhl. Am Donnerstagabend stellten die Jugendlichen ihre Ideen und Modelle vor, die sie in zehn Monaten in acht Gruppen umgesetzt hatten.

 

Oftmals werde der Inhalt oder Ablauf des Gottesdienstes von Jugendlichen als lebensfremd empfunden, der sie nicht berührt. Eine wesentliche Rolle für dieses Empfinden spiele der Raum, in dem der Gottesdienst stattfindet. Wie entsteht ein solcher Kirchenraum? Welchen Anforderungen der Nutzer muss er genügen und wie wirkt sich die „Mode“ der jeweiligen Zeit auf den Raum und seine Gestaltung aus? Welche Vorgaben gibt es schließlich seitens der Kirche(n) für einen gottesdienstlichen Raum und warum ist das so? Ausgehend von diesen Überlegungen war es das Ziel des Projekts, einen Kirchenraum zu entwerfen, der einerseits den Ideen der Jugendlichen entspricht, andererseits die Vorgaben berücksichtigt, die seitens der Kirchen für die Gestaltung des Raumes gemacht werden.

„Zunächst haben wir unsere Heimatkirchen genauer betrachtet und auf ihren Baustil und die Tauglichkeit für die Gottesdienstfeier untersucht“, so die Zwölftklässler. Die Ergebnisse dieser Erhebung wurden dokumentiert und dem Seminar vorgestellt. Auf einer Exkursion nach Köln unter dem Thema „Kirchenbau am Rhein“ wurden sechs Kirchen aus verschiedenen Epochen besucht und mit Hilfe von Kunsthistorikerin und Theologin Dr. Martina Langel erschlossen. „Jeder von uns entwarf eine „Traumkirche“ und zeichnete dafür mindestens einen Grundriss und eine farbige Außenansicht“, so die Zwölftklässler weiter. Die Entwürfe wurden dem Seminar vorgestellt. Die Ergebnisse wurden bewertet und die „Top 4“ jeder Seminargruppe für den Modellbau ausgesucht. In Dreier- oder Vierergruppen wurden die Modelle umgesetzt, der Innenraum gestaltet und das Raumkonzept verwirklicht.

„Ichthys“ – Diesen Namen trägt das Modell nach einem Entwurf von Bastian Schneider, das er mit Lukas Lunk, Sophia Malter, Bastian Schneider und Dominic Stumpf umgesetzt hat. Seine Kirche hat zwei spitze Türme, das Schiff ist der Form eines Fisches nachempfunden. „Der Ursprung war ein Referat, das ich in der zehnten Klasse hielt. Damals ging es darum, wie man von Jesus reden soll“, verrät Bastian. Das Fisch-Symbol (vom Griech. „Ichthys“) spielte bereits im Urchristentum eine große Rolle, wo es als Erkennungszeichen der Christen untereinander diente. Es ist die kürzeste Form des Glaubensbekenntnisses „Jesus Christus, Gottes Sohn und Retter der Welt“. Die Kapelle seines Gotteshauses ist im Westen, der Hauptraum ist im Osten. „Ich wollte viele natürliche Elemente wie Wasser, Licht und Sandstein“, so der Steinberger. Im Dach ist eine kleine Öffnung, wodurch Regenwasser eindringt und in einem kleinen Becken im Mittelpunkt des Hauptraumes aufgefangen wird. Um die Kirche herum findet sich eine Art Wassergraben beziehungsweise Becken. „Wir beschäftigten uns vor allem mit der Frage, wie man Gottesdienste für Jugendliche attraktiver gestalten kann“, so die vier „Kirchenplaner“. Die Umsetzung sei - laut Sophia - nicht ganz  einfach gewesen – insbesondere das Sägen des Plexiglases. Auch die Klebestellen hätten unschöne Ränder gegeben. Mit dem Ergebnis sind sie sehr zufrieden. „Das, was wir umsetzen wollten, ist uns gelungen“, freuen sie sich.

So unterschiedlich die Modelle auch sind, haben sie doch auch Gemeinsamkeiten. Das Thema Wasser spielt dabei eine große Rolle. Zudem wünschen sich die Jugendlichen viel Grün um die Kirche herum. Die Kirchen sind im Innern eher schlicht gehalten – ohne viel Dekoration, um nicht von der zentralen Botschaft abzulenken. Übrigens: Die Form der Eistüte mit den drei Eiskugeln steht symbolisch für die Trinität Gottes.  

Schülerin Sophie Baumann hatte eingangs die vielen Gäste aus Politik und der Kirche, der Schulfamilien sowie Lehrer und Verwandte begrüßt. Ihr Dank galt insbesondere dem Seminarleiter Matthias Simon, Kreiskulturreferentin Gisela Lang wie auch dem Elternbeirat für die Bezuschussung. Die Redner zeigten sich sehr beeindruckt von der Ausstellung. Stellvertretender Landrat Gerhard Wunder lobte den Praxisbezug und dass die Schulen dieses Thema aufgegriffen hätten. Ein weiteres Thema für ein P-Seminar wäre, wie man diese Kirchen nun auch füllen könne. FWG-Direktor Dr. Klaus Morschdankte - auch namens des ebenfalls anwesenden stellvertretenden Schulleiters Günther Helmreich vom KZG -allen „Kirchenarchitekten“ für die sehr beeindruckende Präsentation. „Ich finde es gut, dass beide Schulen das Projekt zusammen durchgeführt haben“, freute er sich. Dies sei insbesondere dem Religionslehrer Matthias Simon zu verdanken, der an beiden Gymnasien tätig ist. „Ich bin begeistert und stolz auf euch. Respekt vor dieser Leistung“, lobte Diözesanjugendpfarrer Detlef Pötzl, der die Grüße von Erzbischof Dr. Ludwig Schick übermittelte. Er habe von Simon schon einiges über das Projekt gehört. Wenn man junge Menschen frage, was sie an der Kirche störe, erhalte man oft zur Antwort, dass sie zu kalt sei. Damit sei - so Pötzl - sicherlich nicht nur die Heizung gemeint. Es gehe darum, eine Heimat zu finden. „Kirche sind zu Stein gewordene Träume“, zeigte sich der Domvikar sicher. Mit einem Augenzwinkern fügte er hinzu, dass er den Bischoff überreden werde, mindestens drei dieser Kirchen in den kommenden zehn Jahren in der Diözese zu bauen.

Die musikalische Umrahmung der Eröffnung lag in Händen von Philine Weissbach, die sehr stimmungsvolle Liedbeiträge zum Besten gab. Die Ausstellung kann noch bis zum 30. Januar  während der üblichen Öffnungszeiten der Behörde betrachtet werden. hs