Aus dem Deutschunterricht der Klasse 8d

 

Klasse 8d beendet Unterrichtssequenz zur Lektüre „Kleider machen Leute“ von Gottfried Keller mit einer szenischen Inszenierung einer Gerichtsverhandlung.

Falscher Graf prellt Zeche

Am Donnerstag, den 11.12.2014, verurteilt die 8. Strafkammer (Klasse 8d) des „Amtsgerichts am Frankenwald-Gymnasium“ (Klassenraum der Klasse 8d) in einem Schnellverfahren den Angeklagten „falschen Grafen“ Wenzel Strapinski wegen Zechprellerei.

Eine Reportage von Johannes E.

Reumütig sitzt der mittellose Schneider Wenzel Strapinski auf der Anklagebank, als die vorsitzende Richterin Kathrin H. das Verfahren gegen ihn eröffnet. Titelmissbrauch und Zechprellerei wirft ihm der Staatsanwalt Fabius B. vor. Die souverän wirkende Strafverteidigerin, Rechtsanwältin Stina K., sieht den Anklagepunkt des Titelmissbrauchs in ihrer Eröffnungsrede als haltlos an. In ihrer Eröffnungsrede betont sie: „Meinem Mandaten Wenzel Strapinski tut das Geschehene sehr leid und er entschuldigt sich für alle Unannehmlichkeiten. Herr Strapinski trug zur Tatzeit zwar einen prächtigen Mantel. Dieser ist jedoch lediglich ein sehr schöner Wintermantel und lässt keinerlei Rückschlüsse auf den Stand zu. Für den Irrtum, dass mein Mandant ein Graf sei, ist alleine der Kutscher Christoph S. verantwortlich.“

 

Als erste Zeugen im Verfahren lässt die Vorsitzende die geschädigten Wirtsleute, Patrizia H. und Luisa K., in den Zeugenstand rufen. Beide geben zu Protokoll, dass die Aussage des Kutschers, sein Begleiter sei ein Graf, ihnen glaubwürdig erschien: „Nicht nur Wenzel Strapinskis Mantel, sondern auch sein Verhalten und Benehmen war eines Adligen würdig.“ Deshalb habe man ihm die besten Speisen des Hauses serviert. Als man jedoch kassieren wollte, war der Gast verschwunden.

Zum Sachverhalt muss sich auch der Kutscher äußern: Christoph S. berichtet, dass er den Angeklagten auf dem Weg nach Goldach getroffen hat. Da Strapinski gut gekleidet und zu Fuß im strömenden Regen unterwegs gewesen ist, habe er ihn in seiner Kutsche ein Stück mitgenommen. Im Gespräch habe der Angeklagte dann gesagt, dass er ein Graf sei.

Nach dem Kutscher nimmt Nettchen (Klara M.), die schwangere Verlobte des Angeklagten, auf dem Stuhl vor der Richterin Platz: „Mein zukünftiger Ehemann liebt mich sehr und wollte mich mit der Wahrheit nicht enttäuschen. Frau Vorsitzende, Wenzel und ich sind bald zu dritt. Er darf nicht ins Gefängnis! Ich bitte Sie deshalb um ein mildes Urteil“, beschwichtigt sie die Kammer. Any A., Pfarrerstochter und Freundin des jungen Paares sagt aus, sie habe gemeinsam mit Nettchen und Wenzel verschiedene Partys besucht, und auch hier glaubten alle Anwesenden, Strapinski sei ein Graf.           

Zum Schluss der Beweisaufnahme kommt der Angeklagte selbst zu Wort. Mit zittriger Stimme und merklich nervös äußert er sich zum Tatbestand: „Es war nie meine Absicht mich als Graf auszugeben. Leider habe ich aber den Irrtum nicht aufklären können. Ich hatte keine Möglichkeit dazu und es fehlte mir letztlich auch der Mut. Dass ich das Essen in der Gaststätte angenommen habe, ohne die Rechnung zu bezahlen, war nicht richtig, aber ich hatte zu diesem Zeitpunkt kein Geld und war sehr hungrig. “

Nach kurzer Beratung der Kammer verkündet Richterin Kathrin H. das Urteil. Dem falschen Grafen wird für die Zechprellerei auferlegt, die Verpflegungskosten in der Gaststätte abzuarbeiten. In zweiten Anklagepunkt, Missbrauch eines Adelstitels, wird der Angeklagte wegen Mangels an Beweisen frei gesprochen. Sichtlich erleichtert nehmen die werdenden Eltern, Nettchen und Wenzel Strapinski, das sehr milde Urteil auf.

Der Kutscher wird in einem weiteren Verfahren wegen Vortäuschung falscher Tatsachen zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt.