Ein Hauch Fränkisch in Athen

 

Das Oberstufentheater des Frankenwald-Gymnasiums begeisterte seine Zuschauer mit einer ganz speziellen Darbietung von Shakespeares Komödie „Ein Sommernachtstraum“.

 Der Artikel wurde von Johannes Hermann und Tobias Zipfel verfasst. Die beiden Schüler der Q11 besuchen den Wahlkurs "Journalistisches Schreiben" am FWG

 

450 Jahre alt - und doch so modern und unterhaltsam: William Shakespeares Dramen, egal ob Tragödie oder Komödie, haben Kultstatus. Spätestens seit den drei Aufführungen des "Sommernachtstraums" ist das am Frankenwald-Gymnasium nicht anders. Denn unter der Gesamtleitung von Oberstudienrätin Alexandra Reiter gelang der Schauspieltruppe der Oberstufe ein echter Volltreffer. Grund für den Erfolg waren neben der großen schauspielerischen Leistung aller Beteiligten die vielen kleinen und liebevollen Details, mit denen man den eher beengten Räumlichkeiten im zweiten Stock des Schulgebäudes trotzte.  Bestes Beispiel hierfür war das Bühnenbild, für das sich ebenfalls Alexandra Reiter und ihre "Bühnenbild AG" verantwortlich zeigten. „Die Bühnenbildner gelangten diesmal an ihre Kapazitätsgrenze“, gab Alexandra Reiter nach der Premiere zu. „Es mussten sogar noch einige Jahrgangsstufen des Gymnasiums im Kunstunterricht hinzugezogen werden, um die Fertigstellung der ganzen Dekoration zu gewährleisten.“ Das Ergebnis war phänomenal: Auf der kleinen Bühne entstand ein eindrucksvoller Zauberwald voller Lichteffekte, der zum zentralen Handlungsort des Stückes mit all seinen zwischenmenschlichen Irrungen und Wirrungen rund um die anstehende Hochzeit von Theseus (Lara Mühlherr) und Hippolyta (Jill Werner) wurde. Hinzu kamen die liebevoll gestalteten Kostüme. So tummelten sich kleine Elfen neben großen Adligen zwischen Löwen und menschlichen Mauern.

 

Die größten Lacher erntete aber ganz sicher der Auftritt der fränkisch angehauchten Laienschauspielgruppe rund um den Bierkutscher Niklas Zettel (Marcel Müller). Diese sollen zur Ehre des Hochzeitspaares ein Theaterstück aufführen. Zettel lässt seine Schauspielkollegen aber schön warten. Squenz (Elisabeth Lieb), Schnauz (Christine Borger), Schlucker (Lucie Schindhelm), Flaut (Janina Ströhlein) und Schnock (Madeleine Wunder) staunen dann aber nicht schlecht, als Zettel seinen großen Auftritt hat: Stilecht kommt er auf einem Mofa dahergerauscht. Als Bierfahrer hat er auch gleich noch alte fränkische Weisheiten parat: „Su a Seidla Bier, des is die beste Gurgelschmier.“ Spätestens jetzt weiß auch das Publikum: Dieser Zettel ist ein ganz verrückter Hund - auch wenn er später von Puck (Andreas Kornagel) in einen Esel verwandelt wird. 

Die Idee, sich bei dieser Laiengruppe von der Textvorlage zu lösen und dem Fränkischen eine Chance zu geben, erklärte Alexandra Reiter augenzwinkernd: „Das lag vor allem an den Eigenarten unserer Schauspieler. Viele können ja gar nicht anders, als Dialekt zu sprechen.“

Der Rest der Oberstufenschüler musste sich aber an die Textvorlage halten und verfolgte dies mit einer bemerkenswerten Sicherheit. Geradezu spielerisch entwickelten sich so die Konflikte und Zwischenfälle, die durch den Streit zwischen dem Elfenkönig Oberon (Maike Schelhorn) und dessen Königin Titania (Vanessa Schwarz) noch auf die Spitze getrieben werden. Zwischen deren Fronten gelangt nämlich nicht nur die fränkische Laienschauspielgruppe, sondern auch die vermeintlichen Liebespaare Lysander (Christian Hofmann) und Hermia (Celina Höfner) sowie Demetrius (Niklas Löffler) und Helena (Johanna Thron).

Ein Streich von Oberon mit Hilfe seines Kobolds Puck und eines Zaubersafts bringt Titania nämlich dazu, sich in das erste Wesen zu verlieben, das sie nach ihrem Erwachen erblickt. Unglücklicherweise ist das jener Bierfahrer Zettel, der zuvor von Puck einen Eselskopf verpasst bekommen hat. Dass dieser sich im feinsten Fränkisch von den Annehmlichkeiten der herbei gerufenen Elfen begeistert zeigt, treibt den Zuschauern die Tränen in die Augen - vor Lachen, versteht sich!

Nach einer Reihe von weiteren Verwechslungen unter den Athenern und den dadurch entstandenen Liebschaften entscheidet sich Oberon, alle Zauber aufzulösen, auf dass alle glücklich und zufrieden werden. So finden am Ende des Stückes Lysander und Hermia, Demetrius und Helena, sowie auch Theseus und Hippolyta zusammen. Es folgt auf Anordnung der Zeremonienmeisterin Egea (Lea Blinzler) der große Auftritt der Schauspielgruppe, und auch bei deren Darbietung der Tragödie um Pyramus und Thisbe bleibt kein Auge trocken.

„Rundum zufrieden und erleichtert“ - so fiel demnach auch das Fazit von Alexandra Reiter aus, die mit der Unterstützung von Hans Rosanowski, Johanna Thron und Svenja Wohlrath der Geschichte eindrucksvoller Theaterproduktionen am FWG ein neues Kapitel hinzugefügt hat.